Das Königtum md die Ausbildung der Zerritorialherrichaften. 279
Die Geichäftitelle war die failerliche Hoffanzlei, wo die Urfunden
ausgefertigt wurden und ein regelmäßiger Gefchäftsgang und
Verkehr fich bildete. Dagegen war bei den Fiürften der urjprüngliche
Halbe oder ganze Beamtencharafter ihrer Stellung verwilcht,
der Beamtenftaat durch den Xehensjtaat verdrängt, und da Diele
Bewegung auch die Grafen, urjprünglich reine Beamte, umfaßte,
trat allenthalben der Begriff des Territoriung an die Stelle des
Amtsbezirks, und da ferner alle diefe Herzoge, Fürften, Grafen
jelbft im Belit ihres Großlehend auch ihrerjeitS belehnten, auch
erbliche Zehensträger jchufen, jo drängte fich zwilchen den König
und die Male des Bolls eine zahlreiche, mannigfach abgeftufte
und bevorrechtete Klafje, ein Amtsadel. Neue Standesverhältnifie
bildeten fi: an der Spibe ein engerer Kreis großer Häupter, der
principes oder ZYandesherrn, zu denen auch die Biichdfe und einige
bte großer und reicher Klöfter gehörten. Unter Friedrich II fahen
wir diefe Entwidlung zum Abfchluß gefommen. Die oberite Schicht,
die Herzogtümer, ruhten meist auf alter Stammesgrundlage, und
der Stammespatriotismus erwies fich neben dem gemeindeutichen
Bemwußtjein mächtig. Sn dem Beftreben, ihre Macht und ihren
Zandbefi und ihre Vornehmheit zu vererben, zum dauernden
Haus- und Familieneigentum zu machen, waren fie glücklicher
al das Königtum, das vom gleichen Streben nach einer Hausmacht
geleitet war und auch diefelben Mittel amvandte, fich eine
\olche zu fchaffen. Ein Mittel für diefe Ariftofratie war das Bejtreben,
die Bistümer des Neich3 mit Gliedern ihres Haufes zu be-\egen,
oder ihnen die Schirmoogtei einer Kirche, eines Klofters zuzuivenden,
was gegen mäßige Pflichten des Schußes und der Vertretung
in weltlichen Dingen nugbare und wertvolle Rechte ver-\haffte
Diefen Weg territorialer Machterwerbung und Madjtentfaltung
nahm alles, auch was, wie das Pfalzgrafen- oder Burggrafenamt,
urfprünglich zur Vertretung der füniglichen Autorität
gegenüber der herzoglichen beftimmt gemwelen war. Bejonderz war die
Stellung der Marf- oder Grenzgrafen, weil bejonders ausgejebt, auch)
bejonder3 förderlich firr die Erlangung einer ftattlichen Territorialmadit.