Metadata : Demokratie und Kaisertum.

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können.  Bekamtt  ist,  daß  er  1891  auf  dem  sozialdemokratischen  Harteitage
  in  Erfurt  die  hoffnungsvollen  Worte  sprach:

Ja,  ich  bin  überzeugt,  die  Derwirklichung  unserer  letzten  Siele  ist  so

nabe,  daß  wenige  in  diesem  Saale  sind,  die  diese  Tage  nicht  erleben  werden.

Bebel  sagt  solche  Worte  nicht,  ohne  sie  zu  glauben.  Gerade  darin,
daß  man  ihm  die  Lanze  weltumgestaltende  Glaubensfreudigkeit  anfühlt,
daß  der  Dörer  eine  subjektiv  wahrhaftige  Rede  von  ihm  hört,  liegt  seine
Krast.  Wenn  er  den  Utopismus  aufgibt,  dann  gibt  er  sich  selber  auf,
und  weil  er  Utopist  ist,  muß  er  demokratisch-revolutionär  sein.
Eine  neue  Gesellschaft  kann,  wenn  sie  überhaupt  in  kurzer  Seit  kommen
soll,  nur  durch  Ereignisse  herbeigeführrt  werden,  die  gewaltsamer  sind,  als.
es  die  große  französische  Revolution  war.  Der  langsame  Weg  der  natürlichen
  Entwickelung  schafft  begreiflicherweise  nur  langsame  Ergebnisse.
Wo  aber  pulsierende  Ungeduld  der  Sukunft  entgegeneilt,  da  muß  diese
Ungeduld  sich  auf  den  einen  politischen  Kerngedanken  sammeln:  die  Eroberung
  aller  politischen  Macht  zur  Beseitigung  aller  vorhandenen  Mächte.
In  dieser  Richtung  hin  sagte  Bebel  auf  demselben  Harteitag:

Wir  sind  nicht  in  der  Lage,  die  Herrschaft  der  Arbeiterklasse  zu  errichten
auf  der  Gewinnung  der  ökonomischen  Macht,  wir  müssen  zum  umgekehrten
Mittel  greifen.  In  erster  Linie  haben  wir  die  politische  Macht  zu  erobern
  und  diese  zu  benutzen,  um  auch  die  ökonomische  Macht  durch  die  Erpropriation
  der  bürgerlichen  Gesellschaft  zu  erreichen.  Ist  die  politische  Macht
in  unseren  Händen,  so  findet  sich  das  Weitere  von  selbst.

Wir  wählen  aus  der  reichen  Fülle  des  vorliegenden  Materials  geradediese
  Worte,  weil  in  ihnen  der  politische  Charakter  des  ursprünglichen  utopistischen
  Sozialismus  am  knappsten  und  besten  ausgesprochen  ist.  Man
kann  sich  den  Bebelschen  Sozialismus  nicht  denken  ohne  uneingeschränkte
Uachtsewinnung.  Ob  bei  erlangter  politischer  Macht  das  soziale  Endziel
  verwirklicht  werden  könnte,  ist  eine  Frage  für  sich,  die  wir  an  dieser
Stelle  nicht  zu  erörtern  haben.  Dier  genügt  es  festzustellen,  daß  Bebel
revolutionärer  Alachtpolitiker  ist  und  sein  muß.

So  groß  nun  aber  auch  heute  noch  das  persönliche  Ansehen  Bebels
in  seiner  Hartei  sein  mag,  so  unterliegt  es  doch  keinem  Sweifel,  daß  die
eigentümlich  Bebelsche  Form  des  utopistisch-dichterischen  Sozialismus  im
Schwinden  ist.  Die  Bewegung  wird  älter,  größer,  schwerer  und  nüchterner.