Contents : Die Hausgesetze der regierenden Deutschen Fürstenhäuser. Dritter Band: Sachsen, Schwarzburg, Waldeck, Württemberg, Zollern. (3)

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ihnen  war  so  groß,  daß  man  bei  ihrem  Erscheinen  stets  zur  Seite
wich  und  schon  aus  der  Ferne  den  Versuch  einer  Annäherung  zu
hindern  suchte.  Da  gewahrte  einst  in  einer  Nacht  die  jüngste  der
Schwestern  in  der  Gegend,  wo,  umgeben  vom  dichten  Wald,  eines
Köhlers  Hütte  stand,  noch  helles  Licht;  von  dem  Wahrgenommenen
unterrichtet,  schlichen  alle  drei,  begleitet  von  ihren  zwei  treuen
Knechten,  bis  zur  Hütte  und  bemerkten,  daß  des  Köhlers  Weib  ein
Kind  geboren  hatte.  Sogleich  stand  der  Entschluß  in  ihnen  fest,
dem  Kinde,  wenn  es  zur  Taufe  getragen  würde,  zu  nahen  und
dessen  Begleitung  um  die  Erfüllung  ihres  Wunsches  anzugehen.  —
Es  währte  auch  nur  Rurze  Zeit,  als  spät  an  einem  Nachmittage  der
Köhler  in  Gesellschaft  weniger  Personen  auf  dem  schmalen  Pfade
dahergeschritten  kam,  um  seinen  Neugeborenen  nach  St.  Mlargarethen
  zur  Taufe  zu  bringen.  Alsogleich  trat  die  älteste  der
Schwestern  an  ihn  heran  und  sprach:  „Lieber,  laß  mich  dein  Kind
sehen  und  herzen,  du  sollst  dafür  auch  diesen  schönen  glänzenden
Stein  haben;  sieh  nur,  wie  er  in  der  Sonne  blitzt  und  funkelt.“
Doch  der  Angeredete  wandte  sich  ab  und  entgegnete:  „Ich  begehre
weder  deinen  Stein,  noch  sollst  du  mein  Kind  sehen;  halte  mich
nicht  auf  und  laß  mich  weitergehen.“  Eine  Streche  weiter  kam
die  zweite  Schwester  und  redete:  „Lieber,  sieh  dieses  Goldstück;  es
soll  dir  gehören,  sobald  du  mir  erlaubst,  dein  Kind  einen  Augenblich
  auf  meinen  Armen  wiegen  zu  dürfen.“  „NMein,“  rief  unwillig
der  Köhler,  „deines  Goldstüchs  wegen  gebe  ich  den  Kleinen  nicht
aus  meinen  Händen;  bliche  nur  empor,  welch  schweres  Wetter  am
Himmel  dräuet;  ich  will  eilen,  weiche  zur  Seite.“"  Abermals  einen
Steinwurf  weiter  kam  die  dritte  Schwester  dem  Taufzuge  entgegen.
„Ei,  lieber  Köhler,“  begann  sie  im  muntern  Ton,  „Freya,  die  Liebreiche,
  hat  dir  ein  Kind  beschert,  welches  du  ohne  Zweifel  jetzt  zur
Taufe  trägst;  hier  nimm  diesen  Wickel  Flachs  als  Taufgeschenk,  er
soll  deinem  Kinde  Segen  bringen;  doch  erlaube  mir,  den  Kleinen
auf  einen  Augenblick  zu  sehen.“  Da  reichte  der  Bater  dem  Mäd—
chen,  weil  es  gar  so  herzlich  bat,  das  Kind,  und  dieses  drüchte  rasch
einen  warmen  Kuß  auf  dessen  Lippen.  Aoch  redeten  beide  miteinander,
  als  das  Glöchlein  von  der  Kapelle  eifrig  mahnte,  das
Gespräch  einzustellen.  Uber  den  brausenden  Bach  auf  schwankendem
Steg  eilte  der  Köhler  hinauf  zur  Kapelle,  die  Jungfrau  aber  raschen
Laufes  zu  den  in  banger  Erwartung  harrenden  Schwestern.  Wie