Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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anliefs;  doch  kam  es  nicht  zum  äufsersten,  da  die  streitenden  Teile
es  schliefslich  vorzogen,  die  Angelegenheit  an  den  Reichstag  zu
bringen  ').

Mehr  indefs  noch  als  derartige  Fehden,  so  weite  Kreise  dieselben
  auch  in  Mitleidenschaft  ziehen  mochten,  hatte  es  zu  bedeuten,
  dafs  die  Ausbildung  und  Verschärfung  der  konfessionellen
Verschiedenheiten  unter  den  Ständen  fortgesetzt  zu  beunruhigenden
Gerüchten  aller  Art  Anlafs  gaben  und  ein  Gefühl  der  Unsicherheit
und  gegenseitiges  Mifstrauen  in  allen  Teilen  des  Reichs  hervorriefen.
  Auf  katholischer  Seite  erzählte  man  sich,  dafs  die  Evangelischen
  mit  der  Absicht  umgingen,  einen  förmlichen  Aufstand
‘zu  Gunsten  der  lutherischen  Lehren  zu  bewerkstelligen?);  umgekehrt
  fühlten  sich  die  Evangelischen  keinen  Augenblick  vor  Vergewaltigung
  durch  ihre  Gegner  sicher;  Johann  von  Sachsen  wagte
es  lange  Zeit  nicht,  die  Kurlande  zu  verlassen,  da  er  besorgte,
man  wolle  seine  Lande  und  Leute  überfallen®);  dem  Landgrafen
Philipp  von  Hessen  aber  kamen  Warnungen  zu,  dals  Werbungen
und  Ansammlungen  von  Knechten  im  Westfälischen  und  am  Niederrhein
  ihm  gelten  sollten;  und  er  sah  sich  dann  in  der  That  genötigt,
  zur  Zeit,  da  die  übrigen  Stände  nach  Speier  zum  Reichstage
eilten,  seinen  Vasallen,  den  Grafen  von  Hoya  und  Diepholz,  gegen
einen  Haufen  Kriegsvolk,  der  in  ihre  Herrschaften  einfiel,  zu  Hilfe
zu  kommen*).  Gleichzeitig  wurde  sein  und  seines  Bundesgenossen,
des  Kurfürsten,  Verhältnis  zu  den  benachbarten  altgläubigen  Fürsten,
zumal  Herzog  Georg,  ein  so  unfreundliches,  dafs  in  Oberdeutschland
  bereits  verlautete,  im  Norden  seien  die  Stände  verschiedenen
Bekenntnisses  im  Begriff,  sich  in  offenem  Kriege  wider  einander
zu  erheben).

Wenn  aber  auch  solche  Gerüchte  zum  wenigsten  verfrüht  erschienen,
  so  bezeichneten  sie  doch  die  Sachlage.  Wollte  man  einem

die  Berichte  Contarinis  vom  28.  Mai  und  3.  Juni  (Thomas,  Martin  Luther
nr.  201  u.  204),  und  das  Schreiben  Nördlingens  an  Markgraf  Kasimir  vom
22.  Mai  1526  (Klüpfel,  Urkk.  z.  Gesch.  d.  Schwäb.  Bundes  II  S.299).

»)S.  u  Kap.  ®.

?)  Vgl.u.a.  oben  S.201,  3  die  Instruktion  des  Erzherzogs  an  den  Kaiser
vom  20.  Juni  1526.

®)  Johann  an  Landgraf  Philipp,  d.  d.  Torgau  Mo.  n.  quasim.  (9.  April)
1526;  vgl.  unten  Kap.  5;  im  übrigen  s.  o.  S.58t.

#)  Darüber  unterrichten  die  Akten  des  Marburger  St.  A.,  Abt.  Schwäbischer
  Bund,  z.  J.  1526,  Mai  und  folgende  Monate.

5)  S.  0.  8.59,  2  am  Ende.