Seit dem Wiener Congresse. 33
Verhältnissen erstrecken, welche vordem jeder internationalen Behandlung fern
lagen.
Das Alterthum und das Mittelalter kannte, wie nachgewiesen wurde,
im Wesentlichen nur Friedens= und Allianzverträge. Die Handelsverträge,
welche den ältesten Völkern, den Indern, Phöniziern, Egyptern
und einigermaßen auch noch den Griechen bekannt waren, geriethen zur
Zeit des alten Roms und besonders in den Jahrhunderten des Römischen
Weltreichs in völlige Vergessenheit und lebten auch im Mittelalter nicht
wieder auf, waren auch, wie aus den mitgetheilten Zusammenstellungen, welche
Omnpteda gemacht hat, hervorgeht, noch am Schlusse des vorigen Jahrhunderts
nur in ganz schwacher Anzahl wieder ins Leben getreten.
1) Montesquien, Esprit des lois, liv. XI, chap. 6, p. 242ff.
§ 1.
Seit dem Wiener Congresse.
Literatur: Grotius, De jure belli ac pacis, I. III, cap 20, § 2. — Pufendorf,
De jure gentium et naturae, 1. VII, 9, 5 13. — Wolff, Jus gentium
IV, § 370. — J. J. Moser, Versuch des neuesten Europäischen Völkerrechts
in Kriegs= und Friedenszeiten VIII, 153, § 2. — Battel II, 12, § 154.
— G. Fr. de Martens, Précis, S. 951. — Heffter, S. 161. — Bluntschli,
Das moderne Völkerrecht, S. 113 und 233. — Wheaton 1, p. 217.
— Meier, Ueber den Abschluß von Staatsverträgen, S. 100.
Eine gewisse Aenderung trat erst seit dem Wiener Congresse ein,
welcher für die Entwicklung der internationalen Beziehungen unter den Europäischen
Völkern einen so gewichtigen Anstoß gegeben und sich überdies mit
Aufhebung der Sclaverei und der internationalen Flußschiffahrt beschäftigt hat.
Seitdem dehnte sich auch das bisher so beschränkte Gebiet der Staatsverträge
allmählich aus.
Bis dahin galt der völkerrechtliche Grundsatz, daß Staatsverträge lediglich
von dem Staatsoberhaupte und seinen Bevollmächtigten mit Rechtskraft abgeschlossen
werden, mit einigen Ausnahmen auch für das innere Staatsrecht.
Die Fürsten besaßen damals mit wenigen Ausnahmen die absolute Gewalt,
und jedenfalls das Recht Krieg zu erklären und Frieden zu schließen; es wurde
daher ihre Competenz auch von den älteren völkerrechtlichen Autoritäten nicht
in Frage gestellt. Grotius, Pusendorf, Wolff sprechen sich noch unbedingt in
diesem Sinne aus. 1) Sie kennen sämmtlich nur Staatsverträge, welche sich auf
den Krieg beziehen. Grotius äußert in dieser Beziehung: 2Pactiones inire,
quae bellum finiant, eorum est, quorum est bellum, rei enim sune quis-Handduch
des Bölkerrechts III. 3