Full text : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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Tag.  Die  Preußen  hatten  im  siebenjaͤhrigen  Kriege  Magazine  in
Zittau  angelegt.  Nach  der  Schlacht  bei  Kollin  aber  naͤherten  sich
die  Oestreicher  der  Stadt,  um  die  Magazine  zu  nehmen  und  die.
hier  stehenden  Preußen  zu  vertreiben.  Da  die  Feinde  aus  Zittau
nicht  weichen  wollten,  so  begann  am  23.  Juli  ein  heftiges  Bombardement.
  Wie  schrecklich  war  dieser  Tag  für  die  unglücklichen  Einwohner,
  die  nicht  wußten,  wohin  sie  fliehen  sollten,  da  sie  in  ihren
Häusern  von  Trümmern  erschlogen  oder  verschüttet,  auf  den  Straßen
von  Kugeln  getödtet  wurden!  Fünfhundert  vier  und  sechzig  Häuser
nebst  der  Hauptkirche  und  dem  Rathsarchive  waren  zerstört.  Der
Verlust  der  Stadt  betrug  mehre  Millionen  Thaler,  und  nur  langsam
  konnte  die  Wunde  heilen,  die  ihr  dieses  unglückliche  Ereigniß
des  siebenjährigen  Krieges  geschlagen  hatte.

21.  Juli.
Friedrich  der  Gebillene  erobert  die  Wartburg.

Der  unnatkürliche  Vater,  Albrecht  der  Unartige,  handelte,  wie
wir  wissen,  höchst  gewissenslos  an  seinen  Söhnen,  verkaufte  ihr  zukünftiges
  Erbtheil  an  den  Kaiser  und  schien  es  ganz  darauf  abgesehen
zu  haben,  die  eigenen  Kinder  zu  Bettlern  zu  machen.  Er  saß  dabei
mit  seiner  Kunigunde  und  dem  Lieblingssohne  Apiß  trobig  und  gutes
  Muths  auf  der  festen  Wartburg,  wo  die  tapfern  Söhne  Friedrich
  und  Diezmann  nichts  gegen  ihn  auszurichten  vermochten.  Allein
endlich  starb  die  Unheilstifterin  Kunigunde;  es  starb  ihr  nach  der
Sohn  Apiß,  und  der  alte  Albrecht  verheirathete  sich  wieder  mit  einer
dritten  Gemahlin  Elisabeth  (nach  Andern  Adelheid).  Elisabeth  aber
war  ihrem  Stiefsohne  Friedrich  dem  Gebissenen,  der  zugleich  eine
Tochter  vor  ihr  zur  Gemahlin  hatte,  sehr  gewogen  und  wünschte
sehnlich  eine  Versöhnung  zwischen  Vater  und  Söhnen.  Albrecht
blieb  taub  und  halsstarrig  bei  ihren  Bitten.  Da  beredete  sie  zuleßt
den  Sohn,  daß  er  den  Vater  aus  seiner  festen  Burg  vertreibe  und
ihn  dadurch  nachgiebiger  mache.  Im  Juli  1306  kam  Friedrich  mit
einer  Schaar  tapferer  Männer  nach  Thüringen,  näherte  sich  in  tiefster
  Stille  der  Wartburg  und  verbarg  sich  dort  in  einer  Schlucht,
die  noch  jetzt  das  Landgrafenloch  heißt,  bis  der  Abend  kam.  In  der
Nacht  des  24.  Juli  drang  er  auf  einem  von  der  Mutter  angegebenen
  Wege  ohne  Blutvergießen  in  die  Wartburg  ein,  nahm  sie  in
Besitz  und  den  Vater  gefangen.  Doch  ließ  er  Vater  und  Mutter
frei  abziehen,  wies  ihnen  aber  Erfurt  zum  bleibenden  Wohnorte  an.