Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Uummer  93

Nolenleimer  Auzei#en

Dounerstag,  22.  April  1013

 

tigleit.  Die  NahkamofmittelI  Minenwerfer,
Handgranaten  und  Sprengminen  betätigen
sich,  und  das  Feuer  der  Infanterie  und  der
Maschinengewehre  erlöscht  nie  ganz.  Beide  Gegner
  suchen  die  Straßen  und  Unterlunftsräume
hinter  den  Fronten  durch  Artilleriefener  und
Fliegerbomben  zu  beunruhigen.  Marschierende
Truppen,  regerer  Bahn=  und  Kraftwagenverlehr
  im  Rücken  der  französischen  Linien,  besonders
  am  15.  und  16.  April,  weisen  darauf
hin,  daß  der  gegenwärtige  Zustand  verhältnismäßiger
  Ruhe  laum  ein  dauernder  bleiben
dürfte.

In  den  Tagen  vom  11.  bis  zum  19.  April
wirite  hauptsächlich  die  beiderseitige  Artillerie,
während  die  französische  Infanterie,  wohl  unter
  dem  Eindru.  der  in  den  vorhergehenden
Kämpfen  erlitltenen  außerordentlichen  Verluste,
sich  auf  vereinzelle,  stels  minglüdte  Teilangrifse
beschränlte,  die  im  Rahmen  der  Gesamtlage
ohne  Bedeuung  maren.  Diese  Unternehmungen
  wiederholien  sich  sast  ausschliehlich  in  den
Absch  nitten  unserer  Front,  gegen  die  sich  seit  Beginn
  der  Kämpfe  die  franzölische  O  Offensive  mil
besonderem  Nackdruck  richtet:  am  Nordflügel
gegen  unsere  Slellungen  bei  Marcheville-Maizeleh
  und  Combres,  am  Südflugel  gegen  unsere
Linien  im  Walde  von  Nill#6  im  Walde  Morlmare,

  nördlich  Rognieville  Fanzen-Haye  und  im  1I

westlichen  Priesterwalde.

In  der  Nacht  vom  11.  zum  15.  April  zeichnelen
  sich  die  Feuerüberfälle  auf  die  Combres=Höhe
  durch  besondere  DHeftigleit  aus  Hier
wandte  der  Gegner  auch  Nebel-  und  Zünl.
bomben  an,  die  den  Zweck  haben,  einen  Schleier
von  Rauch  und  unerträglichen  Gasen  vor  und
in  unsere  Slellungen  zu  legen,  um  den  Einblick
gegen  den  Feind  zu  verbindern  und  unseren
Truppen  den  Aufenthali  in  den  Gräben  zu  erschweren.


Ein  Voritoß  im
selben  Nacht  untere

Prie'terwalde  f#n
Truppen  in  den  Besig
  eines  Teiles  der  französischen  Hauplstel
lung,  die  hier  min  einem  starl  ausgebauten
Stüprunit  gegen  unseren  vordersten  Graben
voripringt.  Der  mit  diesem  Erfoige  äingeleitete
Nalikampf  im  westlihnen  Prienerwald:  dauerle
die  solgenden  Tage  und  Nächie  ohne  Unterbre
chung  an:  er  schreilet  langsam,  aber  für  uns
günstig  forl.  In  den  Vormittagsstunden  des.
19.  April  gelang  es  hier  unseren  Truppen,
zwei  Blockhäuser  und  die  anschließenden  Grabenstücke
  in  die  Luft  zu  sprengen,  wodurch  unsere
  Stellung  weiter  vorgeschoben  werden  konnte.
Hierbei  erlilten  die  Franzosen  nicht  unbeträchtliche
  Verluste,  während  und  der  gewonnene  Ersolg
  leinen  einzigen  Mann  kostete.

Der  15.  April  brachte  zwei  am  Abend  unlternommene
  französische  e  Angriffe  im  Aillywalde.
die  beide  der  zwe  bile  bereits  während  der  Enlwicklung
  in  unserem  Feuer  zusammenbrachen.
Ebenso  wurden  zmei  Vorilöße  des  Gegners
nördlich  Fliren  in  der  Nacht  vom  16.  zum  17.
April  abgewiesen.  Wiederholt  nurden  in  diesen
  Tagen  an  verschiedenen  Siellen,  so  an  der
Combreshölle  bei  Flirey  und  gegenüber  dem
Walde  Morimare  beobachtel,  daß  die  Franzosen
  Truppen  in  den  vordersten  (Craben  bereit
stellen.  zu  Angre  fien  lam  es  nicht.  Der  Ar—
lillerie  fiel  auf  beiden  Seilen  in  den  Tagen
vom  14.  bis  19.  April  die  Sauplätigkeit  zu.

Vor  dem  Bergarbeikerstreit
in  England.

2.

ute  in  der-Amsterdam,

  Aptil.  Morgen  findet
eine  Versammlung  der  Verireter  sämtlicher
b  Vergorbeiten  brßbritanniens  stall.  Disse  Versammlung
  steill  wohl  die  wichtigste  Phase  in

 

der  Lohnbewegung  in  England  dar  und  ihrem
Ergebnis  wird  deshalb  mit  größter  Spannung
entgegengesehen.  Die  Vergarbeiler  verlangen
eine  allgemeine  Lohnerl  öhung  von  20  Prozent,
was  Mehrausnaden  von  rund  41  Millionen
Mark  vermsanen  würde.  Di:  Crubenbesitzernehmen
  den  Sandrun  ein,  dan  di:  gforderte
allgemein  Lein  r.  öLung  für  fi:  unmöglich  sei.
Sie  wol  en  leriglick  mit  einzelnen  Distrikten
verhande  .  „  bie  Arrciter  aher  unnachgiebig
scheinen,  1  :  Lage  ##hr  ernil.  In  der  Eisen:
industrie  in  Ladlenin  trotz  aller  versuchten

 
 

Ausgleich:  und  Bese  rek  ungen  ein  Sireit  ausbebrochen.)
  5%  Ausland  in  d.olalb  so  peinlick,
  wei:  di  beleiligten  Arreiter  in  der  Granalensar#ic

  ion  beschäf.,igt  sind.  Welchen  Umfang
  die  ver#hiedenen  S#rails,  Arbeileiaschräulungen
  und  die  Arbei.##uulu'l  angenommen  ha
ben,  ergilt  sich  aus  einer  öffentlichen  Feststellung,
  nach  der  bei  18  wichligen  Firmen,  die
mit  der  Herstellung  von  Munition  beschäftigt
sind,  666  000  Sunden,  d.  i.  ein  Vierlel  der
gesamten  normasen  Arbeitsz  it,  verloren  gegangen
  sind.  (.).))

Kopenhagen.  2.7.  April.
dende“  meldet  aus  London:  Die
Vergleulte  haben  lheute  früh  den  Streil  beschlossen
  für  den  Fail,  daf  ihre  Forderung
auf  eine  VDergütung  von  25)  Prozen  nicht  er
füllt  werde.  Diese  Nachril#  hat  wir  eine  Bombe
unler  den  Bergwertsbesinzern  eingeschlagen.  Z-ie
erklärien,  ein  Streit  sei  unmögiiel.  da  die  bri
lische  Flotie  ohne  Waleslohle  nin.  Alions
sähig  sei.  Die  Bergarbeiter  machen  gettend,
daß  die  Vergherren  kolossal  verdient  hatt#e#n,  o
daß  die  angebotene  Vergütung  von  10  Prozent
viel  zu  gering  sei.  Ein  hervorragender  Arbeiterführer
  hat  ausgesprochen,  daß  die  Flotte  die
Vergleute  nicht  entbehren  lönne.  Er  drohte
mil  ernusten  Verwicklungen,  salls  die  Eigentümer
sich  nicht  beunten.“

det  Arteg  genen  Englund

englischen
Fischdampfers

  
 

„Nalional  Tienglischen


Versenkung  eines

London,  20.  April.  Der  Kapitän  des
Fischdampfers.  „Fermo“  teilte  gestern  bei  seiner
  Ankunft  in  Grimsby  mit,  daß  der  Fischdampfer
  „Vanilla“  vorgeslern  früh  durch  ein
deutscher  Untersceboot  lorpediert  worden  sei.
Die  „Vanilla“  wurde  in  Stücke  gerissen  und
ist  sofor!  gesunken.  Der  Dampfer  „Fermo“,
der  sich  in  einer  Entfernung  von  300)  Bards  be
sand,  eilte  zu  Hilfse,  um  die  Besatzung  des
Dampfers  „Vanilla“  zu  retten.  Das  Unterseeboot
  Binderte  ihn  jedoch,  Beistand  zu  leisten.
indem  es  einen  Torpedo  obseuerie  der  sehl
ging.  Der  Fischdampfer  „Fermo“  dampfie  dann
mit  voller  Krast  heimwärts.  Eins.  Veköffentlichung
  der  Admiralität  leilt  mit:  Das  deutsche
Unterseeboot,  das  den  Fischdampfer  „Vanilla“
zum  Sinlen  brachite,  vertrieb  den  Fischdampfer
„Fermo“.  ,  als  er  die  Bemannung  zu  reiten  versuchte.
  Die  Folge  davon  war.,  daß  Viele  von
der  „Vanilla“  ertranten.  Dieses  Töten  von
Fischern  ohne  militärischen  Grund  wird  unserer
Aufmerksamkeit  nicht  entgehen.  Dies  ist  der
zweite  Mord  binnen  einer  Woche.  Wir  min
die  Ereignisse  gut  im  Gedächtinis  behalten.  (J.)

Wolfis  Telegraphisches  Bureau  bemerkt  dazu:
  Selbsweriländlich  sind  die  Tatsachen  hier

wieder  nach  der  bei  den  Engländern  geübten  ##

 

Der  neue  Bankdtrektor.

N#  #  Neinbel!  Orimens.
42  Gach  v#####

„Seien  Sie  #nn  Mutes,  Sennor,  jagte
er,  währen?  acker  laus.  „Was  ich  #un
kann,  7.  viese  paar  Tage  angenehm  zu
machen,  oll  gewic  geschehen.  Von  ancn,  die
man  aus  jener  Tur  dort  hinaus  gejührt  hat  —
sel  es  nun,  um  sie  zu  erichießen,  zu  hangen
oder  zu  erdrosieln  —  ist  noch  keiner  weggehangen,
  der  unir  nicht  die  Hand  gereicht  und
mir  gesagt  hate:  „Schönen  Dantk,  Sennor
Cabildo  (Cabido  beiten  in  Bi#nos  Atres  das
Rathaus,  die  Munizlpalbehoe  und  das  Palizeigejangnis.
  Es  ist  aljo  eine  scherzhafte  Bezeichnung,
  die  sich  der  Schließer  hier  beilegt,
etwa  wie  manche  Angeklatte  aus  dem  Voile
in  Deutschland  die  Jury  mit  „Herr  Gerichtshof,“
anzureden  pflegen).  für  die  freundliche  Behandlung.“
  Es  inn  schade,  daß  die  Herren  keine  Gelegenheit
  hatten,  sich  mir  auf  andere  Weise  erkenntlich
  zu  zeigen.  Sie  häuen  es  gewiß  gerne
getan,  aber  von  dem  Orte,  zu  dem  sie  ge-Langen
  sind,  kehrt  man  eben  nicht  zurück.“

ergriif  den  Becher,  den  er  1  nun  schon

zum  vrurt#n  Male  gelül  hatte,  und  stieß  mit
seinem  Gefangenen

„Auf  gutes  Ziicch-  Sennor,  und  auf  gute

Verrichtung!“
Rodewaldt  tat  ihm  Bescheid.  „Vielen
Dank,  Sennor  Cabildo!  Aber  mas  wollen  Sie

mit  der  *—  Verrichtung  sagen

—  sehen  Sie,  #  ist  zen  diesen  Hinrichtüngen
  bei  uns  so  ein  eigen  Ding.  Schließlich
  gidt  es  doch  nichts  Unangenehmeres,  als

 

zwei  oder  orei  Salden  ausdaten  zu  mutten,
während  man  vonkommen  gegründeten  Anspruch
  darauf  hat,  mit  einer  ein  figen  abgetan
u  werden.  Aber  das  Zielen  ist  nun  einmal
nicht  die  slarke  Seite  dieser  guten  Jungen.  lUnd
zumal,  wenn  es  sich  um  jo  einen  armen  Teuiel
handelt,  der  wehrlos  vor  seinem  Grabe  lniel!
Ich  glaube  wahrhaftig,  Sennor,  ich  jelber
brachte  es  nich!  jertig.  Wenn  das  Kommando
kommt,  so  drücen  sie  eben  die  Augen  zu  und
lassen  die  Kugel  eine  Richtung  nehmen,  wie
es  Gott  geiällt.“

„Aber  ich  werde  mit,  dbten  Freunde,  dem
Doktor  Vidal,  reden.  soll  den  Soldaten
ein  gules  Trinkgeld  eriwe  wenn  sie
ordentlich  zielen.  Verlassen  Sie  sich  auf  mich!

mnd  noch  einmal  also:  Auf  gute  Verrichtung!“

„Ihre  Frenn  ndiichkeit  ist  wahrhaft  überwältigen
  nd.  Ich  weiß  wirklich  micht-  womit  ich
viel  Zeilhahme  verdient  habe.  1  da  Sie
doch  so  gur  ahntertichten  sind  —  wann  meinen
Sie  wohl,  4  die  —  nun,  die  bewußte  Sache
vor  sich  *0  merde?“

Der  Schließer  wiegte  nachdenklich  den  Kopf,
dann  memte  er:  „Lassen  Sie  uns  einmal
rechnen!  Heute  nachmittag  tritt  dos  Priegsgericht
  zusammen,  und  Sie  werden  verhört.
Morgen  früh  wird  aller  Wahrscheinlichkeit  nach
das  Urteil  gesprochen,  und  ich  denke,  so  gegen
Abend  wird  die  Geschichte  dann  zu  Ende  Letr.

„Auf  ungefahr  dreißig  Stunden  des  Wartens

  müssen  Sie  sich  also  immerhin  noch  gefaßt
machen.  Aber  seien  Sie  getrost  —  die  verchen
  auch!  Und  was  ich  anstellen  kann,
hnen  die  dne  u  vertreiben,  joll  gern  geschehen.
  4  in  dleser  Hinsicht  irgendeinen
  en

,  uu6  dab  Sie  mich  jetzt  ein  paar

 

 

Praxis  vollständig  verdreht.  Der  richtige  Hergang
  ist  aber  trotzdem  deutlich  erkennbar,  denn
die  Vũge  ist  außerordentlich  plump  gemacht.  In
Wahrleit  hat  natürlich  der  Fischdampfer  das
Unterseeboot  rammen  wollen  und  so  war  es
ein  Gebot  der  Selb#erlaltung,  daß  es  dem  Angriff
  zuvorkom.  Nachdem  dem  Dampser  „Fermo“
  seine  Absicht  mihlungen  ist,  wird  sie  jetzt
scheinlilig  als  ein  verbindertes  Retlungswerk
dargestelll.  —  Echt  englisch!
Die  Versenlung  der  „Katwyk!“.
Ammeerdam,  27/.  April.  Wie  die  holländi
saen  Bläiter  erfahren,  hat  die  deulsche  Regierung
  aus  eigenem  Antriebe  an  den  holländischen
Gesandten  in  Berlin  eine  Erllärung  folgenden
Zunlalts  gerichter:  Weder  bei  ihr,  noch  bei  der
demschen  Regierung  habe,  wie  sich  das  von
selbst.  verstelle,  di:  Abfitl,:  bestanden,  einen  An-Frisf
  gegen  ein  ro  lndisches  Schiff  zu  unlernel.lmen.
  Die  denif!:  Rigiekung  erlenne  nichtsdenomeniger
  bi:  i#nikieh  an,  daß  infolge
eines  unglücklichen  Zufalles  die  „Katwyk“  durch
ein  deutsches  Unterseeboot  in  den  Grund  gebolert
  worden  sei.  Gleich  nachdem  sie  von  dem
Vorfalle  Kenumis  erhalten  habe,  habe  die
deulsche  Nuirrung  cine  Untersuchung  angeordnei
  und  die  holländisote  Regierung  um  Milleilung
  der  bei  ihr  eingelenden  amtlichen  Berichie
  erfud,  über  die  Tatiachen,  aus  denen  sich
Schlutzjolgerungen  ziehen  lassen  lonnten.  (.3.)
Haag,  27/.  April.  Von  großer  Wichligleit
ist  die  Ausfage  von  brei  Mann  der  Besatzung
des  Leuchtschiffes  „Mans“.  Sie  erklären,  am
Tage  der  Torvedierung  der  „Katwyk“"  in  der
Nähe  des  Leuchtschiffes  ein  englisches  I-Boot
gesehen  zu  haben.  Die  englische  Flagge  war
dentlich  erlennbar.  (.).)
Sperrung  des  Verlehre  zwischen
England  und  Holland.
Amücerdam.  21.  April.  Die  englische  Ad
hliralilält  hal  den  gesamten  Passagierverlehr  von
und  nach  Holland  auf  die  Oauer  einer  Woche
uniersagl.  Diese  Maßregel  wird  dahin  ausge
legt,  dan  En3land  entweder  große  Truppenverjtärlüngen
  an  die  Front  bringen  will  oder  daß
es  eine  anvere  bedeutende  Altion  plane.  (.)..
*  ·  #  ·

 

Iu  den  Kolonlen.
Die  Rücklkehr  aus  Tsingtau.

Verlin,  201.  April.  Durch  Vermittelung
des  Reichsmarineamts  sind  bisher  drei  Tran##
porte  von  Frauen  und  Kindern  der  in  Tsingtan
Kriegogefangenen  in  Europa  eingelroffen.  Die
Abreise  ersolgte  von  Shanghai  aus,  dem  Sam
melpunkle  der  Flüchtlingc,  zunöchst.  nach  San
Franzisko  und  von  dort  nach  Neuyork,  von  w.#i
der  deutsche  Generalkonjul  jür  die  sichere  Wei
lerbeförderung  nach  Europa  Sorge  trug.  Je
dem  Transporte  waren  ein  deutscher  Arzt  d
mehrere  Schwestern  beigegeben.

Keeiman  sbvop  von  den
Engländern  besetl.

London,  20.  April.  Das  Reulerbunureau
meldet  amtlich  aus  Kapstadi:  Die  Briten  ha
ben  Keetmanshoop  besetzt.  (..)

bem  önlchen  F#biensichanplatz

Deutsche  Flieger  über  Warschau.

 

Genf,  20.  April.  Ein  deutscher  Flieger  warf
auf  Warschau  Bomben  herab.  Der  Direklor
und  ein  Buchhalter  einer  Zuclrfabril  wurden  8
elölet,  zahlreiche  Personen  verletzt.  Auch  in
croßer  Materialschaden  entstanden.  (3.)

Stunden  ruhig  schlafen  lassen.  Ich  bin  vollständig
  erschöpft  und  möchie  nicht  gern  in
diesem  klaglichen  Z##n#nde  vor  dem  Kriegsgericht
  schrint

„Sehr  wohl.  Sennar!  Hier  lege  ich  Ihnen
einige  Zihareluen.  hin  und  eine  Schachtel  mit
Zündhölzchen.  Ich  werde  Sorge  tragen,  daß
es  draußen  auf  dem  (hange  hübsch  ruhig  ist,
und  werde  Sie  nicht  ruyer  wecken,  als  bis  die
Patrouille  vom  Priegogericht  kommt,  Sie  zu
bholen.  Wünsche  eine  erqusckende  Ruhe,  Sennor,
nd  angenchme  iaume.“

Er  nahm  das  Geschirr  vom  Tisch  u
verlie  Jelt  noch  von  der  Tür  aus  —
freundlichem  Lächeln  dem  Gefangenen  zunickend.
Rodewaldt  aber  streckte  sich  aufj  das  Lager
nieder,  und  die  nach  den  ungeheuren  Aufregungen
  der  letzten  Stunden  uuwermeidlsege
Erschlassung  aller  Neroen  ließ  ihn  in  der  Tat
schon  noch  wenigen  Minuten  fest  tun  der,  rat.

Klopfen  an  die  Tür  der  Zelle  wecite
ihn.  Solaseuten  fuhr  er  empor,  und  erst,
als  er  auf  ein  nochmaliges  Pochen  mit  lautem
„Herein!“  geantwortet  hatte,  wurde  der
Schlüssel  gedreht.  Der  freundliche  Sennor
Tabildo  mit  dem  runden,  freundlichen  Antlitz
stand  auf  der  .

„Verzeihen  Sie  mir,  Sennor,  wenn  ich
Sie  aus  dem  besten  Schlummer  gestört  habe.
Ich  habe  erst  ein  t  Pitobt.  weil  mir
einige  von  den  früheren  eewohnern  dieses
Gemaches  sagten,  L66  es  ihnen  eine  unangenehme
  Empsindung  bereite,  durch  das  Rasseln
der  Schlüssel  geweckt  zu  werden.  Und  die
Höflichkeit  über  alles,  Gennor!  —  In  einer
halben  Stunde  sollen  Sie  vor  dem  Krlegs- 



 

Heicht  erscheinen,  und  ich  meinte,  es  würde
hnen  erwünscht  sein,  vorher  ein  wente  Toilelte.

Die  Pläne  des  Generalissimus.

Kopenhagen,  20.  April.  Der  Kriegsberichterstalter
  des  Pariser  „Journal“  meldet
aus  Warschau,  daß  ein  lieses  Geheimnis  die
wahren  Pläne  des  russischen  Generalstabes  in
Hinsicht  auf  den  Entscheidungskampf  einhüllt.
Weil  alle  Leute  nur  von  den  Karpathen  sprechen,
  sei  es  durchaus  nicht  festgestelll,  daß  furchtbare
  Zusammenstöße  nicht  anderswo  stattfinden
  werden.  Wenn  zahlreiche  Personen  versicherten,
  daß  der  Weg  nach  Berlin  naturgemäß
über  Budapest  und  Wien  führe,  so  gebe  es
auch  erfahrene  Leute,  die  im  Gegenteil  Puern
daß  die  Einnahme  von  Verlin  die  einzige  Sache
sei,  die  ernsthaft  ins  Gewicht  falle.  „Rußli
Invalid“,  das  Organ  des  Generalstabes,  gibt
der  Ansicht  Ausdruck,  daß  die  Entscheidungsschlacht
  wahrscheinlich  weiter  im  Norden  und  nicht  1
in  den  Karpathen  geschlagen  werde.  (.).)  1
Für  gewöhnlich  teilen  Heerführer  ihre  Fvahren
  Pläne“  nicht  vorher  in  den  Zgeilungen  mil.  :

"

Ven  ben  Wert.  Kriegsschunplätzen.
Der  amtliche  österr.  Bericht.

W'TB.  Wien,  20.  April.  Amtlich  wird  verlautbart:
  Die  allgemeine  Sitnation  ist  vollkommen
  unverändert.  Entlang  der  ganzen  Front
vereinzelt  Artilleriekämpse.

Die  Kämpfe  in  den  Karpathen.

Budapest,  20..  April.  Die  Tätigleit  un
serer  Truppen  zwischen  Pruth  und  Dusestr  erschöpft
  sich  darin,  den  Feind  zu  beunruhigen.
Ganz  besonderen  Erfolg  hat  dabei  unsere  Arlillerie.
  Eine  russische  Abteilung,  die,  von  Rusiisch.
Novosielica  kommend,  nach  der  Dolcoler  Höhe
zog,  wurde  beim  Betreten  de  Waldes  mit
schweren  Geschosfsen  überschüttet  und  gänzlich  vernichtet.
  Ein  ähnliches  Schicksal  wurde  dem  ganzen
  Stab  des  Novosielicaer  russischen  Kommandos
  zuleil.  Cin  Schus  eines  schweren  Geschüt,
zes  sching  milten  unler  die  sich  hinter  der  Front
in  sicherer  Dedung  wähnenden  Öffiziere  des  rufsischen
  Stabes  ein,  die  ohne  Anuenalme  gelötet
wurden.  Unter  den  Toten  befindet  sich  ein
Oberst.  Die  Reichspost  meldet  die  Forldauer
des  Vormarsches  der  österreichisch  ungarischen

Truppen  in  Südostgalizien  und  den  Beginn  einer

  lebhaften  Täligleit  der  deutschen  Südarince
in  den  Karpalhen.  (.).)
Russische  Ausflüchte.

Berlin,  20.  April.  Aus  Stodholm  wird
dem  W'IB.  gemeldel:  Die  Russen  verbreiten
die  Nachricht,  daß  ihre  Erfolge  in  den  Karpatben
andanerten,  die  Verluste  der  Verbündeten  seien
ungeheuer  und  überftiegen  bereils  hunderktausend
  Mann.  Sie  nähmen  täglich  noch  zu.  Der
Zustand  der  verbundelen  Truppen  sei  schlecht.
Die  Russen  hätten  nicht  die  Absicht,  nach  Ungarn
  vorzurücken,  aber  jeder  Versuch  der  Oesterreicher
  zur  Wiedereroberung  der  von  russischen
Truppen  besetzten  altrussischen  Gebiete  werde
abgewiesen  werden.  .  Wenn  die  Russen  wirklich
  von  vorneherein  nichts  weiter  beabsichtigt
hätten,  als  die  Behauptung  des  altrussischen
Gebietes,  so  wäre  schwer  zu  verstehen,  weshalb
  sie  in  den  ietzten  Wochen  bei  ihren  Angriffen
  auf  die  Karpathenpässe  so  gewallige  Anstrengungen
  machten  und  dabei  Verluste  erliiten,
  die  nach  zuverläsiiger  Schätzung  das  D
fache  der  von  den  Berbündeten  gebrachten,  und

antun-NeuDonoerVtotilliui.ftiittsiiliier
uiugeg  aus  Ihrer  Wohnung  geichicht,  weil  ich
ihm  jagte,  daß  Sie  ein  vißchen  abg  serissen
aussehen.  Natürlich,  nach  dem,  was  Sie  ##  durch
gacht  haben,  konnte  es  ja  nicht  gut  anders
ein

Er  hatte  dabei  ein  ziemlich  umsangreiches
Palet  aus  den  Tisch  gelegt  und  löste  nun  bedächig,
  die  Verschnurun
oklor  Bidal  inzwischen  wieder

fkragte  Werne

,soger  zwoimal.  Er  wünschre
durchzus  2  zu  sprechen;  aber  selöse  einem
so  ausgezeichneten  Manne  wie  ihm  konnte  es
nicht  gestattet  werden.  Wenigstens  nicht,  ehe
das  Urteil  gesprochen  ist.  Nachher  *rr
nachher  ist  es  eiwas  ganz  anderes!  Cs  wird
mir  alsdann  ein  ausfrichtiges  Vergnügen  sein,
Ihre  Freunde  zu  Ihnen  zu  lassen.  Sie  glauben
nicht,  was  für  wunderliche  Szenen  wir  hier
schon  gehabt  haben.  Wir  sind  nicht  so  graulam,
  den  Leuten,  deren  Dasein  nur  noch  nach
Stunden  zöhlt,  ihr  bißchen  Veben  ohne  Not  zu
verbittern.  Verwandie,  Bekannte,  Freunde  und
Freundinnen  —  alles  lassen  wir  zu  ihnen
herein,  wenn  sie  selbst  es  so  wünschen.  Was
die  Frauen  betrifft,  so  ist  es  alierdingo  meilt
ein  zweifelhaftes  Vergnügen,  denn  ne  1d
Gejammer  und  Geschrei  machen  sie  rem
nur  das  Herz  schwer.  Und  die  lustigen  Ab-Hhiedelgenen
  #s  mir  viel  lieber  als  die
traurigen.  e  ich  vor  einem  halben
Jahre  hier  einen  meiner  besten  Freunde,  einen
herzensguten  Jungen,  Namens  Rocafuerte.  Er
war  ein  wackerer  Bursche  und  ein  Caballero
vom  Scheitel  bis  zur  Sohle.  Caramba  —  er
verstand  zu  leben  und  die  Welber  waren  rein
toll  in  ibn.  Die  Volizel  haue  ihn  aufgeariffen,

hier  ee  ?“
Jaw