Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Aummer  2  74

blenstag,  30.  März  10913

 

gesellscust  300  Ml.  dafür  zugewiesen.  Der
rippo.  al,  dessen  konstruline  Einri.  bung  unbe
dinge  Sicherheit  bietet,  gehört  zu  den  neu
zeiszicken  Einrichtungen  unserer  Wehr.

Ferner  teilte  der  Kommandant  mit,  daß  die
kürzlich  erfolgte  Probealarmierung  zur  Zufriedenbeit
  des  Kommandos  ausgefallen  ist.  Im

Interesse  der  Schlagfertigkeit  der  Wehr,  Die
zurzeit  mit  vielen  neuen  Kräften  mn  rechnen
hat,  seien  derartige  Maßnahmen  unbedingt  ersorderlich.
  Ex  erachtet  es  als  eine  besondere
Pflicht  der  Bürgerschaft  gegenüber,  das  man
gerade  in  dieser  ernsten  Zeit,  in  der  viele  Kameraden
  zum  Schutz  des  Vaterlandes  die  schwersien
  Opfer  bringen,  auch  für  den  Schutz  des
heimatlichen  Herdes  beforgt  sei;  er  hoffe,  daß
alle,  welcke  durch  das  Marnzeichen  gerufen
werden,  steto  pünktlich  am  Feuerhause  erscheinen.
  zurzeit  lönnten  Landbrände  nur  innerhalb
  □  Kilometer  im  Umkreis  unverlangt
von  der  Welr  berücksichtigt  werden.  Bei  entfernteren
  Bränden  wird  die  Wehr  nur  auf
Verlangen  Hilfe  leisten.

Der  Kommandem  teilte  noch  eine  Minislerialentschlie

  urg  mi.  na#,  der  während  der  Kriegsdauer
  Auszein  iKgen  an  Wehrmen.  -  niht
zur  Verleil  ang  sn.  Demzemaß  fällt  in

2

 

diesem  Jahre  die  1J  aus.  Zum  Schlusse
dan.te  der  P#ommandaur  für  die  all=  VEi.  ige  treue
Mitarkbeit  und  füglee  noch  den  Wunso  an,  daß
sich  die  noch  ferne  stehenden  jüngeren  Bürder
usw.  der  Wor  bald  anschliehen  möchten.  Mit
einem  „Gut  Heil!“  auf  die  im  Felde  sltehenden
Mitglieder  schloß  dann  die  55.  Hauptversammlung
  der  Freiwilligen  Feuerwehr  Rosenheim.

Lotalnawrichten.
Schwere  Zelten  bringen  schwere  Pflichten.

Dieses  Wort  trifft  jetzt  für  uns  Deutsche  zu,
da  es  gilt,  unser  liebes  Vaterland  gegen  eine
Welt  von  Feinden  zu  verteidigen.  Dah  nicht  die
Waffen  allein  auf  den  Schlachtreldern  die  Cnischeidung
  bringen,  das  wurd:  uns  schon  oft  in
Wort  und  Schrift  Beis  agt.  Es  gilt  auch,  auf  anderem
  Gebiete  den  Sieg  zu  erringen  und  unseren
  Feinden  zu  zeigen,  daß  es  ihnen  nicht  gelingt,
  uns  auszuhungern,  weil  das  deutsche  Bolk
in  Einmüligleit  starl  und  bereit  ist,  dem  VBaterland
  auch  schwere  Opfer  zu  bringen.

Daß  wir  dazu  alle  bereit  sind,  können  wir  jetzt
beweisen,  durch  größte  Sparsamteit  an  Mehl
und  Brot  dazu  beitragen,  daß  unsere  Vorräle
bis  zur  nächsten  Ernte  reichen,  damit  wir  durchhalten
  können.  Darum  kann  und  darf  es  unser
Bestreben  nicht  sein,  möglichst  viel  große  Brotlarten
  zu  erlangen,  sondern  es  muß  unser  Bestreben
  sein,  an  den  uns  zugewiesenen  Brotkarten
möglich#t  viel  freiwillig  einzusparen.

Jede  einzelne  ersparte  Brotmarte,  die  nicht
in  Brot  umgesetzt  wird,  erhöht  unseren  Bestand
für  später.  Gerade  die  besser  situierten  Kreise
sind  jetzt  in  der  Lage,  durch  Einsparung  an  Broimarken
  ihre  Vaterlandsliebe  zu  beweisen  und
dazu  beizutragen,  daß  die  Vorräte  gespart  werden
  und  es  ermöglicht  wird,  den  schwerer  arbeitenden
  Klassen  größere  Brotlarten  auch
später  zulommen  zu  lassen.

Darum  weg  mit  dem  feinen  Gebäck  zum
Kaffee,  begnügen  wir  uns  mit  einfacher  Lebensweise.
  Es  wird  viel  Mehl  eingespart.  das  dann
später  nicht  angewiesen  werden  muß,  und  die
Vorräte  werden  zuguniten  der  ärmeren  Klassen
länger  reichen.  Nicht  hungern  Prauchen  wir,
nur  sparen!

em  La5  Neuern  nge:

 

von  solch  einschneidender

Wirkung  nicht  ohne  S#ic  aber  auch  nicht  ohne
Aufregung  vorubergeber.  iit  selb'lverständlich.
Aber  die  Zeit  gleichl  mani,  a.  :,  und  guter
Wille  hilfr  über  manches  hinweg.

Deutsche  Mutter,  denke  an  deinen  Sohn,
deutsche  Hausfrau,  denke  an  deinen  Mann  und

ruder!  Sie  alle  sind  es,  die  durch  ihre  treue
Wacht  und  ihre  Tapferkeit  verhindert  haben,
daß  der  Feind  unsere  Fluren  vernichtet  hat
und  uns  noch  größere  Entbehrungen,  wenn  nicht
Schlimmeres,  auferlegt.  Darum  bringen  wir
lleine  Opfer  der  Sparsamkeit!

Deutsches  Kind,  denke  an  deinen  Vater,  der
bereit  ist,  sein  Blut  für  dich  zu  opfern  und  der
für  dich  und  uns  große  Entbehrungen  auf  sich
nimmt.  Eisere  ihm  nach,  bringe  auch  du  ein
kleinee  Opfer  und  opsere  dem  Vaterland  im
Tage  nur  ein  Brötchen,  ein  einziges,  auf  das
du  im  Tage  verzichtest.  Denke  daran,  wie  viel
Tausende  von  Brötchen  das  von  allen  im  Tage
geben  würde  und  wie  viel  Mehl  du  dadurch
dem  Vaterlande  für  spätere  Zeiten  sparen  hilfst.

Nicht  hungern  sollst  du,  liebes  Kind,  nur
sparen  mit  dem  Brot,  und  du  trägst  dann  später.
wenn  du  älter  bist,  das  Bewußtsein  in  dir:
Auch  ich  habe  meinem  Vaterlande  als  Kind
gedient.  Spare  in  der  Zeit,  so  hast  du  in  der
Not.  Auch  dein  liebes  Mürterlein  kannst  du  dadurch
  unterstützen  und  ihr  manche  Sorge  abnehmen,
  wenn  du  genügsam  bist.

Schreiber  die  ist  überzeugt,  daß  diese  Anregung,
  in  den  Schulen  mit  flammenden  Worten
den  Kindern  vo  swernah  auf  fruchtlaren  Boden
fallen  würde.  t  Erwachsene  wollen  uber  geloben,
  durch  großte  Sparsamkeit  das  Vaterland
bu  untersintzen,  daß  wir  rufen  können:  Lieb
Vaterland  magst  ruhig  sein!

 

Rosenheim,  29.  März.

Tapfere  Heldenzur  See  sind  am  Sonntagabend
  in  Rosenheim  eingetroffen,  Zeugen
des  Gefechtes  bei  den  Falklandsinseln,  wo  unsere
  tapferen  Auslandskrenzer  gegen  eine  feindliche
  Uebermacht  ruhmreich  unterlegen  sind.  Es
sind  15  wackere  Seesoldaten,  welche  mit  einem
Offizier  des  Lazarettschiffes  „Sendlitz“  abends
9  Uhr  hier  eintrafen.  Herr  Fabrikant  Winterboller
  geleitete  sie  in  das  Hotel  „Deutscher
Kaiser“,  wo  sie  gasiliche  Aufnahme  fenden.  Mit
lebhaftestem  Interesse  folgte  man  den  Schilderungen
  der  Strapazen,  die  sie  durchmachen
mußten,  bis  sie  heimatlichen  Boden  erreichten.
Auf  ihrem  Hospitalschisf  wohnten  sie  in  der
Ferne  der  großen  Sesschlacht  an  und  wurden
durch  Funksprüche  immer  wieder  auf  dem  Laufenden
  gehalten.  Als  das  Admiralschiff  sank,  belamen
  sie  den  Befehl,  sich  zurückzuziehen.  Si
brachten  sich  in  sudlicher  Richtung  in  Sicherheit
  und  waren  dann  tagelang  im  Eise  cingeschlossen.
  Später  fanden  sie  wieder  den  Weg
in  die  chilenischen  Gewässer  und  wurden  dort  von
einem  chilenischen  Kriegsschiff  aufgenommen.  Es
gelarg  ihnen,  auf  einem  italienischen  Dampfer
die  Ueberah4.  zu  bewerkstelligen;  Schweres  ha#½t
ten  sie  auf  der  ganzen  Fahrt,  namentlich  bei
der  Kontrolle  durch  die  Engländer  in  Gibraltar.,
durchzumachen.  Durch  mancherlei  Tricks  enlgingen
  sie  den  englischen  Häschern,  bis  sie  in
Genna  landen  und  über  Oesterreich  nach  Deutschland
  zurückkehren  lonnten.  Gar  Vieles  wuhten
  sie  von  ihren  Erlebnissen  in  Not  und  Gesahr
  zu  erzählen.  Auf  das  Wichtigste  werden
wir  in  einem  weiteren  Berichte  noch  zurückkommen.
  Wir  begrüßen  die  tapferen  Helden  auf
deutschem  Boden.  und  begleiten  sie  mit  unferen
besten  Wünschen.  Heute  vormittags  meldeten
sie  sich  beim  Bezirkskommando,  und  so  weit
wir  erfahren  konnten,  soll  die  Weiterfahrt  heute
Nachmittag  noch  bewerkstelligt  werden.  Alle  sind
von  der  glühenden  Begierde  beseelt,  den  Kampf
gegen  Deutschlands  Feinde  weiter  erfolgreich
führen  zu  können.

Verbot  der  Versendung  von  OÖsterund
  Pfingstkarten.  In  gleicher  Weise  wie
die  Versendung  von  Neujahrs-Glückwunschlarten
wird  den  Angehörigen  des  Heeres  auch  die  Verjendung
  von  Oster=  und  Pfingst-Glückwunsch
larten  untersagt.

Herabsetzung  der  Mehlpreise.  Amtlich
  wird  aus  Berlin  gemeldet:  Der  Ausfsichtsrat
  der  Kriegsgetreide-Gesellschaft  beschloß,  daß
vom  Zeitpunkt  der  geregelten  Verteilung  der
Mehlbestände  nach  dem  Verteilungeplan  der
Reichsverteilungsstelle,  d.  h.  ab  1.  April  1915,
die  Preise  für  das  Mehl  allgemein  herabgesetzt
werden.  Die  Preise  in  den  Hochstpreisbezirken
gelten  nach  dem  Höchstpreisgesetz  vom  4.  März
1914  und  nach  der  Bekanntmachung  des  Bundesrates

  über  die  Höchstpreise  vom  23.  Ollober
  1914,  doch  sind  im  ganzen  nur  zehn  Preis.
bezirke  gebildet.  Der  niedrigste  Preis  für  Roggenmehl
  stellt  sich  auf  35  l*  einschließlich  Sack
und  Fracht,  der  böchste-  Preis  im  zehnten  Preisbezirk
  auf  38  Mk.  Die  Preise  für  Weizenmehl
  bewegen  sich  zwischen  40.75  und  43.75  Mk.
Der  mittlere  Preis  für  Roggenschrot  wird  ab

1.  April  32.50  Mk.  sein.  Die  Preise  bedeuten
eEine  erhebliche  Herabsetzung  gegenüber  den  letzen
  Mehlpreisen  im  freien  Handel.

Die  Brotversorgung  bei  Ausslügen.
  Nach  den  Verbrauchsvorschriften  ist
der  Vrotverbrauch  der:  Gast=  und  Schankwirtschaften,
  Nestaurationen,  Cafés  und  ähnlicher
Bekriebe  auf  ein  Dri#iel  des  bisherigen  festgesenzt.
  Diese  Betriebe  werden  daher  selbst  bei

dormalem  Besuch  den  Brotdedars  nur  bei  größlter

  Sparsamkeit  und  nur  in  bescheidenem  Umjang
  befriedigen  lönnen.  Es  ist  aber  völlig
ausgeschlossen,  daß  die  im  Ausflugsgebiet  gelegenen
  Wirtschaften  bei  der  herannahenden  gulen
  Jahreszeit  den  Strom  der  Ausflügler  mit
Brot  versorgen  können.  Denselben  wird  daher
dringendst  im  eigenen  Interesse  geraten,  sich
cei  ihren  Spaziergängen  und  Ausflügen,  wenn
Einlehr  beabsichtigt  ist,  das  benötigte  Brot  von
zu  Hause  mitzunehmen.

Einen  Kampf  ums  Brot  gab  es  am

gestrigen  So#nlag  in  den  Wirtschaften.  Die
Vrotiarten  sind  bereits  seit  einer  Woche  in  Geltung,
  und  Einheimische  können  in  den  Wirtschaften
  lein  Grol  mehr  zu  ihrem  Essen  erhallen.
  Da  viele,  welche  gestern  in  den  Gasthäusern
ihre  Mahlzeiten  einnahmen,  vergaßen.  Brot
mitzubringen,  gab  es  vielfach  lange  Gesichter
und  auch  unangenehme  Auseinandersetzungen,
wenn  der  Wirt  sich  den  Bestimmungen  gemäß
weigerte,  Brot  zu  verabreichen.  Deshalb  wird
uns  nahegelegt,  die  Anfrage  zu  stellen,  ob  es
nicht  angängig  wäre,  daß  die  Wirtschaften  Brot
zu  den  Mahlzeiten  verabreichen  dürften,  wenn
ger  Gast  die  Brotkarte  vorweist  und  eine  Marke
dafür  abgibt.  Der  Verbrauch  würde  dadurch
ja  nicht  erhöht,  da  die  Marken  pünkilich  abgeliefert
  würden.  Viele  Unannehmlichkeiten
lönnten  dadurch  den  Wirten  erspart  bleiben.

Verbot  von  Osterbäckereien.  Der
Magistrat  von  Augsburg  hat  die  Herstellung
der  üblichen  Oslerbädereien  verboten.  Gleichzei-—


Sie

tig  wurden  die  Bädcermeister  angewiesen,  das

Ausbacken  derartiger,  von  Pivatpersonen  hnen
überbrachter  Bäckereien,  unterlassen.  Aehnliche
  Maßnahmen  sind  ledenfalls  auch  in  anderen
  Orten  zu  erwarten

r  Brpkerhöhung  soll  am  1.
27  in  Kraft  treten.  Nach  einem  in  der  heu- 



tigen  Nummer  des  „Rosenheimer  Anzelger“
verössentlichten  Inserat  des  Vereins  der  Braucreien
  des  bayerischen  Oberlandes  soll  sie  zwei
Pfennig  für  den  Liter  belragen.  Die  las.  tO
wirke=  Innung  von  Rosenheim  und  andere  Waall
vereinigungen  haben  belanntlich  die  Erhöhung
abgelehnt,  so  „daß  man  über  die  weilere  Entwicklung
  der  Frage  noch  gespannt  sein  darf.
Feier  der  Karwoche.  Am  Gründonnerstag
  und  am  Karfreitag  dürfen  in  Wirtschaften
  und  sonstigen  ösfenllichen  Räumen,  sowie
  auf  öffentlichen  Straßen  und  Plätzen  Musil-
  und  gesangliche  Darbietungen,  Theatervorstellungen
  und  Lichtspielvorführungen,  sowie  anderweilige
  öffentliche  Lustbarkeiten  nicht  veranstaltet
  werden.  Um  Karsamstag  von  mittags
12  Uhr  an  sind  solche  Vorführungen  wieder

gestattet.  Am  Karsams  tag  dürfen  also  die
Kinos  usw.  geöffnet  sein.
Ein  verschneiter  Frühlings=  Sonntag.

  Stünden  wir  schon  im  April,  könnte  man
das  Wetier  der  letzten  Woche  als  ein  Schulbeispiel
  närrischer  Aprilwetlerlaune  bezeichnen.
Der  letzte  Sonntag,  mit  dem  der  Frühling  seinen
Einzug  Dielt,  erfreute  uns  mi:  einem  wahren
atwetter.  Am  Donnerslagnachmittag  ent.
ind  sich  ein  Unwetter.  Aus  dem  Lande  wurden
mehrere  Blinschläge  gemeldet.  Nach  starker  Abluhlung
  und  einem  verregucten  Wochenende
überraschte  :  is  am  Sonntag  nochmals  der
Schnee.  Zu  der  Frühe  fing  cs  heftig  an  zu
schneien  und  zu  sudeln.  Tagsüber  war  es  empfindlich
  frisch  und  abends  folgte  nochmals  hesliger
  Schneefall  mit  Regen.  Ebenso  war  es
am  Montagfrüh.  In  den  Bergen  sind  große
Schneemassen  niedergegangen.  Elücklicherweise
ist  die  Vegetation  noch  sehr  zurück,  so  daß  der
Rückschlag  schädliche  Wirkungen  kaum  hinterlassen
  wird.

Eine  Falschmeldung.  Münchener  Blätter
  brachten  am  Sonntag  folgenden  Bericht  über
einen  angeblichen  Liebesgabendieb  in  Rosenheim:
  „In  letzter  Zeit  wurde  haufig  darüber
gellagt.  daß  von  Nosenheim  aus  abgesandte

Liebesgabenpalete  bei  den  Kriegern  nicht  angelommen
  sind.  Nun  ist  man  zusällig  einem
Aushilsspostboten  in  Rosenheim  auf  die  Spur  gelommen,
  der  eine  ziemlich  große  Anzahl  zur

Beförderung  übergebener  Liebesgabenpalete  un-#erschlagen
  und  für  sich  verwendet  hat.“  Dieser
Meldung  gegenüber  können  wir  fesistellen,  daß
an  amtlicher  Stelle  von  einem  derartigen  Vergehen
  nichts  bekannt  ist.

·  ·  —
„Der  Krietz  und  die  Jr###“

betilelle  sich  ein  Vortrag,  den  Frl.  Helene
Sumper  aus  München  auf  Anregung  des  Vereine
  für  Fraueninteressenten  am  vergangenen
Samstag  einer  zahlreichen,  gespannt  lauschenden

Zuhörerschaft  zu  Gehör  brachte.  Die  Dame,
eine  allbekannte,  bewährte  Rednerin,  schöpfte
aus  dem  reichen  Schage  des  issens,  den  sie
auf  dem  Gebiete  der  Kriegsernährung  in  den
Velehrungslursen  in  Berlin  und  München  gesammelt
  hatle.

Ausgehend  von  den  Gesichtspunkten,  daß
unsere  Lage  ernst  ist,  wir  aber  doch  durchlommen
  können,  wenn  wir  sparen,  und  daß  die
Frauen  den  Hauptanteil  an  dem  Erfolge  haben,
machte  sie  den  Anwesenden  klar,  wieviel  werlvolle
  Lebensmittel  unserer  Ernährung  entzogen
werden  nicht  nur  durch  Verhinderung  der  Einsuhr,
  sondern  auch  durch  Verfütterung  an  das

Vieh  und  Verwendung  in  der  Inoustrie.  Sparjamleit
  ist  darum  vor  allem  angezeigt  durch
Vereinfachung  und  Beschränkung  der  Mahlzeiten,
  durch  richtigen  Gebrauch  der  uns  jetzt
zu  Gebote  stehenden  Nahrungemiitel.  Sparsam
  sein  heißt  aber  auch,  alles  bis  aufs  lleinste
ausnützen,  nichts  vergenden,  was  noch  fur
Mensch  oder  Tier  verwertet  werden  lunn.  Einer
späteren  vermehrten  Knappheit  der  Nahrungsmitlel
  muß  durch  Anschaffung  von  Dauerware
urch  Pöleln,  Einmachen,  Trocknen  vorgebeugt
werden.

Unsere  Zeit  verlangt  von  der  Hausfrau
viel  Einsicht.  Umsicht  und  Fleitz.  Sie  muß  die
Nahrung  für  die  Familie  richtig  auswählen,
ausnützen  und  zusammenstellen.  Sie  soll
Einlauf  nach  dem  allgemeinen  Bedarf,  nicht
nach  dem  Ungebot  richten  und  nicht  durch  zu
große  Nachfrage  den  Marktpreis  hinaufdrücken.
Vor  allem  braucht  aber  die  Frau  Belehrung,
die  sie  sich  durch  Merkblätter,  Zeitungen,  in
Veratungsstellen  und  Kriegsiochkurfen  holen
kann.  Tren  zur  Seite  stehen  müsse  ihr  auch
in  ihrer  schwierigen  Aufgabe  der  Mann,  die
Kinder  und  Dienstboten.

Keiner  darf  sich  über  den  Ernst  der  Lage
hinwegtäuschen  oder  von  den  Sparsamkeitsbestrebungen
  ausschließen.  Die  11  Millionen
Haushaltungen  Deutschlands  müssen  wie  eine
ununterbrochene  Kette  sein,  die  wir  schützend
um  das  Vaterland  legen,  damit  der  Feind  davon
  ferngehalten  wird.  Und  iwenm  einst  unsere
Krieger  wieder  kommen,  müssen  wir  ihnen  mit
einem  Händedruck  sagen  können:  auch  wir  haben

  entbehrt,  auch  wir  habeen  gerungen  und
euch  zu  Siegen  verholfen.

Der  starke  Beifall  und  di  anregende  Diskussion,
  die  dem  Vortrage  E  bewiesen,  daß
die-  rnhrungesrage  der  Gegenwart  enore

de  Würdigung  findet.  Essist  nur  zu  wän
schem  daß  der  Erkenntnis  auch  Aberail  die  Tat
folgen  mochte.

*
—

 

Wel#rieg.
Die  Kriegslage.

Tauroggen  im  #Etfurm  genotamen.
1300  Mussen  gesangen

WITB.  Großes  Hauptquartier,  de

29.  März,  vormittags.  Amtlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz.

Der  Tag  verlief  auf  der  ganzen  Westfrom
verhältnismäßig  ruhig.  Nur  im  Argonnenwa#
und  in  Lothringen  fanden  lleinere,  für  um
erfolgreiche  Gefechte  statt.

Generaloberst  von  Kluck  wurde  bei  der  Be,
sichtigung  der  vordersten  Slellungen  seiner  M,
mee  durch  einen  Schrapnellschuß  leicht  ver,
wundet.  Sein  Befinden  ist  befriedigend.

Oesllicher  Kriegsschauplatz.

Tauroggen  wurde  von  unseren  Truppen  im
Sturm  genommen.  300  Russen  wurden  gefangen.

An  der  Bahn  Wirballen  Kowno  brach  ein
russischer  Angriff  bei  Pilwiozki  unter  schwerster
Verlusten  zusammen.  ·

In  der  Gegend  Kranopol  machten  wir  über
1000  Gefangene,  darunter  eine  Esladron  Ges
de-Ulanen  mit  Pferden,  und  erbeuteten  fünf
Maschinengewehre.

Ein  russischer  Angriff  nordwestlich  von  Zie.
chanom  wurde  abgewiesen.

Oberste  Heeresleltung.
Deutsche  Fliegertätigkeit.

Paris,  29.  März.  Ein  deutsches  Flugzeug
warf  über  Geradmer  (Vogesen)  14  Bomben
ab.  Ein  Flugzeug  überslog  Dünlirchen  um
warf  sechs  esin-  ein  anderes  über  Calaie
eine  Bombe.  Beide  Male  war  kein  Schaden
angerichtet.  (.3.)

Französische  Einberufungen.

Lyon,  29.  Mänz.  Blättermeldungen  zusolge
  wird  dem  Heeresausschuß  der  Deputiertenlammer
  noch  vor  der  Kammerdebatte  über  den
(desetzentwurf  betreffend  die  Einberufung  der
Jahresllasse  von  1917  der  Bericht  über  einen
Gegenantrag  vorgelegt,  vor  der  Jahreslklasse
von  1917  alle  felddiensttauglichen  Männer
Frankreichs  einzuberufen.  (3.)

Englische  Truppentransporte.

Berlin,  29.  März.  In  Portsmouth  sind
50  000  Mann  englisch  Trup##  angekommen,
die  nach  sranẽ  en  n  uherscht  werden.
sollen.

Der

E—l

 

„Prinz  Eitel  Friedrich“.
Amsterdam,  29.  März.  Der  deutsche
Hilfskreuzer  „Prin  Eitel  Jriedrich  hat,  wie
„Daily  Mail“  meldet,  am  Freitag  den  Befehl
erhalten,  um  Mitzernackt  den  Hafen  von  New
portnews  zu  verlassen,  da  er  sonst  festgeholten
  würde.  Die  amerikanische  Regierung  lehm
jede  Bestäligung  oder  Dementierung  dieser
Nachricht  ab.  (3.)
Die  Zerstörungen  in  Polen.
Kopenhagen,  29.  März.  Es  wird  festgestellt,
  daß  drei  Viertel  von  Polen  vom  Krieg
hletroffen  sind.  Teile  von  10  Gouvernemen:s
von  Polen  sind  verschont.  55000  Dörfer  sind
zerschossen.  Der  Schaden  in  auf  über  eine
Milliarde  Rubel  geschätzt.

Die  -r

Budapest,  29.  März.  Aus  Ungwar  wird
gedrahtet:  Vorige  Nacht  erneuerlen  die  Russen
ihre  Angrisse,  die  aber  blutig  zurüclgeschlagen
wurden.  Nördlich  Uszok,  wo  wir  die  Russen  zu
einem  günstigeren  Punkt  haben  vordringen  las
sen,  erreichte  der  Gegner  unverhofft  Draktwiderstände
  und  verborgene  Maschinengewehre.
cwischen  den  Drahtverhauen  liegen  hunderte
gesallener  Russen.  Zahlreiche  Nichtoerwundete
fielen  in  unsere  Hände.  Gegen  den  Uszokerpab
und  in  den  Duklaer  Vertiefungen  sind  die  feindlichen
  Angriffe  besonders  lebhaft.  es
sten  tobt  die  Schlacht  von  Bagigrod  b%9  Uszol
Die  Russen  erneuern  in  den  Dullaer  Vertiessen
gen  ihre  Angriffe  fortwährend,  werden  aber
von  unseren  Truppen  blutig  zurückgeschlagen.

Wien,  28.  März.  Der  Kriegsberi  berane
des  „Morgen“  meldet  aus  dem  Krie  geprr.  equattier:
  Die  schweren  Kluese.  am  uszlsokerhaß
  dauern  fort,  ohne  daß  bteher  eine  Ver
derung  in  der  Gesamtlage  eingetreten  wäre.  Am
Dukla-Abschnitt  ist  die  kritische  Phase  Überwunden.
  Die  Russen  versuchten  durchzubrechen,  wurden
  aber  blutig  zurüdgeschlagen.  Die  Russen
benutzen  eine  Kampspause,  um  ihre  gelichteken
Reihen  zu  ergänzen.  Eine  Entscheidung  fiel  noch

nicht.  (3.)
Nach  der  Dardanellenschlacht.
Mailan  d,  29.  Die  Pafs-##  des

aus  Bombay  in  Neupord,  eingetroslen  sida,
ser#„Aegypten“,  der  Malta  ang  laaen  hat,

berichten:  0  pauer  aen  #  —
ier  r·
ahe  die  ##n  Fpuchalten  8  Fen.