Full text : Die Finanz- und Zollpolitik des Deutschen Reiches.

—  287  —

Auf  je  hundert  der  matrikularmäßigen  Bevölkerung  entfielen
a)  Stempeleinnahmen,
b)  Überweisungen  aus  dem  Ertrag  der  Stempelsteuern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1886  1887  1888  |  1889  1890

Preußen  a)  |  44,44  42,93  67,48  84,44  60,98
b)  |  41,63  40,57  58,05  71,40  52,62

Bayern  a)  |  15,75  9,19  12,71  15,96  11,71
b)  |  41,62  40,57  58,01  71,40  53,92

Sachsen  a)  |  67,22  69,92  74,39  84,51  79,17
b)  |  41,64  40,57  58,04  71,50  50,56

Württemberg  a)  7,57  4,31  6,06  10,07  6,33
b)  |  41,65  40,55  58,04  71,42  54,55

Baden  a)  15,05  12,36  16,42  16,92  13,15
b)  |  41,66  40,59  58,08  71,42  53,74

Hessen  a)  8,26  7,00  12,23  46,62  15,31
b)  |  41,60  40,56  58,02  71,40  53,68

 

Auch  bei  der  Branntweinsteuer  war  es  selbstverständlich
ähnlich.  Besonders  bedenklich  aber  war,  daß  die  Finanzhaushalte
der  Einzelstaaten  sich  im  Laufe  der  Jahre  mehr  oder  weniger  auf
Überweisungen  eingerichtet  hatten.  In  dem  Maße,  in  dem  mit
den  Steuerbewilligungen  und  Zollerhöhungen  der  Periode  1879/93
die  Überweisungen  die  Matrikularbeiträge  überholten,  stiegen  sowohl
  die  Forderungen  der  einzelnen  Verwaltungszweige  wie  die
Wünsche  der  Volksvertretungen,  und  die  Regierung  konnte  sich
weder  den  letzteren,  noch  die  Parlamente  den  ersteren  auf  die
Dauer  entgegensetzen.  In  Preußen  sind  allein  in  den  Zeiten  hoher
Überweisungen  etwa  100  Millionen  Mk.  dauernder  Mehrausgaben
bewilligt  worden.  Dann  kam  der  Rückschlag;  die  Überweisungen
schrumpften  zusammen,  die  Gliedstaaten  kamen  in  Finanzverlegenheiten;
  eine  Erhöhung  der  direkten  Steuern  war  schwierig,  oder
bei  den  veralteten  Grundlagen,  auf  welchen  diese  zum  Teil  beruhten,
  gar  unmöglich,  oder  endlich  man  scheute  den  parlamentarischen
  Kampf,  der  mit  jeder  Steuerbewilligung  verbunden  ist
und  wandte  sich  an  das  Reich,  drängte  mehr  und  mehr,  bis  hier
neue  .Bewilligungen  erfolgten,  und  dann  konnte  genau  dasselbe
Spiel  von  vorne  beginnen.  Den  Schaden  davon  hatten  natürlich
die  Steuerzahler,  und  zwar  nicht  die  Zahler  der  direkten,  sondern
der  indirekten  Steuern.