Der Hebräerbrief zeigt eine erlauchte Geschichtsreihe
auf. Könige, im Streite erprobt, Dichter und Richter,
Denker und Lenker der Staaten neben rnscheinbaren
Namen, die von der Welt kaum gekannt, geschweige
denn genannt sind, gehen und stehen nebeneinander.
Was sie scheidet, ist die Verschiedenheit äußeren Tuns,
was sie eint, ist die Großtat des Glaubens. Welle um
Welle zieht an dem Auge des geschichtskhundigen Sehers
vorüber, Sünde und Schuld senken hinab, Güte und Gnade
heben empor, — aber über allem Kommen und Gehen
steht wie ein Fels Jesus Christus, Anfänger, Heerführer
und Herzog, Vollender und Herr des Glaubenslebens.
Diesem allein Gewaltigen danken wir für die teure Gabe,
welche er in Otto von Bismarck unserem Volke geschenkt
hat, für das edle, erlauchte Vorbild der Treue und Liebe
das er gegeben, für die Segnungen, die heiß erstritten,
jetzt wieder in schwerem Kampfe umdroht sind.
Evangelisches Kirchtum dankt, indem es betet: Misericordias
Domini: Nimm Deinen heiligen Geist, den Geist
der Geschichte nicht von mir. Denn ein geschichtloses
Volk, dem die Wolke von Zeugen verdämmert und entfließt,
ist ein sterbendes, ein todverfallenes Geschlecht.
Als Antwort auf die Bitte nehmen wir das Selbstzeugnis
des Evangeliums: Ich bin ein guter Hirte auch
des deutschen Volkes. — Möge es, sagt Giesebrecht in
seiner Geschichte der deutschen Kaiserzeit, nie vergessen,
daß die Zeiten, in denen unser Volk das Christentum erlebte
und erfaßte, seine größten Zeiten waren und für die Zukunft
daraus das Rechte lernen!
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