Das Ministerium Hohenwart. 217
bare 30 Millionen und unberechenbare moralische Nachtheile gekostet.
Auch die ungarische Delegation stimmte für eine freundschaftliche
Verbindung mit Deutschland. Mehrere Redner tadelten
die Beust'sche Politik der letzten 4 Jahre, nannten sie eine Komäödie
der Irrungen, die leicht in eine Tragödie hätte umschlagen können,
und tadelten Beust, daß er nicht schon vor 3 Jahren eine Allianz
mit dem Norddeutschen Bunde geschlossen habe. Ob diese Tadler
sich schon damals für Deutschland ausgesprochen hätten, fragt sich.
Der Schluß der Delegationen fand am 6. Februar statt.
Kaum hatten die Delegationen den letzten Groschen verwilligt,
so trat die Regierung mit ihren Ueberraschungen hervor. Die
officielle „Wiener Zeitung“ vom 7. Februar veröffentlichte ein kaiserliches
Handschreiben vom 4. Februar, worin die Enthebung des
Ministeriums Potocki von seinen Funktionen angezeigt, Graf Hohenwart
zum Minister des Innern ernannt und mit der Neubildung
eines über den Parteien stehenden Ministeriums beauftragt war.
Zugleich theilte sie mehrere Handschreiben vom 6. Februar mit,
wodurch Professor Habietinek zum Justizminister, Ministerialrath
Jirecek zum Minister für Kultus und Unterricht, Professor Schäffle
zum Handelsminister und zeitweiligen Leiter des Ackerbau-Ministeriums,
Generalmajor Scholl zum Landesvertheidigungs-Minister ernannt,
Freiherr v. Holzgethan als Finanzminister, welche Stelle er auch
im Ministerium Potocki bekleidet hatte, bestätigt wurde. Alle Welt
war überrascht. Niemand ahnte etwas von dieser Kombination.
Das Geheimniß war bis zur Ausgabe des officiellen Blattes gewahrt
geblieben; selbst Graf Beust wußte nichts davon. Ultramontane,
feudale, czechische Elemente waren es, welche dieses Ministerium
schufen; dem ultramontanen Oberstkämmerer Grafen Crenneville schrieb
man hauptsächlich die Autorschaft zu. Was an diesem Kabinet auffallend
war, das war der Umstand, daß kein einziges Mitglied desselben
dem Herrenhause oder dem Abgeordnetenhause oder auch nur
der deutschen Verfassungspartei außerhalb des Reichsraths angehörte.
Es war ein durchaus außerparlamentarisches Ministerium.
Was übrigens an dieser Handschreiben-Literatur am meisten verletzte,
war nicht die Ernennung des ultramontanen Hohenwart, oder
des czechischen Habietinek oder des schwäbischen Schäffle, sondern
die eine Thatsache, daß man es wagte, das ganze Unterrichtswesen
Oestreichs einem Czechen zu übertragen. Auch in den schlimmsten