II. Die deutiche Frage und die Heeresreorganisation. 357
auf die deutschen Fürsten aber machte sein männliches, offenes
und energisches Auftreten einen sehr wohlthätigen Eindruck
und überzeugte sie, daß es ihnen nicht gelingen werde, ihn nach
ihrer Pfeise tanzen zu lassen oder zu einer Systemänderung zu
bewegen, vielmehr fühlten sie sich alle unwillkürlich als Vassallen
Preußens, und das war jedenfalls ein erfreuliches und ein
neues Symptom der Zeit. Die erste von den moralischen
Eroberungen, die er für Preußen gefordert, hatte der Prinzregent
unbewußt selbst gemacht. Daran änderte es nichts, daß
er, als König Mar II. von Bayern in ihn drang, er möge die
Spannung mit Oesterreich vollends begleichen und dazu seine
Anträge auf Reform der Bundeskriegsverfassung fallen lassen,
zumal diese Deutschland der Gesahr einer endgültigen Zweiteilung
durch die Mainlinie aussetzten, das zwar ablehnte,
aber sich doch damit einverstanden erklärte, daß der König
eine persönliche Begegnung zwischen ihm und dem österreichischen
Kaiser herbeizuführen versuche.
Schon diese eigentlich überraschende Wendung ließ erkennen,
daß die Badener Zusammenkunft nach keiner Seite hin das
Gehoffte geleistet hatte, sondern eher als ein neuer Mißerfolg
der preußischen Politik anzusehen war. Wie der Prinzregent,
den sein gesunder natürlicher Takt auch hier richtiger geleitet
hatte als das Für und Wider abwägende politische Erörterungen,
nur widerstrebend darauf eingegangen war, so erwies sie sich
gleich in ihren nächsten Folgen als ein Fehler, der die Stellung
Preußens nach allen Seiten hin verschlechterte und es nötigte,
gleich wieder in die eben verlassene Bahn der Verständigung
mit Oesterreich einzulenken. Das Verhältnis zu Frankreich war
durch die Enttäuschung, die Napoleon III. erfahren hatte, nicht
gebessert, und die Verwirklichung von Bismarcks Gedanken an
eine französisch-preußische Allianz wieder in weite Ferne gerückt.
Die deutschen Fürsten, die sich in Baden mißtrauisch eingedrängt
hatten, waren erst recht von Unwillen und Sorge gegen
Preußen erfüllt, da sie es in der liberalen Richtung beharren
und entschlossen sahen, wenigstens die Resorm des Bundeskriegswesens
nicht wieder im Sande verlaufen zu lassen.
Um sich gegen die drohende Anfeindung von diesen beiden