Stellungnahme der O. H. L. 146
Agitation im Heere, durch Agitation der Vaterlandspartei im
Lande, das war grundfalsch, urfalsch, war so falsch, daß diese Maßnahmen,
anstatt den sinkenden Kampfwillen zu heben, ihn vielmehr
schwächten, ja die deutsche Volkskraft geradezu untergraben, die
Revolution züchten mußten. Nach der Seite des Landes, dem
Innern, dem eigenen Volke zu hat es Ludendorff an jedem politischen
Blick und Augenmaß gefehlt, darin liegt sein Verhängnis und
seine Schuld'").“
Die O. H. L. tat erheblich mehr und handelte, um diese schwere
und entscheidende Störung der Kriegführung zu verhindern, anders,
als viele Deutsche es annehmen. Allerdings würde ich ganz anders
gehandelt haben, wenn ich damals die Verhältnisse so übersehen
hätte wie jetzt.
Es wollte mir nicht einleuchten, warum an die Männer daheim
geringere Anforderungen zu stellen seien als an die Kämpfer
draußen an den Fronten, die, schlecht besoldet, dauernd den vielerlei
Unbilden des Frontlebens ausgesetzt, jeden Augenblick des Todes gewärtig,
dem Feind die Stirne bieten mußten — während die anderen
bei hohen Löhnen, nicht schlechter verpflegt, bei regelmäßigem
Wechsel von Arbeit und Ruhe unter schützendem Dach und ohne
Lebensgefahr im Schoß der Familie meist beinahe friedensmäßig
lebten.
Auch hatte ich kein Verständnis für die Schwäche und Unfähigkeit
der Regierung auf allen Gebieten der inneren Politik. Aber ich
gebe zu, daß es z. B. ein Fehler war, auf ein Verständnis für die
Not des Landes bei den Führern der internationalen Sozialdemokratie,
den Führern der Demokratie, des linken Zentrumsflügels
und der Judenschaft in Deutschland und auf ein Zurückstellen ihrer
eigensüchtigen Bestrebungen zu rechnen, wenigstens nur so lange, als
das deutsche Volk im Daseinskampf stand. Es war ein weiterer
Fehler, ein Gesetz wie das Hilfsdienstgesetz einem Manne von der
Gedankenrichtung des Reichskanzlers v. Bethmann anzuvertrauen.
Gewiß war ich dafür, daß alle Machtmittel des Staates, auch
*) Ernst Horneffer, Erkenntnis. Kassel 1920.