Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1918. (45)

Nr.  25.  245

7.  Bei  Bauteilen,  die  auf  exzentrischen  Druck  beansprucht  werden,  darf  der  Wert.5

die  in  Ziff.  3  für  zentrischen  Druck  genannten  Werte  nicht  überschreiten.  Wenn  zur  Ver-M


einfachung  der  Rechnung  die  Formel  ——  zugrunde  gelegt  wird,  so  darf  der  Beton

am  Rande  bis  zu  5  ks/  gem  auf  Zug  beansprucht  werden.

8.  Werden  in  der  statischen  Berechnung  außer  der  ständigen  Last,  der  ungünstigen  Nutzlast
(einschließlich  der  Fliehkraft  bei  Bahnbrücken)  und  der  Schneelast  auch  noch  die  größten
Winddrucke,  die  Brems-  und  Reibungskräfte  und  bei  statischen  unbestimmten  Tragwerken
der  Einfluß  der  Wärmeschwankung  und  des  Schwindens  (vergl.  S§  15,  Ziff  2),  ferner  in
Hochbauten  bei  Stützen  die  von  den  Unterzügen  auf  sie  übertragene  Biegung,  also  sämtlichr
mröglichen  Einwirkungen  berücksichtigt,  so  dürfen  bei  ungünstigster  Zusammenzählung  dieser
Spannungen  die  in  Ziff.  3  u.  4  angegebenen  Betondruck=  und  Eisenspannungen  um  30  vH
überschritten  werden,  wobei  als  äußerste  Grenzen  der  Eisenspannung  1200  kgsqgem  und  der
Betondruckspannung  60  kg  qgem  einzuhalten  sind.  Maßgebend  ist  der  ungünstigste  Be
lastungsfall.

9.  Ausnahmsweise  können  bei  Gelenken  und  andern  besondern  Bauteilen  höhere  Beanspruchungen
  zugelassen  werden.

10.  Schubspannung.  Die  Schubspannung  ##  des  Betons  darf  4  kg  qem  nicht

überschreiten.  Sie  ist  zu  berechnen  aus  der  Gleichung  #  worin  50  bei  Platten-0


balken  die  Stegbreite  und  ##  den  Abstand  des  Eisenschwerpunktes  vom  Druckmittelpunkt  bedeutet.

11.  Haftspannung.  Die  zulässige  Haftspannung  #  (Gleitwiderstand)  beträgt

4,.5  kg/dem.  Dabei  ist  für  die  auf  Biegung  beanspruchten  Platten  und  Balken  vorausgesetzt,

  daß  sie,  wenn  nur  gerade  Eisen  mit  oder  ohne  Bügel  vorhanden  sind,  aus  der
0

Gleichung  r#  %  berechnet  wird

Sind  dagegen  Eisen  nach  der  einfachen  oder  mehrfachen  Strebenanordnung  abgedogen
so  daß  sie  imstande  sind,  die  gesamten  schrägen  Zugspannungen  allein  aufzunehmen,  so  ist
für  die  Berechnung  der  Haftspannung  an  den  untern  gerade  geführten  Eisen  nur  die  halbe
Querkraft  in  Ansatz  zu  bringen.

12.  Drehungsspannung.  Die  zulässige  Drehungsspannung  des  Betous  beträg,
für  rechteckige  Querschnitte  r#—  4  kgdem.5)

13)  Bezüglich  einer  zweckmäßigen  Bewehrung  vergl.  Heft  16  der  Veröffentlichungen  des  Deutschen  Ausschusse
ür  Eisenbeton.  Berlin  1912.  Verlag  von  Wilhelm  Ernst  &  Sohn.