Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1845. (11)

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Seit  2½  Jahren  mißbraucht  England  seine  Flottenmacht
  zu  dem  frevelhaften  Versuche,  Deutschland  durch
Hunger  zur  Unterwerfung  zu  bringen.  In  brutaler

ißachtung  des  Völkerrechts  unterbindet  die  von  England
  geführte  Mächtegruppe  nicht  nur  den  legitimen
Handel  ihrer  Gegner,  durch  rücksichtslosen  Druck  nötigt
  sie  auch  die  neutralen  Staaten,  jeden  ihr  nicht  genehmen
  Handelsverkehr  aufzugeben  oder  den  Han
nach  ihren  willkürlichen  Vorschriften  einzuschränken.
Das  amerikanische  Volk  kennt  die  Bemühungen,  die
unternommen  worden  sind,  um  England  und  seine
Bundesgenossen  zur  Rückkehr  zum  Völkerrecht  und  zur
Uchtung  vor  dem  Eeset  der  Freiheit  der  Meere  zu  bewegen.
  Die  englische  Regierung  verharrt  bei  ihrem
Aushungerungskrieg,  der  zwar  die  Wehrkraft  des  Gegners
  nicht  trifft,  aber  Frauen  und  Kinder,  Kranke  und
Greise  zwingt,  um  des  Vaterlandes  willen  schmerzliche,
  die  Volkskraft  gefährdende  Entbehrungen  zu
erdulden.

So  häuft  britische  Herrschsucht  kalten  Herzens  die
Leiden  der  Welt,  unbekümmert  um  jedes  Gebot  der
Menschlichkeit,  unbekümmert  um  die  Proteste  der
schwer  geschädigten  Neutralen,  unbekümmert  selbst  um
die  stumme  Friedenssehnsucht  bei  den  Völkern  der
eigenen  Bundesgenossen.  Jeder  Tag,  den  das  furchtbare
  Ringen  andauert,  bringt  neue  Verwüstungen,
neue  Not  und  neuen  Tod.  Jeder  Tag,  um  den  der
Krieg  abgekürzt  wird,  erhält  auf  beiden  Seiten  Tausenden
  tapferer  Kämpfer  das  Leben  und  ist  eine  Wohltat
  für  die  gepeinigte  Menschheit.  Die  Kaiserliche  Reierung

  würde  es  vor  ihrem  eigenen  Gewissen,  vor

m  deutschen  Volke  und  vor  der  Geschichte  nicht  verantworten
  können,  wenn  sie  irgendein  Mittel  unversucht
  ließe,  das  Ende  des  Krieges  zu  beschleunigen.
Mit  dem  Herrn  Präfidenten  der  Vereinigten  Staaten
hatte  sie  gebeiit  dieses  Ziel  durch  Verzandlungen  zu
erreichen.  Nachdem  der  Bersuch  zur  Verständigung
von  ihren  Gegnern  mit  verschärfter  Kampfansage
beantwortet  worden  ist,  muß  die  Kaiserliche  Regierung,
wenn  sie  in  höherem  Sinne  der  Menschheit  dienen
und  sich  an  den  eigenen  Vollsgenossen  nicht  verfündigen
  will.  den  ihr  von  neuem  aufgedrungenen  Kampf
ums  Dasein  nunmehr  unter  voller  Einsehung  aller
Waffen  fortführen.  Sie  muß  daher  auch  die  Beschränkungen
  fallen  lassen,  die  sie  sich  bisher  in  der  Berwendung
  ihrer  Kampfmittel  zur  See  auferlegt  hat.
Im  Vertrauen  darauf,  daß  das  anterikanische  Volk
und  seine  Regierung  sich  den  Gründen  dieses  Entschlusses
  und  seiner  Notwendigkeit  nicht  verschließen
werden,  hofft  die  Kaiserliche  Regierung,  daß  die  Vereinigten
  Staaten  die  neue  Sachlage  von  der  hohen
Warte  der  Unparteilichkeit  würdigen  und  auch  an
ihrem  Teile  mithelsen  werden,  weiteres  Elend  und
vermeidbares  Opfer  an  Menschenleben  zu  verhüten.

Indem  ich  wegen  der  Einzelheiten  der  geplanten
Kriegsmaßnahmen  zur  See  auf  die  anliegende  Denkschrift!
  Behug  nehmen  darf,  darf  ich  gleichzeitig  der
Erwartung  Ausdruck  geben,  daß  die  amerikanische
Regierung  amierikanische  Schiffe  vor  dem  Einlaufen
in  die  in  der  Anlage  beschriebenen  Sperrgebiete  und
ihre  Staatsangehörigen  davor  warnen  wird,  den  mit
Häfen  des  Sperrgebiets  verkehrenden  Schiffen  Passagiere
  oder  Waren  anzuvertrauen.

gez.  Zimmermann.

1  Slehe  S.  162.

II.  Kriegsgeographie  und  Kriegsgeschichte

B.  Das  Friedensangebot  des  Pierdundes  vom
12.  Dezembder  1916.

Die  bereits  im  Oktober  1916  von  der  Ssterreichisch-ungarischen

NRegierung  gegebene  Anregung  zu  einem  Friedensangebot  fand
ihren  Widerhall  in  folgendem  Briefe  Kaiser  Wilhelms  an  den
beutschen  Neichskanzler:

Neues  Palais,  81.  Oktober  1916.
Mein  lieber  Bethmann!  Unser  Gespräch  habe  ich
noch  nachher  gründlich  überdacht.  Es  ist  klar,  die  in
Kriegspsychose  befangenen,  von  Lug  und  Trug  im
Wahne  des  D  und  im  Haß  gehaltenen  Völker
unserer  Feinde  haben  keine  Männer,  die  imstande
wären,  die  den  moralischen  Mut  besäßen,  das  befreiende
  Wort  zu  sprechen.  Den  Vorschlag  zum  Frieden
u  machen  ist  eine  sittliche  Tat,  die  notwendig  ist,  um
ie  Welt  —  auch  die  Neutralen  —  von  dem  auf  allen
lastenden  Druck  zu  befreien.  Zu  einer  solchen  Tat
gehört  ein  Herrscher,  der  ein  Gewissen  hat  und  sich  Gott
verantwortlich  fühlt  und  ein  Herz  für  seine  und  die
feindlichen  Menschen,  der  unbekümmert  um  die  eventuellen
  absichtlichen  Mißdeutungen  seines  Schrittes
den  Willen  hat,  die  Welt  von  ihren  Leiden  zu  befreien.
Ich  habe  den  Mut  dazu.  Ich  will  es  auf  Gott  wagen.
Legen  Sie  mir  bald  die  Noten  vor  und  machen  Sie

alles  bereit.  gez.  Wilhelm  I.  B.

Wortlant  des  Friedensaugebotes  vom  12.  Dezember
  1916.

Der  furchtbarste  Krieg,  den  die  Geschichte  je  gesehen
hat,  wütet  seit  bald  zweieinhalb  Jahren  in  einem  grosien
  Teile  der  Welt.  Diese  Katastrophe,  die  das  Band
einer  gemeinsamen  tausendjährigen  Zivilisation  nicht
hat  aufhalten  können,  trifft  die  Menschheit  in  ihrer
wertvollsten  Errungenschaft.  Sie  droht  den  Hesstigen
und  materiellen  Fortschritt,  der  den  Stolz  Europas
zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts  bildete,  in  Trümmer
  zu  legen.

Deutschland  und  seine  Verbündeten  Österreich-Ungarn,
  Bulgarien  und  die  Türkei  haben  in  diesem
Kampfe  ihre  unüberwindliche  Kraft  erwiesen.  Sie
haben  über  ihre  an  Zahl  und  Kriegsmaterial  überlegenen
  Gegner  gewaltige  Erfolge  errungen.  Unerschünert
  halten  gr  Linien  den  immer  wiederholten
Angriffen  der  Heere  ihrer  Feinde  stand.  Der  jüngste
Anßurm  auf  dem  Balkan  ist  schnell  und  siegreich
niedergeworfen  worden.  Die  letzten  Ereignisse  beweisen,
  daß  auch  eine  weitere  Fortdauer  des  Krieges
ihre  Widerstandskraft  nicht  zu  brechen  vermag,  daß
vielmehr  die  gesamte  Lage  zu  der  Erwartung  weiterer
Erfolge  berechtigt.

ur  Verteidigung  ihres  Daseins  und  ihrer  nationalen
  Entwicklungsfreiheit  wurden  die  vier  verbündeten
  Mächte  gezwungen,  zu  den  Waffen  zu  greifen.
Auch  die  Ruhmestaten  ihrer  Heere  haben  daran  nichts
geändert.  Stets  haben  sie  an  der  überzeugung  festehalten,
  daß  ihre  elgenen  Rechte  und  begründeten
nspruͤche  in  keinem  Widerspruch  zu  den  Rechten  der
anderen  Nationen  1½  Sie  gehen  nicht  darauf  aus,
den  Gegner  zu  zerschmettern  oder  fu  vernichten.

Getragen  von  dem  Bewußtsein  ihrer  meilitärischen
und  wirtschaftlichen  Kraft  und  bereit,  den  ihnen  aufezwungenen

  Kampf  nötigenfalls  his  zum  äußersten
seonnuseten.  zugleich  aber  von  dem  Wunsche  beseelt,
weiteres  Blutvergießen  zu  verhüten  und  den  Greueln
des  Krieges  ein  Ende  zu  machen,  schlagen  die  vier
verblündeten  Mächte  vor,  alsbald  in  Friedensverhandlungen
  einzutreten.  Die  Vorschläge,  die  sie  zu  diesen