Welche Aufgaben fallen der freiwilligen Jugendvereinsarbeit zu? 135
gewerkschaftlicher Kampfhähne heranzuziehen, die später den Führern
selbst die größten Schwierigkeiten und Umstände machen. Sondern
es kann uns nur daran liegen, den jungen Mann rechtzeitig mit
seinen Berufsinteressen vertraut zu machen, die Berufssolidarität in
ihm zu pflegen, die Standessolidarität in ihm zu erziehen, kurz und
gut, aus ihm einen Menschen zu machen, der im Rahmen der Berufsorganisation
das Tüchtigste leisten kann. Von allen Verhältnissen,
die auf die Jugend einwirken, ist unstreitig das Arbeitsverhältnis als
dasjenige zu nennen, das mit den stärksten Eindruck ausübt. Der
jugendliche Lohnarbeiter, der meist schon mit vierzehn Jahren tätig
sein muß, kommt in eine Umgebung, die ihn nach den verschiedensten
Richtungen stark beeinflußt. Die Arbeit beeinflußt ihn körperlich ganz
außerordentlich. Die Umgebung der männlichen Arbeiter, die ihn
zur Arbeit erziehen, die ihn erst bilden sollen, ein tüchtiger Arbeiter
zu werden, beeinflußt den jungen Mann geistig. Kurz und gut, das
ganze Arbeitsverhältnis ist für die Entwicklung der Jugend nach der
körperlichen und nach der geistigen Seite hin von ausschlaggebender
Bedeutung. Es ist eine bekannte Tatsache, daß der jugendliche Arbeiter
fast mehr als alle anderen Stände früh zur Selbständigkeit und
Frühreife neigt, weil ihm der Verdienst, speziell auch jetzt im Kriege,
ganz außerordentliche Chancen nach der Richtung hin bietet.
Es ist ja selbstverständlich, daß die beruflichen Organisationen in
fich die Aufgabe empfinden, auf die jugendlichen Arbeiter einzuwirken,
erstens einmal schon aus dem natürlichen Gedanken, um sich
selbst gewissermaßen den Nachwuchs zu sichern, aber, meine verehrten
Damen und Herren, auch aus dem Grunde, um eine ungebührliche
Ausnutzung des jugendlichen Arbeiters mödlichst zu verhindern und
vor allen Dingen ihn auch so zur Arbeit zu erziehen, daß er lernt,
seine eigene Gesundheit und Körperkraft im Arbeitsprozesse zu schätzen,
und endlich drittens, ihn berufstüchtig zu machen, zu einem Menschen,
der wirklich in der Industrie und im Gewerbe dauernd brauchbar
bleibt. Das sind die Faktoren, die die Berufsorganisationen geradezu
dazu zwingen, sich mit Fragen der Jugendpflege zu befassen, und das
ist, glaube ich, die treibende Kraft gewesen, die uns veranlaßt hat.
immer wieder den Kampf aufzunehmen für die Freiheit, daß die
Berufsorganisationen sich mit der Jugend beschäftigen können, daß
sie junge Leute aufnehmen, sie in ihrer gewerkschaftlichen Organisation
erziehen können.
Dabei stehe ich auf dem Standpunkte, daß die Begrenzung der
Arbeit ganz von selbst gegeben ist, denn die Jugendarbeit und die
Jugendpflege gehören in die Jugendvereine und Jugendpflegevereine,
die Standesarbeit, die Berufsarbeit, gehört in die beruflichen Organisationen.
Wenn beide Richtungen sich gegenseitig verstehen und
ergänzen, nichts Gegenteiliges zueinander haben, dann kann ein erfolgreiches
und ersprießliches Zusammenwirken stattfinden.
Dann ist natürlich die Voraussetzung, um Reibungsflächen zu
vermeiden, die, daß in die Jugendpflegearbeit keine Tendenzen hineingeraten,
die diesem Berufsorganisationsgedanken zuwider sind. Bei
der Stärke der beruflichen Organisationen in Deutschland und bei der