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heit des Erzherzogs, welche sich bis in den März des folgenden
Jahres hinzog, hierin wenigstens äulserlich Wandel geschafft zu
haben. Ferdinand gab der Stadt schliefslich ein sehr gutes Zeugnis
und empfahl sie dem Kaiser zu besonderer Berücksichtigung !), was
dann natürlich den Eifer der katholischen Elemente der Stadt nur
um so mehr anspornen mulste, sich zu bethätigen. Auch die Abhaltung
einer Tagfahrt des Schwäbischen Bundes in Augsburg,
welche im März eröffnet wurde und sich bis in den August hinzog,
mulste in demselben Sinne wirken. Blieb daher auch die
Masse der Bevölkerung Augsburgs durchaus lutherisch gesinnt?),
so war von den malsgebenden Gewalten für die evangelische Sache
damals weniger denn je zu erwarten; mit grofsem, nicht ungerechtfertigtem
Mifstrauen sahen daher auch, wie wir noch hören
werden, die in Speier auf dem Reichstage versammelten lutherischen
Städteboten der Ankunft des Augsburgischen Vertreters,
Konrad Herwart, entgegen, der auch persönlich den übrigen nicht
genehm gewesen zu sein scheint®). Vermutlich spielten hier noch
andere Gegensätze, zumal wohl die alte Handelseifersucht zwischen
Augsburg und Ulm sowie die Monopolienfrage herein, welches alles
Augsburg nur um so mehr veranlassen mochte, seine Sonderstellung
zu behaupten. —
Andererseits trat in Ulm der Alt-Bürgermeister Bernhard Besserer
jetzt mehr als bisher in den Vordergrund, ein Mann, der „in
der Reihe der berühmten Glieder dieses Geschlechts die Ehrenstelle
einnimmt, als kräftiger, besonnener Lenker seiner Vaterstadt
in der grofsen Zeit der religiösen Bewegung, als der Anwalt und
Beschützer der Reformation“*). Allerdings hatte auch Besserer,
wie der Ulmer Rat überhaupt, sich dem Drängen der evangelischen
Eiferer in der Stadt gegenüber bisher sehr bedächtig gezeigt,
namentlich in den besonderen Angelegenheiten der eigenen
") d.d. Augsburg 13. März 1526. Abschrift Augsburg St. A. U.a.
befürwortet Ferdinand den Wunsch der Stadt, dals der erste Reichstag, den
der Kaiser wieder in eigener Person abhalten werde, in ihren Mauern stattfinde;
s. 0. 8.45, 2.
?) Allerdings wurde der Einflufs des evangelischen Elements auch im
Innern der Stadt durch Parteiungen, zunächst zwischen Lutheranern und
Zwinglianern, später namentlich durch das Eindringen der Wiedertäufer, geschwächt;
darüber handelt ausführlich Roth a. a. O., Kapp. 5. 6.
®) Vgl. die unten im 2. Teil anzuführenden städtischen Relationen vom
Reichstage.
*%) So Keim, Die Reformation der Reichsstadt Ulm S. 100,