26. J,eısnızens Brief an D. E. Jasronskı (12. März 1700). 69
vatorium, wenn es auch noch so wohl eingerichtet wäre, daran doch Anfangs viel
fehlen wird, lange Zeit wenig mercklichen Nutzen schaffen können und viele Jahre
darzu gehören, ehe man sich was rechtes davon wird versprechen dürffen, so
weiter gehe, als was bisher in Franckreich, Engelland und anderswo bereits entdecket.
Ist demnach solches zu consideriren als ein schön Accessorium und nicht
als das Principale, mithin wäre meines wenigen Ermessens das Project so fort
anfangs zu extendiren und auf etwas wichtigers und grössers mit zu richten, zu
deren künftiger Execution mir einige Vorschläge beygefallen, welche neben dem
Calender-Wesen die Nothdurfft darzu auf eine zulängliche Weise ex ipso publico
bono dargeben würden. Derowegen stehe ich in den Gedancken: die Societät
unter Churfürstl. Protection (denn so wollte ichs nach dem exemplo Regiae et
Leopoldinae lieber nennen, als Academie) sollte aus einigen membris ordinariis
nebst einem Directore mit vielen Honorariis bestehen, welche nicht nur die Astronomie,
sondern totam Matheseos et Physices latitudinem zu dem hauptsächlichen
Objecto hätten, sonderlich aber auf gemein-nützige Applicationes bedacht wären.
Dazu würde gehören cura Astronomiae, Mechanicae, Architectonicae, Chymiae,
Botanicae et Anatomicae, also neben dem OÖbservatorio auch ein Laboratorium,
samt allerhand Kunst-Wercken, zu geschweigen des übrigen physici apparatus,
daran den bey eines grossen Potentaten Hof nicht wohl ermangeln kan. Solte
nun gleich anfangs die Sache nicht in dieser Extension zu exquiriren seyn, so
müste doch um der Reputation willen das Concept also gefasset werden, damit
man sich vorsetze einen scopum dignum ınagnitudine et gloria fundatoris.. Wenn
ich aber füglich meine Gedancken der Feder vertrauen könnte wegen Erhaltung
eines zulänglichen fundi, bilde ich mir ein, mein hochgeehrter Herr würde es
neben dem Herrn Requesten - Meister sehr approbiren und nicht anstehen, sofort auf
die Vollstreckung zu gedencken, zumahlen dadurch die grosse Absehen nach Moscau
und China zu Ausbreitung der Evangelischen Wahrheit auch zu befördern. Sollte
ınan aber ad plenam executionem so bald nicht kommen können, wäre inzwischen
genung, nachdem das Werck wenigstens pro dignitate gefasset, die execution per
gradus zu veranstalten und zuförderst von dein Öbservatorio und re Calendaria
anzufangen, weilen bey diesen beyden periculum in mora. Denn wenn sie jetzo
nicht getrieben werden, sie gar unterbleiben möchten. Doch, wenn es möglich,
wäre guth, da gleich anfangs neben dem Astronomo oder Observatore ein Physicus
und ein Mathematicus in re architectonica et mechanica probe versatus bestellet
würden, des Directoris et Secretarii zu geschweigen.
Gott gebe nur, dals unsere gute Gedancken in dieser sowohl als in der andern
grossen Sache durch einen neuen Sturm-Wind aus Norden nicht verrücket werden.
Denn nachdem Dännemarck und in effectu Pohlen-Liefland ınit Schweden gebrochen,
man auch aus Holland nunmehr ein gleichmälsiges besorget, in Sachsen
gleichsam einen fecialem geschickt, und also ein schwehrer Krieg entstehen könnte,
so dürfften die Protestirenden sich vollends aufreiben und ihren Feinden ein gladiatorium
spectaculum geben, wenn Churfürstl. Durchl. von Brandenburg nicht ins
Mittel treten. Alles kommt auf selbige an, sie sind arbiter belli et pacis, und ihre
hohe Weisheit wird sie und ihre vortreffliche Ministros überlegen machen, was vor
grosse Dinge zu gutem und böseın daraus entstehen könnten, um den rechten Ausschlag
zu geben. Es geschehe aber, was da wolle, so haben wenigstens Churfürstl.
Durchl. vor ihre Lande nichts zu besorgen, und können also unsre Concepte doch
vielleicht, wo nicht so bald den völligen, doch einigen Fortgang haben. Mein
hochgeehrter Herr Hofprediger als gegenwärtig wird von allem bestens, insonderheit
auch vor fortgehender Reise nach Preussen, urtheilen können. Sollte das
vorhabende Project de Societate mir mit communieirt werden, würde ich gern das
meinige bevtragen.