Full text : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

86  Zweites  Buch.  Der  Bau  des  Einheitostaates.

die  Minister  und  die  Chefs  der  anderen  selbständigen  Zeutralbehörden,
  die  Feldmarschälle  und  die  kommandierenden  Generale,
sowie  die  Oberpräsidenten  und  endlich  34  durch  das  Vertrauen
des  Königs  berufene  Männer  aus  allen  Zweigen  des  öffent  lichen
Dienstes,  die  Elite  des  Beamtentums  in  Staat,  Heer  und
Kirche,  die  eine  Fülle  von  Erfahrung,  Kenntnis  und  Initiative
in  sich  vereinigte  und  eine  moralische  Autorität  darstellte,  wie
sie  kaum  je  einer  monarchischen  Regierung  zur  Seite  gestanden
hat.  Diese  beeinträchtigte  freilich  einigermaßen  die  Nichtöffentlichkeit
  der  Verhandlungen.  Sie  betrafen  alle  Gesetze,  die
Formulierung  allgemeiner  Verwaltungsgrundsätze,  die  Entscheidung
  von  Streitigkeiten  zwischen  den  Ministerien  und  die
Absetzung  von  Beamten.  Auch  Beschwerden  der  Unterthanen
sollten  vor  den  Staatsrat  gebracht  werden.  Was  bereits  Stein
durch  eine  solche  Körperschaft  hatte  erreichen  wollen  (Bd.  III,
S.  433),  konnte  diese  vollauf  leisten.  Ihre  Aufgabe  faßte
Hardenberg  in  der  Rede,  mit  der  er  ihre  Sitzungen  am
:30.  März  1817  eröffnete,  dahin  zusammen:  sie  solle  „das  Bestandene
  in  die  gegenwärtigen  Verhältnisse  des  Staates,  in  die
Bildung  des  Volkes  und  die  Forderungen  der  Zeit  verständig
einfügen.  Denn  der  preußische  Staat  solle  der  Welt  zeigen,
daß  wahre  Freiheit  und  gesetzliche  Ordnung,  Gleichheit  vor  dem
Gesetz  und  persönliche  Sicherheit,  Wohlstand  des  Einzelnen  und
des  Ganzen,  Wissenschaft  und  Kunst,  daß  endlich,  wenn  es
unvermeidlich  ist,  Tapferkeit  und  Ausdauer  zum  Kampfe  für
das  Vaterland  am  besten  und  sichersten  gedeihen  unter  einem
gerechten  Monarchen“  —  was  freilich  beinahe  klang,  als  wolle
er  sich  von  dem  Verdachte  republikanischer  Neigungen  reinigen!

Diese  höhere  Bestimmung  freilich  erfüllte  der  Staatsrat
so  wenig,  wie  er  die  nächste  und  dringendste  Aufgabe  köste,
die  Ordnung  der  Finanzen.  Gerade  dabei  gerieten  die  in  der
Regierung  vorhandenen  Gegensätze  zuerst  heftig  aneinander,
offenbarten  die  an  leitender  Stelle  herrschende  Zerfahrenheit
und  veranlaßten  neue  schädliche  Reibungen.  Die  vom  König
befohlene  Prüfung  der  Finanzen  durch  Bülow  (S.  83)  hatte
ein  trauriges  Ergebnis.  Obgleich  die  Kosten  des  Krieges  noch
lange  nicht  aufgerechnet  waren,  wies  sie  eine  Staatsschuld  von