136 Sendung Simsons und Hergenhahns.
ihm gewährten und verheißenen Rechte der Schutz der Nationalversammlung
zugesichert. Man mutete also dem Könige einen Wechsel seiner
Minister und die Zurückverlegung der Versammlung nach Berlin zu,
während man von dem Parlamente das Jugeständnis verlangte, daß seine
nach der Vertagung gefaßten Beschlüsse keinen gesetzlichen Boden hätten.
War es an sich schon wenig wahrscheinlich, daß einer der beiden streitenden
Teile sich mit dieser Lösung zufrieden geben werde, so wurde für den
König jedes Entgegenkommen fast zur Unmöglichkeit gemacht durch die herrische
Art, in welcher der Reichsverweser durch eine Proklamation vom ar. November
den Beschluß der Versammlung bekanntmachte, dessen Vollstreckung
durch die Reichsgewalt in Aussicht stellte, und seine Kundgebung unter
Umgehung der FJentralregierung direkt an die preußischen Oberpräsidenten
versandte.
Während Bassermanns Aufenthalt in Berlin war — offenbar als er die
Annahme der künftigen Reichsverfassung zur Sprache brachte — von den
preußischen Ministern der Wunsch geäußert worden, über die Stellung, die
man Preußen für die Jukunft zugedacht habe, genauer unterrichtek zu
werden. Es war anfangs in Aussicht genommen worden, daß Bassermann
selbst nach Einholung neuer Insiruktionen zurückkommen und die Verhandlungen
über diesen Punkt weiterführen solle. Da dieser aber inzwischen
aus dem Reichsministerium ausgeschieden war, weil er weder die gentralgewalt
noch das Parlament zum offenen Eintreten für die preußische
Regierung hatte bewegen können, so wollte er sich auch an den
Verhandlungen mit Preußen nicht weiter beteiligen.: Das Reichsministerium
entschloß sich daher, zwei andere Kommissare, die den Standpunkt
der Mehrheit billigten, nach Berlin zu entsenden, obwohl sie nicht
Miktglieder der Jentralregierung waren, nämlich die Abgeordneten Simson
und Hergenhahn. Sie sollten sowohl beim Könige wie bei dem
preußischen Parlament auf die Annahme der Frankfurter Beschlüsse
hinwirken und zugleich eine Erklärung zu erlangen suchen, daß Preußen
die in Frankfurt zu beschließende Verfassung annehmen werde.“ Daß
sie von ihren Gesinnungsgenossen den speziellen Auftrag erhalten
haben, sich darüber zu vergewissern, ob der König von Preußen evenkuell
auch die Kaiserkrone annehmen werde"“, versteht sich eigentlich von
selbst; denn das mußte man ja vor allen Oingen wissen.
1 v. Arneth 251; dazu dle Korrespondenz zwischen Bülow u. Camphausen Bellage
Nr. a3 u. a3.
!* S. Bellage 25.
* GSimson 13af. u. 143f.
"Arneth a8#.