Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

88  Vegetationsverhältnisse.

Einförmigkeit  der  geognostischen  Unterlage.  Erweitern  wirdas  Gebiet  nur  um  weniges
  über  das  Urgebirge  hinaus,  bis  an  die  Donau  im  Süden,  und  die  Naab  im
Westen,  so  wird  dasselbe  durch  die  geringe  Strecke  um  400  Species  reicher.  Dabei
  fehlen,  wie  gleichfalls  schon  hervorgehoben,  keineswegs  blos  solche  Pflanzen,
die  auch  auf  dem  Sedimentärgebiete  schon  selten  sind,  sondern  größtentheils  die
allergewöhnlichsten,  ringsherum  vorkommenden,  deren  Existenz  aber,  oder  deren
gedeihliches  Fortkommen  wenigstens,  eine  größere  Menge  von  Kalk  im  Boden
voraussetzt,  als  sich  im  bayerischen  Walde  findet.  Wir  werden  solche  Pflanzen
  im  Folgenden  namhaft  machen.  Andere  Pflanzen  scheint  nicht  die  Kalkarmuth
  des  bayerischen  Waldes  für  sich  allein,  sondern  in  Verbindung  mit
ihr  das  dortige  rauhere  Klima  von  dem  Gebiete  fern  zu  halten.  Es  hat  sich
aus  den  vergleichenden  Untersuchungen,  die  über  die  Höhengrenzen  der  Pflanzen
  im  bayerischen  Walde  und  in  den  Alpen  angestellt  wurden,  ergeben,  daß
eine  Pflanze  nur  da  größere  Ungunst  des  Klimas  zu  ertragen  vermag,
  wo  sie  einen  ihr  völlig  zusagenden  Boden  findet,  wo  also
die  Vortheile  des  Bodens  die  Nachtheile  des  Klimas  gewissermassen  aufwiegen.
  So  halten  sich  viele  Pflanzen  des  Kalkbodens,  welche  im  Urgebirge  noch
ihr  Fortkommen  finden,  hier  in  auffallend  niedreren,  also  wärmeren  Regionen
auf,  als  in  den  Kalkalpen,  während  anderseits  viele  Pflanzen  des  Kieselbodens,
  welche  im  alpinischen  Kalkgebiete  sich  auf  Niederungen  beschränken,
im  Urgebirge  des  bayerischen  Waldes  trotz  der  Ungunst  des  Klimas,  hoch
auf  die  Berge  emporsteigen.  «

Für  diesen  Ausfall  an  meist  allgemein  verbreiteten  Pflanzen  hat  der  bayerische
  Wald  nur  wenige  Eigenthümlichkeiten,  welche  seiner  Umgebung,  und
namentlich  dem  alpinischen  Gebiete,  größtentheils  oder  ganz  fehlen.  Hieher  gehören:
Soldanclla  montana,  eine  Art  Trattelblume  mit  größeren  Blättern  und  Blumen
  als  die  Species  der  Alpen;  Trientalis  curopaca,  der  Siebenstern,  sogenanut
  wegen  seiner  sieben  weißen  Blumenblätter;  Chrysosplenium  oppositifolium,
  das  gegenblättrige  Milzkraut;  Senecio  subalpinus,  eine  Art  des
Greiskrautes,  dem  mit  leyerartigen  Blättern  in  unsern  Alpen  (Senecio  Uratifolius)
  ähnlich;  Cincraria  crispa,  das  krause  Aschenkraut,  zu  demselben
Geschlechte  gehörend,  wie  die  in  tausend  Varietäten  kultivirten  Cinerarien
unserer  Gärten.  Seltener  vorkommend  Juncus  trifidus,  eine  zierliche  kleine
Binse;  Selum  Fabaria,  eine  große  Art  Fettkraut;  Teucrium  Scorodonia,
eine  schöne  Gamanderart,  dem  bekannten  Katzenkraute  verwandt;  Gentiana
campecstris,  eine  Enzianart  und  Asplenium  Adianthum  nigrum,  ein  zierliches
  Farnkraut,  dem  Frauenhaar  nahe  stehend  im  nördlichen  Theile  des
Gebietes;  Hemerocallis  fulra,  die  häufig  in  unseren  Gärten,  zumal  an
Fontainen  cultivirte  rothgelbe  Taglilie;  Allosorus  crispus,  ein  hübscher
Farn  mit  krausen  Blättern;  Carpesium  cernuum,  die  dem  Zweizahn  (Bidens)
  ähnliche  Kragenblume,  von  denen  übrigens  viele  sich  auch  im
südalpinischen  Gebiete  außerhalb  Bayern  wieder  finden.  Von  allen