Full text : Das große königlich preußische Wappen.

Genf  hatte  vor  Zeiten  seine  eignen  Grafen.  Als  der  männliche  Stamm  1394  mit
Papst  Clemens  VII.  ausstarb,  erhielt  die  Familie  Thoire,  in  welche  seine  eine  Schwester
geheirathet  hatte,  die  Belehnung,  die  Familie  Chalons,  in  welche  die  andere  Schwester

vermählt  war,  das  Wappenbild  als  Exspectanz-Wappen.

30.  Wegen  des  Fürstenthums  Rügen.

Ouergetheilt:  im  oberen  goldenen  Theile  ein  aus  dem  unteren  blauen  und  zwar
aus  den  darin  befindlichen  fünf  rothen,  doppelseitig  aufsteigenden  Stufen  hervorgehender
schwarzer  roth  bewehrter  rothgezungter  und  rothgekrönter  Löwe  mit  doppeltem  Schweife.

Erläuterung.  Der  Rügensche  Löwe  befindet  sich  zuerst  auf  dem  Todtenschild  Friedrich
  II.  (1471  in)  der  Ritterkapelle  des  Schwanenordens  bei  St  Gumbert  in  Anspach.  Das
Rügener  Wappenschild  wurde  von  Kur-Brandenburg  zugleich  mit  dem  Pommerschen  Wappen
470  aufgenommen,  dann  aber  nach  dem  westphälischen,  Frieden  in  Folge  ausdrücklicher
Bestimmung  weggelassen  und  erst  nach  dem  Pariser  Frieden  am  7.  Juni  1815  wieder

aufgenommen.  (Vergl.  Nr.  10.)

31.  Wegen  des  Fürstenthums  COflfriesland.

Im  schwarzen  Felde  ein  goldner  gekrönter  Jungfrauenadler,  der  oberhalb  und
unterhalb  von  je  2  sechsstrahligen  goldenen  Sternen  begleitet  wird.

Erläuterung.  Die  Harpyie  ist  das  alte  Geschlechts-Wappen  der  Familie  von  Circksena,
aus  welcher  Ulrich  aus  dem  Hause  Greetsyhl  1453  von  den  Friesischen  Ständen  zum  Regenten
erwählt  und  1464  vom  Kaiser  Friedrich  III.  in  den  Reichsgrafenstand  erhoben  wurde.  Die  vier
Sterne  sind  das  Wappen  der  Familie  von  Idsinga,  von  welcher  die  Herrschaft  Norden  durch
Heirat  an  die  Circksena  kam.  Ferdinand  III.  erhob  1654  Enno  Ludwig,  Graf  zu  Ost-Friesland,
  in  den  Reichsfürstenstand.  1732  nahm  Friedrich  Wilhelm  I.  in  Folge  der  zu
Kladrub  erfolgten  Evemualbelehmmg  mit  Ostfriesland,  den  Titel  eines  Fürsten  von  Ostfriesland
  an.  Auf  Grund  der  durch  Kaiser  Leopold  dem  Kurhause  Brandenburg  im
Jahre  1694  ertheilten  Anwartschaft  nahm  König  Friedrich  II.  das  Fürstenthum  und  das
Harlinger  Land  mit  Esens  und  Witmund  nach  dem  am  25.  Mai  1744  erfolgten  Tode  des
letzten  Fürsten  Carl  Edzard  in  Besitz.  Unter  König  Friedrich  II.  erscheint  es  zum  ersten
Male  in  dem  Wappen.  1814  ist  es  an  Hannover  überlassen  und  seit  1866  wieder  zu

Preussen  gekommen,  seit  1873  wieder  im  preussischen  Wappen.

32.  Wegen  des  Fürstenthums  Paderborn  und  der  Grasschaft  Pyrmont.

In  die  Länge  getheilt:  Im  ersten  rothen  Felde  ein  gemeines  goldenes  Kreuz
(Paderborn).  Im  zweiten  silbernen  Felde  ein  rothes  Ankerkreuz  (Pyrmont).

Erläuterung.  Das  Fürstenhum  Paderborn  wurde  im  Jahre  1817  in  das  königliche

Wappen  aufgenommen.  Schon  von  Ledebur  weist  darauf  hin,  dass  nur  mit  Unrecht  nicht

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