IV. Die Vernichtung der staatlichen Eristenz Brandenburgs. 375
erbitterten Haß erwecken, der sich auch gegen seine Werkzeuge,
Offiziere und Soldaten, richtete. Von den auf den Prager
Frieden gesetzten Hoffnungen war keine erfüllt: man verwünschte
ihn als die Quelle namenlosen Elende. Schlimmer als ehemals
die Schweden hausten Kaiserliche und Sachsen im Lande,
und die eigene Armce eristierte nur durch dauernde Vergewaltigung
der ständischen Rechte. Und wozu das alleo? Was war
der Preis, den zu gewinnen solche Opfer gebracht wurden?
Weder der evangelische Glaube noch eins von den vitalen Interessen
von Land und Volk stand auf dem Spiele, sondern
nur die Anwartschaft auf Pommern, die dem Volke gleichgültig
war. Der gemeine Mann begriff nicht, weshalb er sich
darum alles nehmen, sich mißhandeln und schließlich totschlagen
lassen sollte von Leuten, die ihm angeblich zu helfen gekommen
waren.
War es da zu verwundern, daß die Bevölkerung der Mark
Erlösung von diesem Foche ersehnte? Daß in dem Maße, wie
ihr Haß gegen Schwartzenberg wuchs, ihre immer nur geringe
Anhänglichkeit an die Dynastie dahinschwand"? Ihre Sympathien
wandten sich den Schweden zu: sie bewies sie ihnen durch die
That, leistete ihnen Vorschub, suchte sich mit ihnen zu verständigen
und entzog sich der Gewalt Schwartzenbergs möglichst.
Leidenschaftliche Schmähschriften erschienen gegen diesen
und seine Gehilfen: er sollte die verhaßte spanische Dienstbarkeit
einführen, auf den Trümmern der ständischen Libertät
ein absolutes tyrannisches Regiment aufrichten wollen. Seiner
Obersien und Offiziere Walten konnte freilich solchen Verdacht
erwecken. Nur einer machte eine Ausnahme, Konrad von Burgsdorf,
der, zwar auch nicht unberührt von dem verwilderten
Soldatenleben, sich doch menschenfreundlichen Sinn bewahrt
hatte und die Leiden des Bürgers und des Bauern zu erleichtern
trachtete. Darüber geriet er in Konflift mit Schwartzenberg:
ein bitterer Schriftwechsel wurde zwischen ihnen geführt.
Es ist alo ob der allgewaltige Kriegsoberst geahnt hätte, daß
dieser derbe Soldat einst sein gefährlichster und glücklicher Nebenbuhler
werden sollte.
Wie lange konnte dieser Zustand noch währen? Die Mittel