III. Das Retablissement des preußischen Staates. 149
boren, welche die in Gleims Kriegsliedern begonnene Aus—
gleichung des Gegensatzes zwischen Soldatenstand und Bürgertum
(S. 106) gewissermaßen in einer höheren Sphäre weiter
führte und mit den schönsten allgemein menschlichen Motiven
verknüpfte. So erhielt das deutsche Volk einen Anteil an dem
neuen geistigen Leben, das in Preußen erblühte und dieses erlangte
die Möglichkeit einer stärkenden und stählenden Einwirkung
auf jenes.
In Jahren rastloser Friedensarbeit hat Friedrich das große
Werk der Verjüngung seines Staates glücklich zu Ende geführt.
Die Wunden, aus denen er geblutet hatte, waren geheilt und vernarbt:
rings um sich sah der König fröhliches Gedeihen und verheißungsvolles
Erblühen. Die frühere Einwohnerzahl war, wie die
nun regelmäßig vorgenommenen Volkszählungen ergaben, wieder
erreicht, in einzelnen Landesteilen beträchtlich überschritten.
Die Landwirtschaft, der neue Gesilde und neue Arbeitskräfte
gewonnen waren, lieferte immer reicheren Ertrag. Die gewerbliche
Thätigkeit, durch Zahl und Mannigfaltigkeit der Betriebe
zu ungeahnter Bedeutung entwickelt, hatte dem Volkswohlstand
neue Quellen erschlossen, und auch der Handel nahm, so weit
es die ihm gesetzten Schranken erlaubten, einen größeren Aufschwung.
Zwar fehlte es auch nicht an Klagen über schwere
Belastung. Und sie waren nicht grundlos: denn die Kraft des
Volks wurde dauernd über das Maß des augenblicklich Nötigen
hinaus in Anspruch genommen und mußte das im Hinblick auf
die Unsicherheit der Zukunft. Erregte namentlich die Regie mit
ihren zunehmenden Chikanen in weiten Kreisen mißmutiges
Murren, so war das Volk doch im ganzen mit seiner Lage
zufrieden und blickte voll dankbarer Verehrung zu dem König
auf, unter dem es in siebenjährigem Ringen erst zum Volke
geworden war, um zur Nation zu reifen, wenn es zugleich mit
seiner Besonderheit sich seines Rechts und seiner Pflichten voll
bewußt wurde. So durfte Friedrich glauben, in gewissenhaftester
Erfüllung seiner Fürstenpflicht rastlos thätig sein Lebenswerk
vollendet zu haben. Dabei hatte er selbst die übermenschlichen
körperlichen Anstrengungen und die furchtbaren seelischen Kämpfe
der sieben Kriegsjahre keineswegs überwunden. Er war vor-