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Seit 2½ Jahren mißbraucht England seine Flottenmacht
zu dem frevelhaften Versuche, Deutschland durch
Hunger zur Unterwerfung zu bringen. In brutaler
ißachtung des Völkerrechts unterbindet die von England
geführte Mächtegruppe nicht nur den legitimen
Handel ihrer Gegner, durch rücksichtslosen Druck nötigt
sie auch die neutralen Staaten, jeden ihr nicht genehmen
Handelsverkehr aufzugeben oder den Han
nach ihren willkürlichen Vorschriften einzuschränken.
Das amerikanische Volk kennt die Bemühungen, die
unternommen worden sind, um England und seine
Bundesgenossen zur Rückkehr zum Völkerrecht und zur
Uchtung vor dem Eeset der Freiheit der Meere zu bewegen.
Die englische Regierung verharrt bei ihrem
Aushungerungskrieg, der zwar die Wehrkraft des Gegners
nicht trifft, aber Frauen und Kinder, Kranke und
Greise zwingt, um des Vaterlandes willen schmerzliche,
die Volkskraft gefährdende Entbehrungen zu
erdulden.
So häuft britische Herrschsucht kalten Herzens die
Leiden der Welt, unbekümmert um jedes Gebot der
Menschlichkeit, unbekümmert um die Proteste der
schwer geschädigten Neutralen, unbekümmert selbst um
die stumme Friedenssehnsucht bei den Völkern der
eigenen Bundesgenossen. Jeder Tag, den das furchtbare
Ringen andauert, bringt neue Verwüstungen,
neue Not und neuen Tod. Jeder Tag, um den der
Krieg abgekürzt wird, erhält auf beiden Seiten Tausenden
tapferer Kämpfer das Leben und ist eine Wohltat
für die gepeinigte Menschheit. Die Kaiserliche Reierung
würde es vor ihrem eigenen Gewissen, vor
m deutschen Volke und vor der Geschichte nicht verantworten
können, wenn sie irgendein Mittel unversucht
ließe, das Ende des Krieges zu beschleunigen.
Mit dem Herrn Präfidenten der Vereinigten Staaten
hatte sie gebeiit dieses Ziel durch Verzandlungen zu
erreichen. Nachdem der Bersuch zur Verständigung
von ihren Gegnern mit verschärfter Kampfansage
beantwortet worden ist, muß die Kaiserliche Regierung,
wenn sie in höherem Sinne der Menschheit dienen
und sich an den eigenen Vollsgenossen nicht verfündigen
will. den ihr von neuem aufgedrungenen Kampf
ums Dasein nunmehr unter voller Einsehung aller
Waffen fortführen. Sie muß daher auch die Beschränkungen
fallen lassen, die sie sich bisher in der Berwendung
ihrer Kampfmittel zur See auferlegt hat.
Im Vertrauen darauf, daß das anterikanische Volk
und seine Regierung sich den Gründen dieses Entschlusses
und seiner Notwendigkeit nicht verschließen
werden, hofft die Kaiserliche Regierung, daß die Vereinigten
Staaten die neue Sachlage von der hohen
Warte der Unparteilichkeit würdigen und auch an
ihrem Teile mithelsen werden, weiteres Elend und
vermeidbares Opfer an Menschenleben zu verhüten.
Indem ich wegen der Einzelheiten der geplanten
Kriegsmaßnahmen zur See auf die anliegende Denkschrift!
Behug nehmen darf, darf ich gleichzeitig der
Erwartung Ausdruck geben, daß die amerikanische
Regierung amierikanische Schiffe vor dem Einlaufen
in die in der Anlage beschriebenen Sperrgebiete und
ihre Staatsangehörigen davor warnen wird, den mit
Häfen des Sperrgebiets verkehrenden Schiffen Passagiere
oder Waren anzuvertrauen.
gez. Zimmermann.
1 Slehe S. 162.
II. Kriegsgeographie und Kriegsgeschichte
B. Das Friedensangebot des Pierdundes vom
12. Dezembder 1916.
Die bereits im Oktober 1916 von der Ssterreichisch-ungarischen
NRegierung gegebene Anregung zu einem Friedensangebot fand
ihren Widerhall in folgendem Briefe Kaiser Wilhelms an den
beutschen Neichskanzler:
Neues Palais, 81. Oktober 1916.
Mein lieber Bethmann! Unser Gespräch habe ich
noch nachher gründlich überdacht. Es ist klar, die in
Kriegspsychose befangenen, von Lug und Trug im
Wahne des D und im Haß gehaltenen Völker
unserer Feinde haben keine Männer, die imstande
wären, die den moralischen Mut besäßen, das befreiende
Wort zu sprechen. Den Vorschlag zum Frieden
u machen ist eine sittliche Tat, die notwendig ist, um
ie Welt — auch die Neutralen — von dem auf allen
lastenden Druck zu befreien. Zu einer solchen Tat
gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat und sich Gott
verantwortlich fühlt und ein Herz für seine und die
feindlichen Menschen, der unbekümmert um die eventuellen
absichtlichen Mißdeutungen seines Schrittes
den Willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien.
Ich habe den Mut dazu. Ich will es auf Gott wagen.
Legen Sie mir bald die Noten vor und machen Sie
alles bereit. gez. Wilhelm I. B.
Wortlant des Friedensaugebotes vom 12. Dezember
1916.
Der furchtbarste Krieg, den die Geschichte je gesehen
hat, wütet seit bald zweieinhalb Jahren in einem grosien
Teile der Welt. Diese Katastrophe, die das Band
einer gemeinsamen tausendjährigen Zivilisation nicht
hat aufhalten können, trifft die Menschheit in ihrer
wertvollsten Errungenschaft. Sie droht den Hesstigen
und materiellen Fortschritt, der den Stolz Europas
zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildete, in Trümmer
zu legen.
Deutschland und seine Verbündeten Österreich-Ungarn,
Bulgarien und die Türkei haben in diesem
Kampfe ihre unüberwindliche Kraft erwiesen. Sie
haben über ihre an Zahl und Kriegsmaterial überlegenen
Gegner gewaltige Erfolge errungen. Unerschünert
halten gr Linien den immer wiederholten
Angriffen der Heere ihrer Feinde stand. Der jüngste
Anßurm auf dem Balkan ist schnell und siegreich
niedergeworfen worden. Die letzten Ereignisse beweisen,
daß auch eine weitere Fortdauer des Krieges
ihre Widerstandskraft nicht zu brechen vermag, daß
vielmehr die gesamte Lage zu der Erwartung weiterer
Erfolge berechtigt.
ur Verteidigung ihres Daseins und ihrer nationalen
Entwicklungsfreiheit wurden die vier verbündeten
Mächte gezwungen, zu den Waffen zu greifen.
Auch die Ruhmestaten ihrer Heere haben daran nichts
geändert. Stets haben sie an der überzeugung festehalten,
daß ihre elgenen Rechte und begründeten
nspruͤche in keinem Widerspruch zu den Rechten der
anderen Nationen 1½ Sie gehen nicht darauf aus,
den Gegner zu zerschmettern oder fu vernichten.
Getragen von dem Bewußtsein ihrer meilitärischen
und wirtschaftlichen Kraft und bereit, den ihnen aufezwungenen
Kampf nötigenfalls his zum äußersten
seonnuseten. zugleich aber von dem Wunsche beseelt,
weiteres Blutvergießen zu verhüten und den Greueln
des Krieges ein Ende zu machen, schlagen die vier
verblündeten Mächte vor, alsbald in Friedensverhandlungen
einzutreten. Die Vorschläge, die sie zu diesen