Metadata : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1888. (65)

Otto  (Kaiser  und  Könige).

die  Empörung  seines  jüngern  Bruders,
Heinrich,  der  sich  mit  Eberhard,  dem  Herzog
  Giselbert  von  Lothringen  und  dem  Erzfo
  Friedrich  von  Mainz  verbunden
hatte.  Eberhard  und  Giselbert  fanden  bei
Andernach  ihren  Untergang.  Heinrich  erhielt,
  nachdem  er  durch  einen  neuen  Mordversuch
  die  Langmut  des  Bruders  fast  erschöpft
  hatte,  Verzeihung  und  wurde  mit
dem  Herzogtum  Bayern  belehnt.  O.  vergab
  Lothringen  an  seinen  Eidam  Konrad
den  Roten  E  Konrad  2),  Schwaben  an
seinen  Sohn  Liudolf,  während  er  Franken
und  Sachsen  zunächst  mit  der  Krone  vereinigte
  und  i  961  Hermann  Billing  in
Sachsen  einsetzte.  Ottos  Bruder  Bruno
erhielt  das  Erzbistum  Köln.  Nachdem  O.
fiegreiche  Feldzüge  gegen  Slawen  und  Dänen
  unternommen  und  in  den  unterworfenen
  Gegenden  mehrere  Bistümer  angelegt
hatte,  zog  er  951  nach  Italien.  Hier  vermählte
  er  sich,  da  seine  erste  Gattin,  Edith,
gestorben  war,  mit  der  Witwe  König  Lothars
  von  Italien,  Adelheid,  die  ihn  zu
Hlfe  gerufen  hatte,  und  nahm  den  Titel
önig  von  Italien  an.  Nachdem  er  (953
bis  954)  eine  Empörung  seines  Sohns
Liudolf  und  des  Herzogs  Konrad  des  Roten
unterdrückt  und  beide  ihrer  Herzogtümer
tutsegt  hatte,  errang  er  10.  August  955  auf
dem  Lechfeld  bei  Augsburg  einen  glänzenden
  Sieg  über  die  Ungarn,  deren  Raubügen
  nach  Deutschland  er  ein  Ende  machte.
61  zog  er  von  neuem  nach  Italien,  wurde
2.  Febr.  962  in  Rom  zum  Kaiser  gekrönt
und  stiftete  damit  das  heilige  römische
Reich  deutscher  Nation.  Er  entsetzte  die
Päpste  Johann  XII.  und  Benedikt  V.,  vermochte
  aber  nicht  Unteritalien  den  byzantinischen
  Griechen  zu  entreißen.  Nachdem
er  noch  das  Erzbistum  Masdeburg  968
errichtet  hatte,  starb  er  7.  Mai  973  zu
Memleben  in  Thüringen  und  ward  in  dem
von  ihm  gegründeten  Dom  zu  Magdeburg
beigesetzt.  Vgl.  Köpke  und  Dümmler,
Kaiser  O.  d.  Gr.  (1876).
2)  O.  II.,  der  Rote,  Sohn  des  vorien
  und  seiner  zweiten  Gemahlin,  Adelgrio,
  geb.  955,  ward  schon  961  zum  deutschen
  König  und  967  zum  Kaiser  gekrönt
und  folgte  seinem  Vater  973  in  der  Regierung.
  Zunächst  mußte  er  seinen  Vetter

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einrich  den  4  von  Bayern,  der  von
änemark,  Polen  und  Böhmen  unterstützt
  wurde,  unterwerfen;  dann  zog  er
egen  König  Lothar  von  Frankreich,  der
in  Lothringen  eingefallen  war.  Er  verfolgte
  ihn  bis  Paris  und  zwang  ihn  im
Frieden  von  Chiers  (980)  zum  Verzicht
auf  Lothringen.  980  unternahm  er  einen
Zug  nach  Italien,  stellte  in  Rom  das  kaiferliche
  Ansehen  wieder  her  und  wandte
sich  dann  der  Eroberung  von  Unteritalien.
zu.  Er  eroberte  auch  Apulien  und  drang
nach  Kalabrien  vor,  wurde  aber  13.  Juli
982  bei  Sauillace  von  den  Griechen  geschlagen
  und  rettete  sich  kaum  auf  einem
griechischen  Schiff  nach  Rossano.  Zwar
ward  auf  dem  Reichstag  zu  Verona  ein
neuer  Feldzug  gegen  die  in  Unteritalien
und  Sizilien  angesiedelten  Griechen  und
Araber  beschlossen,  aber  O.  starb  schon
7.  Dez.  983  zu  Rom  und  wurde  in  der
Vorhalle  der  Peterskirche  beigesetzt.  Er
war  seit  972  mit  der  griechischen  Prinzessin
Theophanovermählt.  Vgl.  Giesebrecht,
Jahrbücher  des  Deutschen  Reichs  unter
der  Herrschaft  Kaiser  Ottos  II.  (1840).
3)  O.  III.,  »das  Wunderder  Welt-  (mirabilia
  mundi)  genannt,  einziger  Sohn
des  vorigen  und  der  Prinzessin  Theophano,
geb.  980,  war  schon  auf  dem  Reichstag
von  Verona  zum  Nachfolger  bestimmt  und
wurde  25.  Dez.  983  zum  König  gewählt.
einrich  der  Zänker  von  Bayern  bemächtigte
  sich  als  Oheim  und  Vormund  des  junen
  Königs,  wurde  aber  von  Theophano,
für  die  sich  der  Erzbischof  Adalbert  von
Reims,  der  gelehrte  Gerbert  und  endlich
auch  die  anfangs  zweifelhaften  Sachsen
erklärten,  zum  Veriict  auf  die  Vormundschaft
  und  zur  Auslieferung  Ottos
veranlaßt.  Fortan  leiteten  Theophano
und  Ottos  Großmutter  Adelheid  unter
dem  Beistand  des  Erzbischofs  Willigis
von  Rom  die  Reichsgeschäfte  und  ließen
den  jungen  König  durch  den  spätern
Bischof  Bernward  von  Hildesheim  (s.  d.)
und  den  Abt  Gerbert  sorgfältig  erziehen.
Wohl  gingen  Ottos  d.  Gr.  Eroberungen
im  Slawenland  verloren,  aber  die  Elbgrenze
  wurde  wenisiens  gewahrt  und
ein  Angriff  König  Lothars  auf  Lothringen
  abgewiesen.  996  zog  O.  nach  Ita-