Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

32  Cinltennung.

wobene  Höhen  nichto  ahnen  lassen  von  den  Schluchten  und  Abgründen,
  den  Steinwüsten  und  Wildbächen,  die  der  Wanderer
darin  zu  überwinden  hatte.  Hierher  gehört  namentlich,  was
man  die  dynastische  Legende  neunen  möchte.  Sie  bedingt  wesentlich
  das  eigentümliche  Kolorit,  das  der  konventionellen  Darstellung
  der  älteren  preußischen  Geschichte  eigen  ist.  Denn  je
dankbarer  ein  Volk  auf  die  Verdienste  seines  Herrscherhauses
zurückblickt  und  je  vertrauenovoller  es  seine  Zukunft  in  dessen
Hände  legt,  um  so  mehr  wird  es  geneigt  sein  vorauszusetzen,
daß  das  immer  so  gewesen  sei  und  daß  jenes  innige  Verhältnis
  von  jeher  und  zu  allen  Zeiten  bestanden  habe.  So  hat
sich  auch  das  preußische  Volk  gewöhnt,  bereits  die  Anfänge  der
Hohenzollern  in  einem  Lichte  zu  sehen,  in  dem  sich  ihre  Verbindung
  mit  ihrem  Volke  thatsächlich  doch  erst  sehr  viel  später
darstellt.  Auch  hier  überträgt  eine  spätere  Generation  die  Gefühle,
  die  sie  erfüllen,  auf  die  früheren  Generationen,  die  sie
in  diesem  Maße  gar  nicht  hegen  konnten,  und  setzt  Ueberzeugungen,
  die  für  sie  die  Summe  aus  der  Erfahrung  von
Jahrhunderten  darstellen,  bei  ihren  Ahnen  voraus,  die  doch  nur
die  ersten,  schwer  verständlichen  Anfänge  dieser  Entwickelung
gesehen  haben,  ihren  Fortgang  aber  nicht  ahnen  konnten.  Auch
ohne  Umdichtung  der  einzelnen  Thatsachen  erhält  die  ältere
brandenburgisch-preußische  Geschichte  dadurch  im  ganzen  ein  stark
legendarisches  Gepräge.

Das  mag  befremdlich  klingen.  Heimisch  in  der  Mark  abe
und  ihr  unlösbar  verbunden  hat  sich  doch  vor  Johann  Cicero
kein  Hohenzoller  gefühlt.  So  Großes  Friedrich  I.  in  Befriedung
  und  Ordnung  des  zuchtloser  Verwilderung  verfallenen
Landes  geleistet:  nicht  eigentlich  um  des  Landes  und  seiner
Einwohner  willen  that  er  es,  sondern  um  in  Brandenburg  den
Stützounkt  zu  gewinnen  für  die  Verwirklichung  der  ihn  erfüllenden
  ehrgeizigen  Pläne  zur  Schaffung  eines  auch  Pommern,
Mecklenburg  und  Sachsen  umfassenden  Großstaato.  Als  diese
kläglich  gescheitert,  hat  die  Mark  kein  Interesse  mehr  für  ihn
und  er  verläßt  sie  (1426),  um  sie  nie  mehr  wieder  aufzusuchen.
  Sein  ihn  als  Statthalter  vertretender  Sohn  Johann,
der  Land  und  Leuten  völlig  fremd  blieb,  war  froh,  als  er  nach