Nachgeburt. 337
einen Schrei, aber er ist auch sehr wirksam. Will man ihn einer vielleicht
noch jungen empfindlichen Wöchnerin ersparen, dann wende man lieber den
Wechselguß auf den Bauch an. Man läßt die Frau von zwei Personen
über eine Wanne halten und gießt zuerst einen Eimer von 427 C., dann einen
von 14° C. auf ihren Leib; in den meisten. Fällen wird darnach die ganze
Nachgeburt schmerzlos auf die Unterlage fallen, und die Gebärmutter wird
sich darauf kräftig zusammenziehen. Wie die Geburtsgeschichte auf Seite 333
lehrt, ist dieser Wechselguß von prächtiger Wirkung. Der alte Wasserarzt
Dr. Pingler empfiehlt für die Nachgeburtsperiode das kalte Sitzbad
von 12° C. und hat ausgezeichnete Erfolge damit errungen. Man kann es
ruhig anwenden, wenn der Wechselguß sich
als ungenügend erwies. Bleibt aber auch
das Sitzbad wirkungslos und sind seit der
Geburt des Kindes mehrere Stunden verflossen,
ohne daß sich der Mutterkuchen
löste, dann bleibt nur die Lösung mit der
Hand übrig, mit der man nicht lange
warten darf, wenn unnnterbrochen Blut
floß. Dann sind drei Stunden schon zu
lange! Dagegen kann man auch über
zehn Stunden warten, wenn keine Blutung
stattfindet. Niemals gestatte man der
Hebamme, an der Nabelschnur zu ziehen, —*i*i
. ., » Fig. 200.
denn diese kann leicht abreißen, oder der Lösung der Nachgeburt durch die Hand-Zug
kann auch zur Teilung des Mutter- des Operateurs.
kuchens führen und bei abermaliger Bloßlegung
von Gefäßen die vorhandene Blutung noch vermehren. Verwachsung
des Mutterkuchens nach entzündlichen Vorgängen in der Gebärmutterschleimhaut,
welche sich durch Schmerzen und Ausfluß während der Schwangerschaft
äußerte, ist gewöhnlich die Ursache der Zurückhaltung des Mutterkuchens und
kommt leider nicht selten vor. Beständiger Katarrh der Gebärmutter, zu
häufiger geschlechtlicher Verkehr während der Schwangerschaft, Ansteckung
seitens des Mannes durch Trippergift und anderes mehr sind Veranlassung,
daß die Schleimhaut der Gebärmutter sich chronisch entzünndet und auch mit
der Plazenta fester verwächst, als dies unter anderen Umständen der Fall
zu sein pflegt. Dann kann die Lösung auch nur unter einer gewissen
Gewaltanwendung stattsinden: durch Abziehen und Abschaben mittelst
der Finger des geübten Arztes. Fig. 200 stellt die mannelle Lösung der
Plazenta durch den Operateur dar. Wir sehen die vier Finger desselben
zwischen Gebärmutterwand und Eihänten sich fortbewegen und können uns
leicht vorstellen, daß auf diese Weise auch festverwachsene Stellen vorsichtig
gelöst werden können. Die menschliche Hand ist ja das seinfühligste und
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Tie Frau als Hausärztin. 9