Full text : Bayerisches Realienbuch.

—  31  —  1

schweig  und  Otto  von  Nordheim.  Während  die  Kaiserin  bei  Tische  saß  und  sich  mit  den  fröhlichen
  Gästen  unterhielt,  lockte  Hanno  den  jungen  König  auf  sein  herrliches  Schiff  und  —
fuhr  mit  ihm  davon.  Als  der  elfjährige  Heinrich  merkte,  daß  man  ihn  entführen  wollte,  weinte
er  und  flehte,  man  möchte  ihn  bei  seiner  Mutter  lassen.  Aber  vergebens.  Da  sprang  er  in
der  Angst  seines  Herzens  über  Bord.  Graf  Ekbert  von  Braunschweig  aber  sprang  ihm  nach
und  rettete  ihn.

Hanno  ließ  den  jungen  Heinrich  sehr  streng  erziehen.  Nicht  allzulange  jedoch
sollte  er  den  Knaben  bei  sich  behalten.  Er  erhielt  nämlich  einen  schlauen  und  gewandten
  Mitregenten  in  dem  Erzbischof  Adalbert  von  Bremen.  Diesem  gelang
es  durch  seine  große  Milde  und  Nachsicht  sehr  bald,  den  jungen  König  ganz  und
gar  an  sich  zu  fesseln.  Da  er  aber  mit  den  Sachsen  beständig  in  Fehde  lag,  so  erfüllte
er  Heinrichs  Herz  mit  Mißtrauen  gegen  dieses  Volk  und  seine  Fürsten.

2.  Kampf  mit  den  Sachsen.  Im  16.  Lebensjahre  trat  Heinrich  die  Regierung
an.  Er  nahm  im  Gegensatz  zu  früheren  Königen,  die  von  Pfalz  zu  Pfalz  ziehend
das  Land  verwaltet  hatten,  seinen  festen  Wohnsitz  in  Goslar,  mitten  im
Lande  der  Sachsen.  Diese  mußten  nun  allein  die  Kosten  des  kaiserlichen  Hofhaltes
bestreiten.  Heinrich  erbaute  sich  mehrere  Burgen,  deren  fränkische  Besatzung  oft
arg  im  Lande  hauste.  Das  alles  erfüllte  die  Sachsen  mit  Mißtrauen  und  Erbitterung
gegen  den  König.  Sie  empörten  sich,  wurden  aber  in  blutigem  Kampfe  niedergeworfen.
  In  törichter  Verblendung  mißbrauchte  Heinrich  seinen  Sieg.  Denn
er  ließ  sofort  die  im  Sachsenlande  zerstörten  Burgen  wieder  herrichten,  nahm  viele
vornehme  Sachsen  gefangen  und  zog  ihre  Güter  ein.  Auch  gab  er  die  gefangenen
Bischöfe  nicht  frei,  obgleich  Papst  Gregor  VII.  solches  von  ihm  forderte;  dadurch
schuf  er  sich  in  diesem  einen  neuen,  sehr  mächtigen  Feind.

3.  Gregor  VII.  bestieg  1073  den  päpstlichen  Stuhl.  Er,  der  ehemalige  schlichte
Mönch  Hildebrand,  war  einst  aus  einem  französischen  Kloster  an  den  päpstlichen
Hof  gekommen  und  hatte  den  fünf  vor  ihm  regierenden  Päpsten  als  vertrauter  Ratgeber
  gedient.  Jetzt,  da  er  selbst  den  päpstlichen  Stuhl  bestiegen  hatte,  verfolgte
er  mit  unbeugsamer  Kraft  das  Ziel,  die  Kirche  vollständig  unabhängig  von  aller
weltlichen  Macht  zu  machen  und  alle  Mißbräuche,  die  sich  in  sie  eingeschlichen  hatten,
zu  entfernen.  Deshalb  gebot  er:  1.  Kein  geistliches  Amt  sollte  mehr  um
Geld  verkauft  werden  (Simonie,  Apost.-Gesch.  8);  2.  der  Papst  allein  und
kein  Fürst  hätte  das  Recht,  Bischöfe  zu  ernennen  und  ihnen  die
Zeichen  ihrer  Würde,  Ring  und  Stab,  zu  geben  (Investitur);  3.  kein
Geistlicher  sollte  verheiratet  sein  (Zölibag.

4.  Heinrich  im  Bann.  Unbekümmert  um  das  päpstliche  Gebot,  besetzte  Heinrich,
wie  das  bisher  üblich  gewesen  war,  deutsche  und  italienische  Bistümer.  Da  erschien
ein  Gesandter  des  Papstes  bei  Heinrich  und  verlangte  von  ihm,  daß  er  die  durch
Simonie  in  ihre  Stellen  gelangten  Bischöfe  absetze  und  sich  sortan  der  Belehnung
der  Bischöfe  vollständig  enthalte.  Heinrich  beachtete  diese  Forderung  nicht.  Dazu
kam  noch,  daß  er  von  den  Sachsen  eines  lasterhaften  Lebenswandels  angeklagt
war.  Der  Papst  drohte  deshalb,  daß  er  ihn  mit  dem  Bann  belegen  werde,  wenn
er  nicht  bald  Beweise  seiner  Sinnesänderung  geben  werde.  Darüber  empört,  ließ
Heinrich  den  Papst  auf  einer  Versammlung  von  26  deutschen  Bischöfen  in  Worms
absetzen.  Aber  der  Papst  schreckte  vor  den  Drohungen  Heinrichs  nicht  zurück.  Im
Gegenteil,  er  tat,  was  noch  kein  Papst  vor  ihm  gewagt  hatte:  er  sprach  über  den
König  den  Bann  aus  und  entband  alle  seine  Untertanen  von  dem  Eide  der