Geschichte der Entwickelung unserer Sozialdemokratie
und ihrer Lehre.
1. Ferdinand Lassalle.
Der Erste, welcher eine sozialistische Arbeiterpartei in Deutschland
begründete, war Ferdinand Lassalle. Aus dem Wortlaut des
„Statuts des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“, welcher unter
seiner persönlichen Leitung in Leipzig am 23. Mai 1863 gegründet
wurde, erhellt der Grundzug seines Wesens und der von ihm entfesselten
Bewegung. Es lautet:
„Unter dem Namen „Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein“ begründen
die Unterzeichneten für die deutschen Bundesstaaten einen Verein, welcher,
von der Ueberzeugung ausgehend, daß nur durch das allgemeine, gleiche
und direkte Wahlrecht eine genügende Vertretung der sozialen Interessen
des deutschen Arbeiterstandes und eine wahrhafte Beseitigung der Klassengegensätze
in der Gesellschaft herbeigeführt werden kann, den Zweck verfolgt,
auf friedlichem und legalem Wege, insbesondere durch das Gewinnen
der öffentlichen Ueberzeugung, für die Herstellung des allgemeinen,
gleichen und direkten Wahlrechts zu wirken.“ (Folgen Bestimmungen
über die Organisation des Vereins.)
Dieses Statut zeigt deutlich die fundamentalen Unterschiede von
der heutigen sozialdemokratischen Bewegung. Denn hiernach stand
der Verein Lassalle's durchaus auf nationalem deutschem Boden. Er
umfaßte nur Mitglieder deutscher Nationalität und nur zu „friedlichen
und gesetzlichen" Zwecken, um nämlich von den staatlichen
Gewalten der damaligen deutschen Bundesstaaten „das allgemeine,
gleiche und direkte Wahlrecht“ zu erkämpfen. Von diesem Wahlrecht
erwartete Lassalle und sein Verein, wie das Statut ausdrücklich und
feierlich erklärt, nicht blos „eine genügende Vertretung der sozialen
Interessen des deutschen Arbeiterstandes“, sondern auch gleichzeitig
„eine wahrhafte Beseitigung der Klassengegensätze der Gesellschaft".
Allerdings ist ja diese Forderung des allgemeinen, gleichen und
direkten Wahlrechts nicht Lassalle's einzige Forderung an den Staat
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