Volltext : Geschichte des Elsasses von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.

121

Aufstand  seiner  Dienstleute.  Denn  die  schöne  Bärbel  misbrauchte
die  Licbesgunst  ihres  Herrn,  wie  je  ein  Weib  und  ließ  die  Bauern
frohnen  und  die  Weiber  spinnen.  Sie  mußten  Lein  säen  und  Lichter
machen  und  von  sämmtlichen  Kühen  von  Buchsweiler  täglich  die
Sahne  senden.  Wie  von  den  sagenhaften  Vögten  des  Königs
Albrecht  in  der  Schweiz  galt  auch  von  ihr  der  Leumund  unnatürlicher
  Gelüste  neben  schnsdem  Misbrauch  der  Gewalt:  sie  habe  ihre
Söldlinge  zu  den  säugenden  Müttern  geschickt  und  deren  Milch  begehrt;
  wer  sich  zu  geben  weigerte,  wurde  in  den  Thurm  gespert.
Als  nun  die  schöne  Bärbel  abermals  einen  Frohntag  geboten  hatte,
und  die  gedrückten  Leute  die  Ungebühr  nicht  länger  duldeten,  zogen
sie  aus  und  führten  Klage  bei  Jakebs  Bruder  Ludwig.  Da  befahl
die  Bärbel  ihren  Knechten,  sie  möchten  die  zurückgebliebenen  Weiber
und  Kinder  von  Haus  und  Hof  vertreiben;  wollten  die  Männer
nicht  frohnen,  so  sellten  auch  die  Weiber  nicht  bleilen;  aler  die
Weiber  hatten  sich  gewaffnet,  die  Einen  mit  Bratspieß,  die  Andern
mit  Heugabeln,  und  trieben  das  böse  Weib  mit  ihren  Helfern  in
die  Burg  zurück.  Erst  als  Jakobs  Bruder  Ludwig  mit  Gefolge
herbeikam,  wurde  Ruhe  gestiftet,  die  schöne  Bärbel  aber  mußte  nach
Hagenau  fort  von  den  Gütern  ihres  Geliebten.  Nach  dessen  Tode
entging  sie  dem  traurigen  Schicksal  zahlloser  Frauen  früherer  Zeiten
nicht,  deren  zweifelhafte  Existenz  dem  Aberglauben  als  Hexenwerk
und  dann  dem  Richter  als  tedeswürdiges  Verbrechen  galt.  So
starb  sie  als  Zaulerin;  aber  das  Loos  jener  Leute  ward  schwerlich
verbessert.

Die  Jahrbücher  melden  von  mehrfachen  Widersetzlichkeiten  gegen
die  Grundherren  und  Klöster.  Aber  man  würde  sehr  irren,  wenn
man  dächte,  daß  lediglich  der  Bauerstand  an  der  Bewegung  Theil
nahm.  Alles  was  mit  den  sozialen  Zuständen  unzufrieden  war,
befand  sich  in  einem  revolutionären  Bund,  der  alsbald  greifbare
Gestalt  erlangte.  Um  Schlettstadt  traten  Bauern  und  städtische
Leute  1493  zu  einer  geheimen  Gesellschaft  zusammen.  Es  waren
Männer  aus  Sulz,  Dambach,  Scherweiler  und  vielen  andern  Orten,