Der Herzog hatte vollkommen Recht, obschon er bei etwas größerer Kühnheit
in Betreff auf seine Verantwortung zur rechten Zeit vorgegangen wäre.
So aber war er wirklich, wie er sich später gegen Lord Malmesbury äußerte,
die Gliederpuppe der verschiedenen im Kabinette zu Berlin mitwirkenden Personen
gewesen, und Bischofswerder, so wie Lucchefini, nebst dem durch und
durch französisch gefinnten Prinzen Heinrich, hätten diese Stellung veranlaßt,
Jeder wohl aus verschiedenen Gründen. Dessenungeachtet traf ihn die Nachricht,
daß der Feldmarschall von Möllendorf das Kommando übernehmen sollte, höchst
schmerzlich, und er empfing die Botschaft mit den Worten: „So muß ich endigen,
das hat man für seine Mühe und Arbeit!“ —
Der neue Oberfeldherr war schon 67 Jahr alt, aber rüstig und ein einsichtsvoller
General, vielleicht jedoch noch weniger als der Herzog zu dieser
Stellung geeignet, weil er, von den politischen Grundsätzen Friedrichs durchdrungen,
gegen jeden Krieg in Gemeinschaft mit den Oestreichern gestimmt war.
Der König selbst war von seinen ritterlichen Ideen eines Kampfes für
die Sache Ludwigs und seiner Familie zurückgekommen, namentlich als er sah,
daß er dabei leicht der Betrogene sein dürfte. Als daher in den letzten Tagen
des Jahres 1793 von London aus Harris (später Lord Malmesbury) zur Erfüllung
der im Jahre 1788 eingegangenen Verpflichtungen aufforderte, erklärte
er ganz offen: „Seine Zuneigung gegen England und sein Abscheu gegen die
Grundsätze der in Frankreich herrschenden Faktion sei unverändert, allein er
versichere auf sein Ehrenwort, daß er nicht die Mittel für einen dritten Feldzug
besitze. Der verstorbene König habe die Hülfsquellen auf den höchsten Grad
gespannt; er könne keine neuen Auflagen seinen Unterthanen zumuthen, und ein
Versuch der Art würde die schlimmsten Folgen herbeiführen, ohne etwas auszurichten.
Das Wesen der preußischen Monarchie sei von der Art, daß eine
Anlelhe nicht gemacht werden könne. Wenn die Bundesgenossen ihm nicht
Unterstützung gewährten und seiner Geldverlegenheit Abhülfe schafften, könne er
nur einen Theil seiner Armee am Rhein lassen. Er trage kein Bedenken, diesen
Stand seiner Finanzen offen mitzutheilen, denn er habe seinen Schatz nicht in
eitlen und nutzlosen Unternehmungen verschwendet; und wenn auch zuweilen nicht
die größte Sparsamkeit beobachtet worden wäre, so sei doch Alles auf Vertheidigungsmaßregeln
verwendet worden, welche sowohl die allgemeinen Interessen
Europa's, als die Preußen besonders angehenden, beträfen. Es könne nicht im
Interesse Englands liegen, und auch nur diese Gewißheit, verbunden mit dem
hohen Begriff von dem englischen Nationalcharakter, habe ihn der Besorgniß
vor den mißlichen Folgerungen aus der abgebenen Erklärung enthoben.“
Aehnliche Mittheilungen hatte der Marquis Lucchefini in Wien zu machen.
Schon die Wahl des Oestreich feindseligen Ministers zeugt von der Stimmung
in Berlin; er soll für die auf dreißig Millionen berechneten Kriegskosten das
östreichische Schlesien als Pfand gefordert haben.