Zur Geschichte der Volksbildung u. des Unterrichts. 387
nach Alvarez, diese nach Gretserus) in 5 Abtheilungen oder Klassen: Rudiment,
Grammatik, Syntax (in eine kleine und große getheilt), humanitas
oder Poesie und Rhetorik. Von dem Zeitpunkte an, wo das Collegium 20 Jesuiten
zählte, kam hiezu noch die Logik nach Aristoteles und Casuistik; als aber
die Zahl 30 überschritt, wurde hier die gesammte Philosophie und Theologie
gelehrt. Bei der Auflösung zählte das Collegium zu Amberg 35 Mitglieder.
Von deutscher Grammatik, oder Ausbildung des mündlichen und schriftlichen
Vortrages in der Muttersprache war in den Jesuitenschulen des 17.
und der ersten Hälfte des 18. Juhrhunderts keine Rede, erst 1740 wurden
die Fortschritte in der deutschen Sprache und Rhetorik bei Berechnung des
allgemeinen Fortgangs berücksichtigt. Der Unterricht in der Geschichte wurde
auf ausdrückliches Verlangen vieler deutschen Fürsten 1725 eingeführt, und
da nur auf Auswendiglernen der höchst einseitig geschriebenen rudimenta
historiae beschränkt. Die Mathematik beschränkte sich ebenfalls auf die
Elemente der Arithmetik und Geometrie, der Experimental-Physik geschieht
erst 1745 Erwähnung. Mit Ferientagen waren die Schüler so reichlich bedacht,
daß sie ein Viertheil des Jahres betrugen. Als Abzeichen trugen alle
Studenten ein Mäntelchen. Alle Monate wurde gebeichtet und communicirt,
die Schüler auch zur fernern Hebung des geistlichen Sinnes in kleinere und
größere marianische Congregationen eingetheilt. Wer aber trotz der vielen in ihnen
vorhandenen Uebelstände den Jesuitenschulen im Allgemeinen, oder speziell in
Amberg, den Vorwurf, nichts geleistet zu haben, machen würde, dem würden
die Namen eines Nicasius Grammaticus, Meillern, Scioppius, Karl Rothfischer,
Maurus Schenkl, Johann Stigler, Anselm Desing, Marian Dobmaier,
Andreas Mayer, Joseph Mederer u. s. w., welche hier ihre anfängliche Bildung
erhielten, das Gegentheil beweisend entgegentreten.
In der Stadt Regensburg hatte, wie schon oben bemerkt, der Protestantismus
das Uebergewicht gewonnen, die Poetenschule wurde zum protestantischen
Gymnasium, und Melanchthon selbst sandte auf Ansuchen der Stadt
zuerst (1530) den Magister Andreas Denzel, und nach dessen Tode 1534
den berühmten Schulmann Kaspar Nädius hieher. Die Anstalt erhielt 1610
eine Schulordnung nach Sturmischen Prinzipien, die bis 1779 in Geltung
blieb.
Dieser protestantischen Schulanstalt gegenüber für den Katholicismus auf
dem Felde der Wissenschaft das Gleichgewicht zu erhalten, waren die Schulen
zu Sct. Emmeram und der Schotten, ) trotz aller Bemühungen zu gering.
Der Bischof griff zur Ausführung der im Tridentiner Concil bestimmten Er-1)
Der Schotten Abt Winzet führte 1578 die öffentlichen Schulen bei seinem Kloster
wieder ein, lehrte selbst die höheren Wissenschaften und übertrug das Lehramt in
den niederen den hiezu befähigten Ordensgenossen.
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