Full text : Die Gründung des Deutschen Ordenstaates in Preußen.

35

den  überfallen  und  was  der  Bischof  in  langen  Jahren  mit  Mühe
gepflanzt  hatte,  schonungslos  zertreten  worden  36).  Im  Kulmer  Lande,
von  wo  Herzog  Heinrich  mit  Aufgebung  seiner  Pläne  längst  heimgezogen
  war.  2)  fand  Christian  mit  den  bei  ihm  verweilenden  Kreuzfahrern
  wohl  auf  der  Hauptburg  Kulm  Schutz  vor  dem  Feinde.  Aber
welch  ein  trauriger  Umschwung  der  Verhältnisse!

Indeß  wie  anhaltend  auch  diesmal  der  Kriegssturm  aus  dem
Norden  sein  mochte,  bleibend  nahmen  die  Preußen  auf  solchen  Zügen
nie  von  einem  Lande  Besitz;  hatten  sie  ihre  Raub=  und  Mordlust
befriedigt,  dann  verschwanden  sie  immer  wieder  in  ihre  Wälder  und
es  traten  oft  mehrere  Jahre  vollkommner  Ruhe  ein.  Geschah  dies
auch  jetzt.  so  durfte  Christian  sich  der  Hoffnung  hingeben,  daß  es  ihm
dann  vielleicht  gelingen  würde,  die  Kreuzfahrt  nach  Preußen  mit  großartigerem
  Erfolge  bei  dem  Papste  und  in  Deutschland  in  Anregung
zu  bringen,  und  mit  einer  starken  Heeresmacht  nicht  nur  sein  christliches
  Land  zu  behaupten,  sondern  auch  die  heidnischen  Landschaften
zu  züchtigen  und  zu  unterwerfen.  Deun  daß  die  bloße  Vertheidigung,
auf  die  er  sich  bis  dahin  beschränkt  hatte,  das  Werk  des  Glaubens
nicht  fördere,  davon  hatte  ihn  die  jüngst  gemachte  traurige  Erfahrung
hinlänglich  belehrt.  Der  heidnische  Trotz,  das  sah  er,  ließ  sich  nur  mit
Waffengewalt  brechen,  und  wie  lange  er  auch  gezögert,  er  mußte  jetzt
zu  dem  Entschlusse  kommen,  in  diesen  Boden  sei  das  Kreuz  nur  mit  dem
Schwerte  zu  pflanzen").  In  wiefern  und  mit  welchem  Glück  er  wäh- 



66)  Nichts  desto  weniger  ist  diese  Landschaft  selbst  in  den  später  folgenden
Kämpfen  mit  dem  Orden  noch  als  eine  nicht  sehr  für  das  Heidenthum  eifernde  wiederzuerkennen.
  Die  Pomesanier  haben  die  Schlacht  an  der  Sirgune  (Sorge),  die  Ermländer
  die  bei  Braunsberg,  —  in  Lansanien  suchen  wir  vergebens  die  Wahlstatt,  wo
seine  Männer  vereint  den  Kampf  der  Verzweiflung  für  das  Heidenthum  gekämpft  hätten.

66  a)  Vgl.  seine  Urkunde  d.  d.  1.  Juli  1224  in  Novo  Foro.  Sommersb.
III.  pg.  97.

67)  Von  nun  an  kommen  die  Ausdrücke  „Vertheidigung,  Schutz  der
Getauften  in  Preußen“  in  den  Urkunden  nicht  mehr  vor.

3