Welche Aufgaben fallen der frriwilligen Jugendvereinsarbeit zu? 113
junger Mann, kein junges Mädchen entziehen kann.“), Das Vorbild
stammt aus Siebenbürgen, und es ist gewiß psychologisch begreiflich,
daß gerade dieser Ursprung dem Vorschlag im Augenblick besonders
freundliche Teilnahme gewonnen hat. Sachlich ist unter anderem
eingewendet worden, daß gesellschaftliche Formen, die in jahrhundertelanger
Entwicklung in einer kleinen völkisch und konfessionell
merkwürdig einheitlichen Landschaft, deren deutsche Bewohner noch
dazu in ständigem Kampfe gegen volksfremde Elemente ihre Gemeinschaft
erhärteten, sich nicht ohne weiteres auf das innerlich so
mannigfach gestaltete Deutsche Reich übertragen lassen, dessen Jugend
in nationaler wie in wirtschaftlicher Beziehung unter wesentlich
anderen Bedingungen lebt. Es wäre, von vielem übrigen hier ganz
abgesehen, auch ein Anachronismus, auf unser in seiner Lebensform
so sehr modernes Deutschland jene guten altväterlichen Gesellschaftsgebilde
verpflanzen zu wollen. Dies alles nur beispielsweise und
nur nebenbei. Was grundsätzlich gegen solche Projekte spricht, hat
Herr Professor Fischer heute morgen dargelegt.
Aber so kulturwidrig jeder Versuch wäre, die Formen der Jugendvereinsarbeit
in eine zu verschmelzen, und so zweifelhaft es mindestens
erscheinen muß, ob es gelingen könnte, etwas wie eine brauchbare
Überorganisation zu schaffen, so ist dennoch in praktischen Angelegenheiten
bei allseitigem guten Willen eine gewisse Gemeinschaft
der Vereine verschiedener Richtungen oft durchaus möglich und anbracht.
Gegensätze in unliebsamer Form, Konkurrenzneid oder gar
eindschaft sind durchaus nicht notwendige Folgen der Mannigfaltigkeit
der Formen. Wenn sie in Wirklichkeit gelegentlich in die Erscheinung
getreten sind, so ist das nicht dieser Mannigfaltigkeit zur Last zu
legen, sondern der Ungeschicklichkeit, mehr noch der mangelnden Einsicht
einzelner Vertreter einzelner Richtungen, wobei keineswegs an
irgendwelche bestimmten Gruppen gedacht ist. Die sichere Grundlage
friedlicher Gemeinschaft und friedlicher gemeinsamer Arbeit dagegen
ist das, was man nicht gerade schön, aber vielleicht ganz treffend als
„Vorgabe“ der Weltanschauung bezeichnen könnte. Wenn man sich in
jedem einzelnen Falle klar macht, daß der andere auf dem Boden einer
bestimmten Weltanschauung steht und von da aus die Dinge sieht und
beurteilt, und wenn man sich ebenso über den eigenen Standpunkt
klar ist, so kann man mit ziemlicher Sicherheit im voraus entscheiden.
welche Gegenstände zwischen beiden Partnern verhandlungsfähig sind
und welche nicht. Diese Stellungnahme ist keineswegs schwer bei
ehrlichem Willen. Und die Sachlichkeit, auf die wir Deutschen uns in
der Gegenwart im Ansturme der nationalen Leidenschaften anderer
Völker so viel zugute halten, muß auch auf dem Gebiete der Jugendvereinsarbeit,
soweit es sich um gemeinschaftliche Leistungen der ver-„Jugendorganisation“,
in 9, IX. Jahrgang der „Do en, Verlin
8 Auge Toptlactome n ve l. — — Be
Martin Jaeger, „Festgefügte —— gormienr für die Gesamtjugend“, in 11,
. Inhrzan des „Ratgebers für Jugendvereinigungen“, Betlin 1916, Tarl
Heymanns g.
Schriften der Zeutralstelle für Boltawehlfahrt. K. F. Nr. 12. 8