Nr. 40
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Rof enheimer Tagblakt
Amkliches Publikakions-Organ
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Sblechemebenen Wannnat wird kene Girontwmortung ubernommen
Jer große Sieg Hiudenhurgs in der Winterschlacht in Masuren.
Vernichtung der 10. ruflischen Armec, beltehend aus 11 lufantersc- und mehreren Kapallerted'v sionen. — Ueber 50.000 Russen gesanugen.
Ucber 40 Geschüße und 60 malchinengem hee crbeutet. — Die Capferkeit unferer Truppcn. — der Kaller bei den Supon in Lyck.
Der Bandelsuticg gegen england — Engusche Grobmauligkelt. — Der rufrische Widerltand vor (zecrnomit. — der bormarsch der Kwancr.
Der gricchisch-lürkische Zwmischenfall — Fortugal bicibt nentral. — Coina als Prls Fkür Japans Eingreifen
Jum 18. Februar 1915.
Die zweite Hälfte dieses Monats wird es
aller Welt kund tun, daß man in der Zeit
des Krieges in Deutschland nicht redet, sondern
handelt, und zwar so handelt, wie es das ureigenste
Interesse des deutschen Volkles vorschreibt.
In dem uns aufgezwungenen Kampf
um unsere Exristenz wird nie entscheidend sein,
was der Gegner wünscht, sondern was dem
deutschen Volk not tut. Wenn Deutschland die
Gewässer um Großbritannien und Irland als
Kriegsgebiet erklärt, so kann man mit absoluter
versicht bantit technen, daß es diese
Ansage durchzuführen die Kraft hat und sie
durchführen wird. Bis zum kböchsten gesteigert
wird dieser Glaube dadurch, daß die Ankündigung
auf 14 Tage hinaus erfolgte. Das Prinzip
der absoluten Geheimhaltung, in dem wir
uns gemöhnt haben, die Sicherheit des Erfolges
zu sehen, wurde aufgegeben, um
das eben ist das Bewundernswerte die
Menschlichkeit bis zum Aeußersten zu wahren.
Kann es einen höheren Beweis absoluten Sicherseins
des eigenen Könnens und bedingungslosen
Glaubens an die eigene Kraft geben?
Mit unerhorter Skrupellosigkeit tritt England
alle Grundsätze des Seerechts mit Füßen;
es scheut nicht davor zurück, die eigenen Handelsschisse
mit falscher Flagge zu decen. Diese
Verfügung der englischen Regierung ist ein
sckreiender Beweis für die Gefühle der Schwäche
Englands, aber auch für den unermeßlich hohen
Grad von Hinterhälligkeit und Unaufrichtigkeit
der englischen Staatsmänner. Deutschland
geht jetzt daran, Vergeltung zu üben für die
unmenschlichen und barbarischen Pläne der englischen
Regierung. Ein in der Geschichte einzig
dastehendes Ereignis ist im Begriff sich zu vollziehen.
nn England Deutschland aushungern
will, so versucht Deutschland Gleiches mit
Gleichem zu vergelten; doch wo die größere Gefahr
iit darüber kann kein Zweifel bestehen.
Die englische Regierung hat den Seekrieg verroht
und nicht gegen einen Staat und dessen
Flotte, sondern gegen die am Feldzug
nicht teilnehmenden Menschen geführt. E
land uird keine papierene Sperre machen, es
wird ein Krieg bis aufs Messer sein. England
ist getroffen, wo seine Empfindlichkeit am
größten ist. Der englische Hochmut ist durch
die Erklärung der britischen Gewässer als
Kriegsgebiet wie von einem Peitschenhieb getrossen
worden. Ob die britischen Gewässer
wirklich ein von keinem Schiff durchfahrenes
Kriegsgebiet werden, und ob der Plan gelingt,
dem Feinde mit seiner eigenen Münze zu zahlen,
ist eine Machtfrage geworden. Sie wird
und muß durchdringen. Der Welt steht in den
nordwesllichen Gewässern des europäischen Kontinents
ein Schauspiel mit ungeheuer ernsten
Begleiterscheinungen bevor. Deutschland hätte
gewiß den Kampf gerne vermieden. Das beweist
seine bisherige maritime Kriegführung.
Allein Englands Hunger-Strategie zwingt zur
ehernen Abwehr auf Tod und Leben. Ein
krastoolles Volk von fast 70 Millionen kann
nicht der Naubpolitik einer Koalition von Geschäftspolitikern
zum Opfer fallen.
Schandurtcils. — belldtigung des engilschen mordanschlages.
Die Belagerung Englands beginnt am 18.
Februar, eine Belagerung, die deshalb eine
so ungeheure Bedrolung ist, weil zu Beginn
des Krieges die englischen Staatslenker an eine
solche Möglichkeit nicht dachten. Jetzt ist der
Krieg gegen den Dreiverband in einen neuen
entscheidenden Abschnitt getreten. Die Unterbindung
der Lebenemittelzufuhr hält England nicht
aus, da kein kriegführender Staat auch nur
annähernd so sehr auf Zufuhr angewiesen ist
wie England. Die Sperre schließt freilich nicht
aus, daß die deutsche Regierung den berechtigten
Wünschen der Neutralen emtgegentommt, sofern
das deutsche Kriegsziel hierdurch nicht gefährdet
wird. Aber nicht mit drohenden Worten
und nickt mit flammenden Proteiten wird
das zu erreichen sein, sondern durch die freieite
Entschlichung der deutschen Regierung.
Getreidetransporle für die belgische Bevollerung,
Getreideschifse für Russisch-Polen mird die
deutsche Seekrast stets ungehindert an ihr HZiel
gelangen lassen; wenn Schweden Kupfer aus
Amerika einführt, wird Deutschland hiergegen
nichts unternehmen. Was Dänemark bisher nach
England abgab, kann Deutsckland mindestens
zu demselben Preis aufnehmen und kein danisches
Interesse ist verletzt. Wenn England uns
aushungern will, so haben wir mindestens dasselbe
Recht, die englische Bevöllerung Hunger
leiden zu lassen. Wie schon seit Beginn des
Kriegs, so noch mehr von jetzt ab, kann Italien
Kohlen und Eisen, die es aus England be:
zogen hat, von Deutschland zu denselben Preisen
erhalten, es brauct nur seine Güterwagen
zu diesem Zweck zur Verfügung zu stellen. Die
deutsche Sperre schädigt tein Lebensinteresse der
neutralen Staaten, sie soll und wird aber schaden
den kriegführenden Gegnern unseres Volte
Wenn Munitionstransporte aus den Vereinlsten
Staaten rücksichtslos vernichtet werden, jo
wird niemand darin eine Verlegungtdes Völter
rechtes erblicken lonnen.
Wird die verhängte Sperre zum Ziel führen?
So frägt vielleicht manches ungitliche und kleine
Gemüt. Eine absolute Garantie für volle Wirksamkeit
in der Richtung, daß vom 18. Februar
ab kein einziges Schiff mehr die englische Kuzie
erreicht, kann naturgemäß niemand übernehmen.
Daß aber die Blockade ungemein wirksam genaltet
wird, das steht fest, und dafür bürgt der
gute Ruf unseres Marineamtes und unserer Admiralität.
Diese Instanzen haben weder unvorbereitet
noch leich, tfertig das furchtbare Mutel
in Aussicht genommen und angeordnet, sondern
sind zu diesem Sckritt erst gekommen nach reiflicher
Ueberlegung und umfassendsten Vorbereitungen.
Sie find also vollkommen überzeugt
von der Wirlsamleit der neuesten Maßnahnie.
Daß das Ausland es auch ist, zeigt der Ernst,
mit dem diese Frage allerorts erörtert wird.
Damit können wir Deutsche zufrieden sein und
in aller Ruhe die Taten der opferbereiten Marine
erwarten. Es kann nicht genug betont
werden, daß von einer Blockade im eigentlict#en
Sinne des Wortes nie die Rede gewesen ist,
doß wir Deutschen eine solche nirgends augekündigt
haben, auch nicht durchführen können
und vor allen Dingen nicht wollen. Denn eine
„Blockade“ würde nicht nur eine unverhältnismäßig
große Zahl von Seestreitkräften erfordern,
sondern auck diese in einer uns nur ungünstigen
Weise an bestimmte Gegenden festkinden.
Das Auftreten in einem bestimmrtten
größeren Bereich, der zum „Kriegsgebiet“ erklärt
worden ist, läßt hingegen unseren Schiffen
und „allen Kriegsmitteln gänzliche Freiheit, wo#
und wie und wann sie handeln wollen. Gerade
das Ungewisse, das Ueberraschende, das überall
Mogliche und das damit verbundene Unheimliche,
das ist es, was am besten zum Ziele
führt. Nun glaube man aber nicht, daß dieser
Zustand am 18. Februar mit einem Schlage
in seinem vollen Umfange eintritt. Er iit schon
längst da. Vielleicht hören wir gerade in den
ersten folgenden Tagen nichts Besonderes. Warten
mir in Ruhe die künftigen Erfolge auf
dem Gebiet der Seelriegführung ab, werden
wir nickt ungeduldig, wenn Großes nicht gleich
eintritt. Es wird weiler krafwoll wie bisher
gehandelt werden, und zwar in erhöhlem Umsange.
Wir wissen, daß unfere Marine gerüstet ist
zum Stoß ins Herz Englands. Das ganze
deutsche Volk begleilet sie mit den besten Wünschen.
England ist der Feind, Gott strafe es!
· " „
Der große Sieg Hindenburgs.
50.000 Nussen gefangen.
Niesige Kriegsbente.
WITB. Großes Hauptgquartier. den
17. Februar. In der neuntägigen Winterschlacht
in Masuren wurde die russische 10.
Armee, welche aus mindeitens 11 Infanterie-—...
—
und mehreren Kavalleriedivisionen beltand nicht
nut aus ihren stark verĩd.anzten Stellungen öst
lich der masurischen Seenplatte vertrieben lenudern
auch über die Grenze geworsen und
scklie-lich
in nabezu völliger Einkreifung verncchlend
geschlagen.
Nur Reste können in die Wöälder östlich von
Suwalki und von Augustow entkommen lein. wo
ihnen die Verfolger auf den Fersen sind. Die
blutigen Verluste des Feindes sind sehr stark.
Die Zahl der Gefangenen steht
noch nicht fest, sie beträgt aber
weitüber 50000 Mann
. Hufhibung cincs fcanzösischen
Mehe als 40 Geschütze und 60
Maschinen = Gewehre wurden genommen,
unübersehbares Kriegsmalerial
erbealel.
S. M. der Koiser wohnte den entscheidenden
Kämpfen in der Mitte unserer Schlachtfront
bei. Der Sieg wurde durck, Teile der alten
OÖstiruppen und durck, junge, für biese Aufgabe
herangezogene Verbände, die sich den altbewährten
Kameraden e##endurug ewiesen errungen.
Die Leistungen der Truppen bei Ueberund
We
Rältnisse in Tag und Nacht dortgesetzten Märschen
und Gefechten gegen einen zähen Gegner
ist über jedes Lob erhaben.
–...
Der Generalfeldmarschall o. Hindenburg leitete
die Operatienen, die von Generalberst. v.
Eickhorn und General der Uyanterie v. Below
in glanzender Weise durchgeführt wurden mit
alter Meisterschaft.
mindung widrigster Witterungs-Oberste
Heexresleitung.
.□—
Die Kämpfe bei Lyck.
Berlin, 16. Febr. Aus Lock erfahren wir:
Einen wicktigen Abschnirt der Winterschlacht in
Masurien bildeten die Kämpfe in und um Lyck,
weld.er Ort den Rusfsen einen festen Stützpunkt
geboten hatte. Unferen Truppen gelang es,
unter den Augen des an der Front weilenden
obersten Kriegeherrn am 14. Februar den
Feind aus seinen Stellungen um oie Stadt zu
werfen. Kaum waren die Sieger in die Stadt
eingezogen, da erschien auch der Kaiser und
traf dort auf der Hauptstraße und am Marktplatz
neben zahlreichken russischen Gefangenen
Teile der 11. Landfturm-Division, der 2. Infanteriedioision,
insbesondere das ruhmgekrönte
ostpreußiscke Füsilier-Regiment Graf Ro)n
Nr. Z.
Auf dem Marktplatz inmitten der zerschosjenen
Häuser und der stark beschädigten Kirche
spielte sich eine ergreifende, denkwürdige Szene
at, die allen Zeugen unvergeßlich bleiben wird.
Die soeben aus sckweren Kämpfen kommenden,
von Sckmuy und Blut bedeckten Krieger drängten
sich jubelnd um den Kaiser, der viele der
Mannschaften und alle anwesenden Offiziere ansprach.
Ploylich ertonten die erhabenen Klänge
der Nationalhymne und darauf Deutschland,
Deutschland uber alles aus vielen tausend Kehlen
zum Himmel empor. Alle Mauern und