132 3. Buch: Rechtsmittel und Versahren in zweiter und dritter Instanz.
der Ausdruck „Rechtfertigungsschrift" nur die Bedeutung von „Einführungs=
und Rechtfertigungsschrift" im Sinne des altpreußischen
Rechts hat.
2. Verfahren bei Einlegung der Revision.
Was von der Einlegung der Berufung gesagt ist, gilt entsprechend von
der Einlegung der Revision (LVG. F§ 95); auch sie wird bei dem Gericht
erster Instanz angemeldet und gerechtferligt; von der ersten Instanz wird
nur geprüft, ob die Anmeldung rechtzeitig eingegangen ist. Geeignetenfalls
erfolgt die Zurückweisung der nicht rechtzeitig eingegangenen Anmeldung
durch das Gericht erster Instanz.
Das LVG. bestimmt hinsichtlich der Begründung der Revision
(§+ 94); sie könne nur darauf gestützt werden:
1. daß die angefochtene Entscheidung auf der Nichtanwendung oder auf
der unrichtigen Anwendung des bestehenden Rechts, insbesondere
auch der von den Behörden innerhalb ihrer Zuständigkeit erlassenen
Verordnungen beruhe;
2. daß das Verfahren an wesentlichen Mängeln leide.
Dazu bestimmen die 9§ 96, 97, daß in der Revisionsschrift auzugeben
sei, worin die behauptete Nichtanwendung des Rechts usw. bestehe,
doch sei das Oberverwaltungsgericht an diejenigen Gründe nicht gebunden,
die zur Rechtfertigung der gestellten Anträge geltend gemacht
worden. Daraus ist zu folgern, daß der Revifionsrichter die Vorentscheidung
und das Verfahren nach allen Seiten selbständig und von Amts
wegen zu prüfen hat (OVG. 3 364). Revisionsgründe können übrigens
in der mündlichen Verhandlung noch geltend gemacht werden (Erk. v.
19. II. 87 — I.229).
Das Gesetz unterscheidet Rechtsverletzungen (Verletzungen eines
Rechtsgrundsatzes) und wesentliche Mängel des Verfahrens. Den Unterschied
hat schon bei gleicher Rechtslage das Obertribunal durch den Plen-Beschl.
v. 5. III. 49 dahin angegeben, daß ein Rechtsgrundsatz (das bestehende
Recht) einen von einem Prozeßverfahren unabhängigen Grundsatz
in sich schließt, der als Norm für das materielle Recht gilt, und daher
nicht bloß bei prozessualischen Entscheidungen, sondern auch
außerhalb solcher, überhaupt in allen Fällen zur Anwendung kommen
kann, wo es sich um eine Beurteilung von Rechten und Rechtsverhältnissen
eines Menschen handelt, daß dagegen eine Prozeßvorschrift (Vorschrift
des Verfahrens) eine solche ist, die im Prozehverfahren und der
richterlichen Tätigkeit in demselben ihre Grundlage hat, die also zur
Regelung des formellen Verfahrens gegeben ist.
Zu bestimmen, was wesentliche Mängel des Verfahrens sind,
liegt im Ermessen des Revisionsrichters. Auf alle Fälle muß die Partei
durch den Mangel benachteiligt sein, es muß durch ihn die Grundlage