Contents : Archiv für öffentliches Recht.Zwölfter Band. (12)

—  316  —

Hugo  Schauer,  1.  Die  Ciyilprozessordnung  und  Jurisdictionsnorm
vom  1.  August  1895  (XIV  u.  715  8);  2.  Die  Executionsordnung
vom  27.  Mai  1896  (X  u.  704  S.)  Wien,  Manz,  1896.

Die  neue  österreichische  Civilprozessgebung  zeitigt  eine  verhältnissmässig
  grosse  Literatur,  wie  nicht  anders  zu  erwarten  war.  Berechtigte  und
Unberechtigte  beeilen  sich,  ihr  Wissen  über  das  neue  Recht  mitzutheilen,
und  gerade  die  Letzteren  rechnen  wohl  darauf,  die  Mängel  ihrer  Darstellung
durch  die  angebliche  Jungfräulichkeit  des  Stoffes  entschuldigt  zu  sehen.
SCHAUER  gehört  nicht  zu  ihnen;  seine  Gabe  ist  anspruchslos  und  gerade
darum,  in  ihrer  Begrenzung  werthvoll.  Seine  zwei  Bücher  führen  uns  vor
Allem  durch  zahlreiche  Verweisungen  auf  Parallelstellen  und  durch  Sachregister
  in  die  Zusammenhänge  des  neuen  Rechtes  ein;  da  die  neuen  Gesetze
begreiflicher  Weise  eine  neue  Systematik  mit  sich  gebracht  haben,  ist  die
erwähnte  Verweisung  auf  Parallelstellen  sehr  belehrend,  und  es  thut  dem
keinen  Eintrag,  dass  hie  und  da  —  nicht  häufig  —  eine  Verweisung  auf
Irrthum  beruht,  oder  dass  auf  eine  Parallelstelle  nicht  verwiesen  ist.  Ferner
bringt  ScHavER  zur  Erklärung  des  Gesetzes  Auszüge  aus  den  Motiven  der
Entwürfe,  die  freilich  wie  auch  die  Motive  selbst  nach  allbekannten  Grundsätzen
  nur  mit  Vorsicht  benützt  werden  dürfen;  die  österreichischen  Motive,
welche  grossentheils  nur  allgemeine  Lehren  behandeln,  lassen  freilich  die
Gefahr  als  gering  erscheinen,  dass  wir  statt  der  Gesetzanbeter  etwa  Motivenanbeter
  bekommen  könnten.  Endlich  enthalten  die  angezeigten  Bände  noch
selbständige  Anmerkungen  des  Verfassers,  welche  vielleicht  nicht  immer  unangefochten
  bleiben  werden,  aber  doch  einen  tüchtigen  Ansatz  zu  einem
Commentare  bieten.

Im  Ganzen  sind  also  die  zwei  Bände  erfreuliche  Leistungen,  welche
der  Referent  auch  deutschen  Lesern  empfehlen  kann.

Wien.  Privatdocent  Dr.  Pollak.