Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

In  den  germanischen  Wäldern.  25

die  Kämpfenden  mischten,  mit  bloßen  Händen  die  Schilde
der  Römer  herunterrissen,  die  Klingen  der  Schwerter
faßten  und,  bis  zum  Tode  unbesiegten  Muthes,  sich  verwunden
  und  in  Stücke  hauen  ließen“s).  Ein  weiterer
Bericht  —  bei  Valerius  Maximus  —  hebt  nicht  nur  den
Todesmuth,  sondern  auch  die  Keuschheit  der  germanischen
Frauen  hervor.  Denn  die  gefangenen  Weiber  der  Teutonen
  baten  den  Sieger  Marius,  er  möchte  sie  dem  Dienst
der  heiligen  Jungfrauen  der  Vesta  widmen,  mit  der  Versicherung,
  sie  würden  sich  unbefleckt  bewahren  wie  diese
Göttin  und  ihre  Dienerinnen;  als  aber  der  Bitte  nicht
entsprochen  wurde,  erdrosselten  sie  sich  in  der  nächsten
Nacht.  Im  folgenden  Jahre  vernichtete  Marius  bei  Vercellä
  auch  die  Kimbrer.  Unter  den  Frauen  derselben  befanden
  sich  weissagende  Priesterinnen,  grau  vor  Alter,
barfüßig,  mit  weißen  Gewändern,  ehernen  Gürteln  und
feinen  Flachsmänteln  angethan.  So  traten  sie,  Schwerter
in  den  Händen,  den  Kriegsgefangenen  im  Lager  entgegen,
bekränzten  sie  und  führten  sie  zu  einem  großen  ehernen
Kessel.  Dann  bestieg  eine  von  ihnen  einen  Tritt  und
durchschnitt,  über  den  Kessel  gebeugt,  dem  über  den  Rand
desselben  emporgehobenen  Gefangenen  die  Kehle  und  aus
dem  Blut,  das  in  den  Kessel  strömte,  weissagten  sie.
Während  der  Schlacht  trommelten  sie  auf  Fellen,  welche
über  die  geflochtenen  Wagendecken  gespannt  waren,  und
machten  einen  schrecklichen  Lärm  ).  Der  größte  und

6)  Plutarch,  Marius,  19.
7)  Strabon,  VII,  2.