Volltext : Sagenbuch des Erzgebirges.

 

pest  in  Italien  auftrat,  welche  mit  Niesen  begann  und  mit  dem  Tode  endete.  Damals
  soll  man  zuerst  demjenigen,  welcher  zu  niesen  anfing,  zugerufen  haben:  „Nun
helf'  Dir  Gott!“  (Hahn,  Geschichte  von  Gera  I.  S.  287.)  Jedoch  gedenken  dieser
Sitte  schon  Aristoteles  und  Plinius.  Aristophanes  bezeichnet  das  Niesen  als  eine
göttliche  Kundgebung,  und  als  eine  solche  galt  dasselbe  auch  bei  den  Indianern
Amerikas;  denn  als  die  Spanier  in  Florida  eindrangen,  sahen  sie,  daß,  wenn  der
einheimische  Herrscher  nieste,  die  Anwesenden  sich  vor  ihm  beugten  und  die  Arme
flehend  nach  der  Sonne  ausstreckten.

Daß  die  Buschweibchen  und  wilden  Weiber  heilkräftige  Kräuter  kannten,  wie
unsere  Sage  meldet,  erfahren  wir  auch  aus  dem  Gudrunliede:  Wate  von  Stürmen
verband  sich  und  die  im  Kampfe  Verwundeten  und  nahm  eine  gute  Wurzel  in  seine
Hand,  denn  längst  hatte  man  vernommen,  „heilkundig  sei  Herr  Wate  von  einem
wilden  Weibe!“

 

184.  Buschweibel  in  der  Gegend  von  Platz  und  Hohentann.
(Edw.  Heger  in  der  Erzgebirgszeitung,  6.  Jahrg.,  S.  55.)

kan  erzählt  in  der  Gegend  von  Hohentann  und  Platz,  daß  in
alten  Zeiten,  wenn  das  Gesinde  auf  den  Feldern  und  die  Hausfrau
allein  zu  Hause  war,  daß  die  Buschweibel  öfters  in  den  Häusern  erschienen
  und  bei  verschiedenen  häuslichen  Verrichtungen  hülfreich  an
die  Hand  gingen  und  sogar  die  Kinder  warteten.  Diese  gute  Zeit
ging  aber  vorüber  wie  die  Buschweibel  selbst  prophezeiten,  denn  sie
sagten:  „Wenn  man  wird  die  Knödel  im  Topf  und  das  Brot  im
Ofen  zählen,  dann  ist  unsere  Zeit  vorbei,  dann  werden  wir  nicht
mehr  da  sein!“

185.  Warum  die  Holzweibel  nicht  mehr  im  Erzgebirge  leben.

(Grohmann,  Aberglauben  und  Gebräuche  aus  Böhmen  und  Mähren.
1.  B.,  S.  14.)

Der  Holzweibchen  sind  vormals  viele  in  den  erzgebirgischen  Wäldern
  gewesen;  sie  können  aber  jetzt  nicht  mehr  daselbst  leben,  seit  das
Brot  im  Backofen  gezählt  wird.  Früher  wurde  es  nicht  gezählt  und  da
konnten  sich  die  Holzweibel  unbemerkt  davon  holen.

Mehr  noch  wie  die  eigentlichen  Zwerge  machen  die  Holzweibchen  den  Eindruck
von  Angehörigen  eines  unterdrückten  und  nur  geduldeten  Volksstammes.  Bemerkenswert
  ist  dabei,  daß  sie  niemals  wie  die  Berge  bewohnenden  Zwerge  als  Volk,  sondern
  nur  vereinzelt  auftraten.  Die  Eigentümlichkeit  ist  ihnen  nicht  bloß  bei  uns,
sondern  auch  in  den  Sagen  der  Lausitz  und  des  Vogtlandes  beigelegt.  Eine  Lausitzer
Sage  ermöglicht  die  Deutung,  in  den  Holzweibchen  versprengte  Slaven  zu  sehen.

In  dem  Dorfe  Königshain  wird  nämlich  einem  solchen  Weibchen,  welches  sich  den
inter  über  bei  einem  Bauer  aufgehalten  hatte,  von  einem  anderen,  das  vorüber.

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