An das deutsche Volk. 7
Seit der Reichsgründung ist es durch 43 Jahre Mein und Meiner Vorfahren
heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und um Frieden
unsere kraftvolle Entwicklung zu fördern. Aber die Gegner neiden uns den
Erfolg unserer Arbeit.
Alle offenkundige und heimliche Feindschaft von Ost und West, von jenseits
der See haben wir bisher ertragen im Bewußtsein unserer Verantwortung und
Kraft. Nun aber will man uns demütigen. Man verlangt, daß wir mit verschränkten
Armen zusehen, wie unsere Feinde sich zu tückischem Ueberfall rüsten,
man will nicht dulden, daß wir in entschlossener Treue zu unserem Bundes-
genossen stehen, der um sein Ansehen als Großmacht kämpft und mit dessen Er-
niedrigung auch unsere Macht und Ehre verloren ist.
So muß denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns
der Feind. Darum auf, zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern
wäre Verrat am Vaterlande.
Um Sein oder Nichisein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter 2
sich neu gründeten. Um Sein oder Nichtsein deutscher Macht und deutschen Wesens.
Wir werden uns wehren bie zum letzten Hauch von Mann und Roß. Und
wir werden diesen Kampf bestehen auch gegen eine Welt von Feinden. Noch
nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war.
Vorwärts mit Goll, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war.
Berlin, den 6. August 1914. Wilhelm.
Einnahme von Kibarty durch die Deutschen.
Berlin, 5. August. Gestern nachmittag griff deutsche Kavallerie das von den Russen
besetzte Kibarty an, ein an der Bahn gelegener russischer Grenzort östlich von Stallupönen.
Die Besatzung von Kibarty verließ fluchtartig den Ort, der besetzt wurde. Eine in der
Nähe befindliche russische Kavalleriedivision sah dem Kampf untätig zu. Der feindliche
Grenzschutz ist hiermit durchbrochen, was für unsere Aufklärung von Wichtigkeit ist.
Das von unserer Kavallerie bei Kibarty — hart östlich von Eydtkuhnen — .
angegriffene und fluchtartig zurückgegangene russische Detachement wird verfolgt.
(W. T. B)
Vernichtung einer russischen Kavalleriebrigade bei Soldau.
Berlin, 5. August. Das Grenzschutzdetachement Soldau hat heute morgen
eine russische Kavalleriebrigade, welche einen Durchbruch nach Ostpreußen ver-
suchte, zurückgeworfen und vernichtet.
Kurz nachdem bei Soldau befindliche Truppen heute morgen angetreten waren,
um starke russische Kavallerie zurückzuwerfen, erfolgte der Angriff einer russische
Kavalleriebrigade. Anter dem Feuer der deutschen Truppen brach der russische
Kavallerieangriff unter schwersten Verlusten zusammen. (W. T. B.)
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