Metadata : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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Rechts  deren  Liebe  erwerben;  durch  innere  Tüchtigkeit  und  vor  allem
durch  das  den  Mannschaften  gegebene  Beispiel  deren  Vertrauen  besitzen.
Wo  die  Offiziere  im  Frieden  fürchten,  ihre  Autorität  zu  gefährden,  wenn
sie  ihren  Umtergebenen  näher  treten,  als  es  gerade  der  Dienst  erforvert;
wo  sie  einzig  dadurch  sie  zu  erhalten  und  zu  stützen  hoffen,  daß  sie  von
den  Elementen  des  Veolkes,  aus  welchen  das  Heer  doch  nun  einmal  besteht,
  sich  streng  abschließen;  da  ist  die  Auteritä#t  im  Kriege  geringer  und
nicht  überall  stich=  und  probehaltig.

In  Preußen  kennt  man  nun  einmal  keine  bevorzugte  Kriegerkaste,
die  etwa  den  nicht  bewaffneten  Theil  der  Einwohner  des  Staats  als
Pariahs  betrachten  dürfte,  und  alle  Prätensionen  in  dieser  Beziehung  verfallen
  der  einzigen  richtigen  und  passenden  Strafe  —  der  Lächerlichkeit.
Es  bedarf  in  der  That  nicht  der  warmen  Versicherung  an  mancher  Stelle,
daß  noch  heute  die  Gesetze  von  1808  und  1848,  nach  welchen  jeder
Soldat  Anspruch  auf  die  höchsten  Stellen  im  Heere  habe,  in  voller
Wirksamkeit  beständen.  Wäre  es  anders,  besäße  z.  B.  noch  jetzt  der
Adel  gesetzlich  das  ausschließliche  Vorrecht  zu  den  Offizierstellen,  so  wäre
die  allgemeine  Wehrpflicht,  welche  jeder  Bürger  und  Bauer  im  Lande
zwar  als  eine  Last,  doch  auch  für  sich  als  eine  Ehrenpflicht  betrachtet,  für
diese  eine  Beschimpfung.

Wenn  nun  trotz  alledem  das  Factum  vorhanden  ist  und  nicht  weggeleugnet
  werden  kann,  daß  seit  dem  Jahre  1815  das  Verhältniß  der
bürgerlichen  Offiziere  gegen  die  adeligen  mit  jedem  Jahre  immer  mehr
abnahm,  die  letzteren  jetzt  im  stehenden  Heere  den  bei  weitem  größeren
Theil  ausmachen,  so  liegen  die  Ursachen  davon  ganz  wo  anders,  als
man  dafür  gewöhnlich  anzugeben  pflegt.

Die  Erscheinung  erklärt  sich  durchaus  nicht  aus  dem  Umstande,  daß
vor  circa  60  Jahren  der  Adel  die  Offizierstellen  im  Heere  zum  größten
Theil  oder  fast  allein  einnahm,  denn  seitdem  sind  zwei  bis  drei  Generationen
  zu  Grabe  gegangen.  Sie  erklärt  sich  auch  nicht  daraus,  daß  die
Söhne  der  Offiziere  gern  den  Stand  der  Väter  ergreifen,  denn  die  im  Jahre
1815  vorhandene  Zahl  der  bürgerlichen  Offiziere  hat  doch  wahrscheinlich  im
Verhältniß  eben  so  viele  Söhne  hinterlassen.  Noch  viel  weniger  erklärt  sie  sich
aus  dem  Widerwillen  des  Bürgerthums  gegen  „vie  rauhern,  härtern  Gewohnheiten
  und  Entbehrungen  des  Soldatenlebens“,  denn  adelige  Offiiere
haben  sich  dafür  niemals  weniger  empfindlich  gezeigt  als  bürgerliche.  Am  wenigsten
  aber  ist  sie  in  den  verschiedenen  socialen  Bestrebungen  begründet,  nach
welchen  das  Bürgerthum  aus  Gewinnsucht  sich  mehr  der  Industrie,  der
Adel,  mehr  frei  von  dem  Streben  nach  Geld  und  Gut,  der  Ehre