Volltext : Der Mündliche Vortrag. Zweiter Teil. Die richtige Betonung und die Rhythmik der deutschen Sprache. (2)

Der  Satzton.  15

Ein  einsam  hülflos  Älter,  ja  vielleicht
Verwegnen  Aufstand  und  frühzeit'gen  Tod.—

O  überlaß  ihn  nicht  sich  selbst,  damit
In  seinem  Busen  nicht  der  Unmut  reife
Und  dir  Entsetzen  bringe,  du  zu  spät
An  meinen  treuen  Rat  mit  Reue  denkst.  —

Du  nahmest  teil  an  meinen  tiefen  Schmerzen,
Als  mir  das  Schwert  der  Feinde  meinen  Sohn,
Den  letzten,  besten  von  der  Seite  ri.

Doch  jetzt,  da  ich  befriedigt  wiederkehre,

Ihr  Reich  zerstört,  mein  Sohn  gerochen  sst,
Bleibt  mir  zu  Hause  uichts,  das  mich  ergötze.

Wie  tröstlich  ist  es  einem  Freunde
Ein  klein  Geschenk  zu  geben,  sei  es  nur
Ein  neuer  Mantel  oder  eine  Waffe.
Die  wahre  Freundschaft  zeigt  sich  im  Versagen
Zur  rechten  Zeit,  und  es  gewährt  die  Liebe
Gar  oft  ein  schädlich  Gut,  wenn  sie  den  Willen
Des  Fordernden  mehr  als  sein  Glück  bedenkt.  —
Du  übernimmst  die  spanischen  Regimenter,
Machst  immer  Anstalt  und  bist  niemals  fertig,
Und  treiben  sie  dich  gegen  mich  zu  ziehen,
So  sagst  du  Ja  und  bleibst  gefesselt  steh'n.
Er  ist  herein.  Ihn  führte  sein  Verhängnis.
Der  Rechen  ist  gefallen  hinter  ihm,
Und  wie  die  Brücke,  die  ihn  trug,  beweglich
Sich  niederließ  und  schwebend  wieder  hob,
Ist  jeder  Rettungsweg  ihm  abgeschnitten.  —
Wenn  du  geglaubt,  ich  werde  eine  Rolle
In  deinem  Spiele  spielen,  hast  du  dich
In  mir  verrechnet.  —
Ich  rechnete  auf  einen  weisen  Sohn,
Der  die  wohlthät'gen  Hände  würde  segnen,
Die  ihn  zurück  vom  Abgrund  ziehn  —  und  einen
Verblendeten  entdeck'  ich,  den  zwei  Augen
Zum  Thoren  machten,  Leidenschaft  umnebelt,