Full text : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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serer  jetzigen  Compagnien  auf  dem  Kriegsetat,  und,  nebenbei  gesagt,  kam
ihnen  diese  geringe  Stärke  in  den  Waldgefechten  bei  Bautzen  sehr  zu
statten,  was  für  unsere  Compagnie-Kolonnen  spräche;  die  preußischen
hatten  bald  durchschnittlich  nur  5—  600  Mann.  Sollte  man  es  aber
im  Ernst  für  nöthig  halten,  der  Einbildungskraft  der  Führer  bei  dem
kleineren  Rahmen  zu  Hülfe  zu  kommen,  so  bleibt  es  den  Commandeuren
immer  überlassen,  behufs  der  Uebungen  zu  Zeiten  aus  zwei  Compagnien
eine,  aus  zwei  Bataillonen  eines  zu  formiren,  um  so  den  Offizieren  die
Uebung  in  Führung  der  größeren  Masse,  dem  Soldaten  damit  „das
Gefühl  der  Sicherheit  und  das  Bewußtsein  unwiderstehlicher  Stärke“  zu
geben  1).  —

Wo  dieses  Mittel  nicht  hinreichend  erschiene,  ist  zu  beachten,  daß  die
periodische  Einziehung  von  Reserve  und  Landwehr  zu  den  Uebungen
ebenfalls  die  Gelegenheit  bietet,  mit  den  Bataillonen  in  voller  Kriegsstärke
  zu  manörriren.  Ohne  Rücksicht  auf  die  durch  die  Dienstzeit  der
Einzelnen  gegebenen  Termine  erscheint  es  nothwendig,  alle  zwei  oder
drei  Jahre  die  verschiedenen  Armeecorps,  natürlich  ohne  den  sonst  mitzuführenden
  Kriegsapparat,  in  voller  Kriegsstärke  hinzustellen  und  in
dieser  Formation  im  Herbste  ihre  Uebungen  machen  zu  lassen.  Diese
Maßregel  ist  nothwendig,  nicht  allein  um  in  den  Eingezogenen  das  Gefühl
der  militärischen  Bestimmung,  die  Anforderungen  des  Dienstes  und  der
Disciplin  im  Gedächtniß  zu  erhalten,  sondern  auch  für  die  verschiedenen
Cadres  in  Bezug  auf  das  Personal  die  einzig  richtige  Kontrole  zu  haben,
und  im  Lande  das  Gefühl  seiner  Sicherheit  und  Wehrhaftigkeit,  sowie
das  Vertrauen  zu  seiner  Kriegsmacht  zu  erhalten.

Die  Kosten  solcher  Zusammenziehungen  können  dem  Lande  nicht  erspart
  werden,  so  wie  es  khöricht  ist,  die  Geldfrage  als  das  ein  zig  Maßgebende
  für  militärische  Institutionen  anzusehen.  Eine  sehr  billige  Armee,

1)  Eine  wunderliche  Broschüre:  „Die  äußere  Politik  des  Abgeordneten-Hauses
und  die  Militärreform  "“,  welche,  wie  es  scheint,  in  liberalem  Gewande  reaktionäre
Zwecke  verfolgt,  läßt  sich  zwar  S.  45  ff.  sehr  weitläufig  darüber  aus,  daß  eine
solche  Zusammenziehung  für  die  Uebungen  nicht  möglich  sei.  Was  sie  aber  dabei
sagt,  läßt  vermuthen,  daß  der  Verfasser  wahrscheinlich  niemals  auch  nur  als  Musketier
  seiner  Wehrpflicht  genügt  hat,  —  sonst  würde  er  bei  oben  aufgestellter  Idee
von  einem  Infanterieoffizier  nicht  „ausgelacht“  worden  sein.  —  Infanteristen
müßten  eine  sehr  traurige  Ausbildung  erhalten  haben,  wenn  „so  fremde  Gliedmaßen“,
  wie  sie  die  beiden  Züge  einer  Compagnie  bilden,  unter  Umständen  nicht
eben  so  gut  zu  dem  Körper  eines  Zuges  „zusammengerenkt“  werden  könnten,
um  auch  in  solcher  Formation  einmal  ausnahmsweise  die  Bataillonsschule  durchzumachen.