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Charakter, wie Friedrich Wilhelm III., moralisch unmöglich machte. Ja man
konnte sich der Gefahr einer solidarischen Verantwortlichkeit dadurch aussetzen.
Als die Nachricht von dem Tode des Prinzen in Berlin anlangte, wo
gerade Hofzirkel stattfand, wendete sich Alles unwillig von dem franzöfischen
Gesandten ab. Die Königin brach in Thränen aus, und obgleich der König
selbst seine gewöhnliche Zurückhaltung behauptete, so war doch unter den
Umständen von fernerer Annäherung nicht mehr die Rede. Vergebens suchte
Haugwitz die Verzögerung des begonnenen Geschäftes zu entschuldigen, Bonaparte
verhehlte seine Empfindlichkeit nicht, und gab dieser einen fühlbaren
Ausdruck durch Truppenverstärkungen in Hannover und hemmende Maßregeln
in Bezug auf den preußischen Seehandel. Da es, nachdem man so weit
gegangen war, unmöglich in der Absicht der preußischen Regierung liegen
konnte, jetzt einen Bruch herbeizuführen und sich, ohne einen Dank zu gewärtigen,
von den Gegnern Frankreichs fortreißen zu lassen, so gab sich Friedrich
Wilhelm III. alle Mühe, den gereizten Machthaber zu begütigen. Preußen
stimmte auf des Kurfürsten von Baden Verlangen, als Rußland und Schweden
Beschwerde über die Reichsgebietsverletzung bei Ettenheim erhoben, dafür,
daß dieser Forderung keine Folge gegeben werden sollte, und erkannte auf
Grundlage des Beschlusses vom 4ten Mai den bieherigen ersten Consul als
Kaiser unter dem Namen Napoleon I. an. Bald darauf unterzeichnete er
auch eine Uebereinkunft mit Frankreich, keinen Durchzug feindlicher Truppen
durch Deutschland gegen Frankreich zu gestatten, wogegen Napoleon sich verpflichtete,
die Armee in Hannover nicht zu vermehren und den übrigen Theilen
Deutschlands Neutralität zu gewähren.
Diese Convention schien bei der damaligen Lage der Dinge der bisherigen
Politik Preußens angemessen und geeignet, sobald sie nur unverbrüchlich festgehalten
wurde, seinen Einfluß in Deutschland nach Maßgabe der Baseler
Bestimmungen zu erhalten. Allerdings war sie nicht ganz so günstig, wie
damals, wo anstatt französischer Truppen die Demarkationsarmee unter preußischer
Leitung Hannover besetzt hielt und nöthigensalls einschreiten konnte, wogegen
man sich jetzt auf Versprechungen, deren gewissenhafte Beobachtung bei
dem trügerischen Charakter des französischen Gewalthabers kaum vorausgesetzt
werden konnte, verlassen mußte.
Oestreich zögerte einige Monate mit der Anerkennung der neuen Kaiserwürde,
denn es war überhaupt nicht gewilligt, sich in die willkürlichen Anordnungen
Napoleon's zu fügen; doch es hatte unter allen Umständen wichtige
Hausinteressen zu berücksichtigen. Dieser Beweggrund siegte. Indem der
Wiener Hof von Napoleon verlangte, daß der von Franz II. damals angenommene
Titel eines Erbkaisers von Oestreich seinem Hause verbleiben und
demselben, selbst im Falle die römische Kaiserwürde davon getrennt würde, den
Rang vor dem Kaiser der Franzosen geben sollte, so wurde in Wien am 4ten
August, obschon für den letzteren Punkt keine befriedigende Erklärung einging,