Full text: Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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lodieen: „Herr, ich habe mißgehandelt“ 2e. — „Jesn, meines Her- 
zens Freund“ 2c. — „Aus der Tiefe rufe ich“ 2c. — und: „Du 
Friedensfürst, Herr Jesu 2c.“ — sowie endlich Nicolaus Sel- 
necker, 15) durch die Lieder: „Ach Gott, wie manches Herze- 
leid“ 2c. — „Singen wir aus Herzensgrund“ 2c. — „O Jesu 
Christ, du“ 2c. — „Uch bleib bei uns“ 2c. — und angeblich: 
„Herr Christ, der ein'ge Gottes'“/ 2c. — 
Luthers Gedanken über die Musik im Allgemeinen und die geistliche 
Ton= und Dichtkunst im Besondern waren übrigens folgende: 
Die Musica ist eine schöne herrliche Gabe Gottes und nahe der 
der Theologia. Ich wollte mich meiner geringen Musica nicht um 
was Großes verzeihen. Die Jugend soll man stets zu dieser Kunst 
gewöhnen, denn sie macht feine geschickte Leute. 
Musica ist die halbe Disciplin und Zuchtmeisterin, so die Leute 
gelinder und sanftmüthiger, sittsamer und vernünftiger macht. 
Schon König David preist den Gesang der Vögel. Aber was 
soll ich sagen von des Menschen Stimme, gegen welche alle andere 
Gesänge Klang vnd Laut gar nicht zu rechnen sind? — Denn die- 
selbige hat Gott mit einer solchen Musica begnadigt, daß auch in dem 
einigen seine überschwängliche vnd vubegreifliche Güte ond Weisheit 
nicht kann, noch mag verstanden werden.“ 
„Musica ist aller Bewegung der menschlichen Herzen (von den 
unvernünftigen Thieren will ich jetzt nichts sagen) eine Regiererin, 
durch welche oftmals die Menschen, gleich als von ihrem Herrn regiert 
und überwunden werden. Denn nichts auf Erden krästiger ist, die 
Traurigen fröhlich, die Fröhlichen traurig, die Verzagten herzhafftig zu 
machen, die Hoffärtigen zur Demuth zu reitzen, die hitzige vnd über- 
mäßige Liebe zu stillen vnd zu dämpfen, den Neid vnd Haß zu min- 
dern. Dieselbigen Bewegungen des Gemüths im Zaume zu halten vnd zu 
regieren, ist nichts kräftiger denn die Musica. Ja der heilige Geist 
lobet und ehret selbst diese edle Kunst, als seines eignen Amtes Werk- 
zeug. — Daß das geistliche Liedersingen gut vud Gott angenehm sei, 
achte ich, sei keinem Christen verborgen, dieweil Jedermann nicht allein 
die Exempel der Propheten vnd Könige (die mit Singen vnd Klingen, 
mit Dichten ond allerlei Saitenspiel Gott gelobt haben), sondern auch 
solcher Brauch, sonderlich mit Psalmen, gemeiner Christenheit von An- 
fang kund ist (1. Corinth. 14, 26 u. Coloss. 3, 16.) — Demnach 
habe ich auch samt etlichen Andern zum guten Aufang vnd Ursach zu 
geben denen, die es besser vermögen, etliche geistliche Lieder zusammen- 
bracht, das heilige Evangelium, so jetzt von Gottes Gnaden aufge- 
gangen ist, zu ireiben ond in Schwang zu bringen. Und sind dazu. 
auch in vier Stimmen gebracht, nicht aus andrer Ursach, denn daß 
ich gern wollte, daß die Jugend der fleischlichen Gesänge los würde, 
ꝛe) Starb 1592 als Superint. zu Leipzig.