Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

—  10  —

setzen  mögen.  Inzwischen  gehe  man  im  Reiche  wider  diejenigen
vor,  welche  Gott  lästern  und  das  Sakrament  schänden,  und  rotte
die  Irrlehren  aus,  welche  bereits  zu  einer  so  schrecklichen  Empörung
  geführt  haben  und,  ohne  dafs  der  Türke  (auf  den  die
Lutherischen  ihre  Hoffnung  setzen)  zu  kommen  braucht,  Deutschland
  in  kurzem  vollkommen  heidnisch  machen  werden.

Die  Summe  ist  also,  dafs  bis  auf  ein  Konzil,  unangesehen  dafs
für  ein  solches  noch  auf  keiner  Seite  ernsthafte  Anstrengungen
gemacht  wurden,  von  jeder  organischen  Reform  des  Kirchenwesens,
  nach  der  doch  die  Zustände  immer  mehr  hindrängten,
schlechterdings  abgesehen  werden  müsse.  Und  käme  ein  Engel
vom  Himmel,  sagt  Georg  geradezu,  und  befehle  es  anders:  man
dürfte  ihm  nicht  gehorchen.  Dafs  andere  Zeiten  andere  Mittel
verlangen,  ist  ein  Gedanke,  der  dem  Herzog  gänzlich  fern  liegt.
Es  ıst  das  „Fiat  justitia,  pereat  mundus‘“‘  in  der  schroffsten  Form,
oder  besser  gesagt,  es  ist  der  Standpunkt,  welcher  den  König,
dessen  Kleider  Feuer  gefangen  haben,  lieber  verbrennen  läfst,  als
zugiebt,  dafs  irgend  einer,  dem  nach  dem  Herkommen  nicht  erlaubt
ist,  den  geheiligten  Körper  des  Monarchen  zu  berühren,  ihm  die
Kleider  herunterreilse.  —

Man  begreift  hiernach  unschwer,  wie  überlegen  die  Stellung
derjenigen  Fürsten  und  Stände  sein  mufste,  welche  das  Evangelium,
auf  dem  sie  als  gemeinsamer  Grundlage  fulsten,  nun  auch  offen
bekannten  und  dasselbe,  den  Antrieben  der  Zeit  und  den  Forderungen
der  Sachlage  entgegenkommend,  in  den  Bündnissen  von  Gotha  und
Magdeburg  als  ihr  politisches  wie  kirchliches  Programm  heraus-  und
voranstellten.