Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1903. (80)

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Temperatur  40,20  C  und  die  teigige  Schwellung  der  Armhaut  hatte  zugenommen;  dabei
hatten  die  Impfstellen  eine  geschwürige  Beschaffenheit  angenommen,  während  die  vorhandene
Rötung  zu  erblassen  begann,  die  Temperatur  ist  seitdem  etwas  gesunken,  bewegt  sich  jedoch
noch  immer  über  39°7  C;  nur  die  Schwellung  der  Haut  besteht  noch  fort.  Jedenfalls
handelt  es  sich  um  eine  phlegmonöse  Entzündung,  über  deren  Ursache  nichts  ermittelt  werden
kann.  Die  Impfung  war  unter  den  allgemein  üblichen  Vorsichtsmaßregeln  vorgenommen
worden,  auch  hat  keines  der  übrigen  im  nämlichen  Termin  geimpften  Kinder  —  73  an  der
Zahl  —  ähnliche  Erscheinungen  aufgewiesen.“  Im  Schlußberichte  vom  13.  Juli  heißt  es
weiter:  „Unseren  Bericht  vom  10.  v.  Mts.  ergänzend,  teilen  wir  weiter  mit,  daß  bei  dem
erkrankten  Kinde  zu  Oppenheim  am  13.  Juni  mehrere  Einschnitte  in  der  rechten  Schultergegend
  gemacht  und  eine  reichliche  Menge  Eiter  entleert  wurde,  das  Fieber  fiel  darauf  ab,
ohne  völlig  zu  schwinden.  Es  bestand  vielmehr  noch  bis  Ende  Juni  eine  leicht  fieberhafte
Schwellung  der  Armhaut,  die  alsdann  ohne  Hinterlassung  nennenswerter  Spuren  schwand.
Die  Drüfen  in  der  Achselhöhle  waren  dabei  merklich  vergrößert,  doch  bildete  sich  die
Schwellung  allmählich  zurück."

In  Schwerin  sind  deutliche  Impfschädigungen  auch  in  diesem  Jahre  nicht  zur
Kenntnis  gekommen.  Es  sind  gemeldet  worden  356  Fälle  von  „starker  Entzündung  der
Haut  in  der  Umgebung  der  Impfpusteln“,  54  Fälle  von  „Entzündung  und  Anschwellung
der  benachbarten  Lymphdrüsen“,  ein  Fall  von  „Entzündung  und  Eiterung  des  Unterhautzellgewebes“,
  2  Fälle  von  „Rotlauf“,  1  Fall  von  „Verschwärung  oder  brandiger  Beschaffenheit
  der  Pusteln“,  2  Fälle  von  „akutem  Hautausschlag“  (Rubeola).  Weiter  ist  aus  Rostock
ein  Fall  bekannt  geworden,  bei  welchem  sich  8  Tage  nach  der  Impfung  ein  sogenanntes
Erythema  exsudativum  multiforme  gezeigt  hat.  Der  Infektionsstoff  ist  wahrscheinlich  durch
Kratzen  in  die  Impfstellen  hineingebracht,  und  es  sind  daher  weder  Lymphe  noch  Impftechnik
an  dieser  übrigens  harmlos  verlaufenen  Erkrankung  schuld.

In  Bernburg  und  Lübeck  ist  über  Erkrankungen  der  Impflinge,  welche  auf  die
Impfung  zurückgeführt  werden  könnten,  nichts  bekannt  geworden.

Der  Straßburger  Anstalt  ist  über  krankhafte  oder  entzündliche  Erscheinungen  im
Anschluß  an  die  öffentlichen  Impfungen  nichts  bekannt  geworden,  wohl  aber  bei  mehreren
älteren  Personen  gelegentlich  der  Massenimpfungen  wegen  Ausbruchs  von  Blattern.  Der
Berichterstatter  hat  sich  darüber  folgendermaßen  geäußert:  Wenn  in  Laienkreisen  und  hier
und  da  von  #rzten  die  fraglichen  Entzündungserscheinungen,  welche  übrigens  alle  mit  vollständiger
  Heilung  abschlossen,  auf  eine  fehlerhafte  Vorbereitung  der  verwendeten  Lymphe
zurückgeführt  wurden,  so  muß  diese  Auffassung  als  irrtümlich  bezeichnet  werden.

In  Metz  sind  bei  den  Probe=  wie  öffentlichen  Impfungen  ganz  vereinzelt  ausgebreitete
Entzündungen  in  der  Umgebung  der  Pusteln  beobachtet  worden,  ohne  daß  es  zu  ernsteren
Erkrankungen  gekommen  ist.

7.  Ergebnisse  wissenschaftlicher  Untersuchungen.

In  Königsberg  i#Pr.  wurden  wissenschaftliche  Untersuchungen  in  Gemeinschaft  mit
Professor  Dr.  R.  Pfeiffer  ausgeführt.  Dieselben  bezogen  sich  auf  die  Filtrierbarkeit  der
Lymphe  nach  einem  von  den  bisherigen  Versuchen  abweichenden  Verfahren.  Wesentliche  Ergebnisse
  haben  die  Versuche  nicht  gehabt.

Aus  Berlin  wurde  berichtet:  „Es  ist  nach  den  Untersuchungen  von  Elsner  und  Salzwedel
  (Berliner  klinische  Wochenschrift  Jahrg.  1900)  nicht  anzunehmen,  daß  das  von  Impfärzten
  in  Anwendung  gezogene  Verfahren,  ihre  Lanzetten  nach  jeder  Impfung  in  Alkohol