III. Das Innere des Fridericianischen Staates. 231
v. Carmers und seines genialen Gehilfen Svarez (geb. 27. Februar
1746, gest. 14. Mai 1798). Von den Gesichtspunkten
aus, die Friedrich selbst als die leitenden angegeben, gingen
diese beiden Männer, unterstützt von in der Paxis bewährten
richterlichen Beamten, an die Ausarbeitung eines einheitlichen
Rechtsbuches für den preußischen Staat. Die erste Frucht war
eine neue Prozeßordnung, die als erstes Buch des Corpus juris
Fridericianum im Frühjahr 1782 erschien, unter Friedrich selbst
aber eine Fortsetzung nicht mehr fand. Doch hat der fridericianische
Geist auch die weitere Arbeit beherrscht: dem sinkenden
Staate rettenden Halt zu geben, kam sie zu spät; wohl aber
konnte sie für den künftigen Neubau den Grundriß vorzeichnen.
Neben dem Landesvater und Gesetzgeber aber tritt in
Friedrichs Walten auch in diesen letzten Jahren durchaus der
Soldat hervor. Hatte er ursprünglich besondere Neigung zu
militärischer Thätigkeit nicht gehabt, so kannte er doch auch
hier seine Pflicht. Und das erste Gebot der Politik blieb für
Preußen die Erhaltung und Verbesserung seiner Wehrhaftigkeit.
Gerade hier fühlte sich der König daher besonders verantwortlich.
Trotz der zunehmenden Gebrechen des Alters blieb Friedrich
der unermüdliche Bildner und Lehrmeister seines Heeres.
Aber auch da war er vereinsamt und deshalb mehr Autorität, unbedingter
an sich glaubende und unbedingter maßgebende Autorität
als im Interesse der Vervollkommnung der Armee zu wünschen
war. Das brachte einen Schematismus zur Herrschaft, der das
unveränderte Festhalten der einmal als normal anerkannten
Form höher schätzte als die Bereicherung, Vertiefung und lebensvolle
Ausgestaltung des Inhalts. Dem leistete die lange Friedenszeit
Vorschub. Trotzdem erhob die Armee auf den früher
gewonnenen Ruhm hin dem Bürgertum gegenüber hohe Ansprüche,
unterstützt durch den König selbst, der Adlige und Offiziere
für Unterthanen höherer Art hielt. Aber auch von ihnen
verlangte er nicht Rat, sondern nur strikte Ausführung seiner
Befehle und peinlich genaue Einhaltung der Reglements. Das
ertötete allmählich jede eigene Initiative: auch hier gewöhnte
man sich daran, alle Anregung von oben zu erwarten, und
ging ohne sie gedankenlos in dem alten Geleise weiter. Die