Full text : Bismarck und das päpstliche Rom.

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Bismarck  war  dabei  dem  Mainzer  Heissporn  auf  der  Spur.
„Das  treibende  Prinzip  in  dem  badischen  Kirchenstreit‘‘,  bemerkt
er,  habe  seinen  Sitz  nicht  in  Freiburg,  sondern  in  Mainz,  in  der
Person  des  Bischofs  v.  Ketteler.

Bismarcks  Sendung  nach  Karlsruhe

Behielt  es  bei  dem  bestehenden  badischen  Staatswesen
sein  Bewenden,  so  mußte  um  so  entschiedener  dafür  gescrgt
werden,  daß  die  ‚katholischen‘  Staatsangehörigen  des  ‚‚ketzerischen‘‘
  Großherzogtums  als  gläubige  römische  Herde  so  absolut
unter  das  Regiment  ihres  Oberhirten  auf  dem  Thronsessel  in
Freiburg  gebracht  wurden,  daß  die  staatliche  Einwirkung  vollständig,
  bis  in  die  letzte  Seelenfalte  hinein,  ausgeschaltet  wurde.
Eben  hierzu  war  es  unerläßlich,  daß  die  römische  Kurie  nicht
nur  die  Heranbildung  und  die  Anstellung  der  Geistlichkeit,
sondern  auch  die  Laienschule  und  damit  die  gesamte  Jugend
in  ihre  Hand  bekam.  Dieser  Weg,  die  Eroberung  von  innen
heraus,  unter  den  Auspizien  des  zu  untergrabenden  Staatswesens
selbst,  war  sogar  weitaus  der  sicherere  und  vielversprechendere.

Nicht  nur  Bismarck  war  über  diese  Lage  der  Dinge  im
klaren,  auch  der  Ministerpräsident  und  Leiter  der  auswärtigen
Angelegenheiten  an  der  Spree,  v.  Manteuffel,  sein  Chef,
war  im  Interesse  der  preußisch-deutschen,  nationalen  Politik
entschlossen,  dem  Großherzogtum  Baden  in  diesem  Kampfe  um
Leben  und  Tod  mit  dem  päpstlichen  Rom  nach  Kräften  beizustehen.
  Dem  preußischen  Gesandten  in  Karlsruhe  ward  aufgegeben,
  dem  damaligen  Prinzregenten,  künftigen  Großherzoge
Friedrich,  und  der  Regierung  in  Karlsruhe  die  guten  Dienste
Preußens  anzubieten.  Bismarck  selbst  erhielt  von  Berlin  aus
den  Auftrag,  sich  nach  Karlsruhe  zu  begeben,  um  daselbst  an
leitender  Stelle  das  Rückgrat  Rom  und  Wien  gegenüber  möglichst
  zu  stärken.

In  Karlsruhe  fand  Bismarck,  als  er  sich  Ende  Januar  1854
hinbegab,  bei  dem  Prinzregenten  ein  volles  Verständnis  für
die  Tragweite  der  Lage:  Seine  Hoheit  war  sich  bewußt,  daß
es  sich  nicht  nur  um  Baden,  sondern  um  Deutschland  handle,
und  war  willens,  als  Vorkämpfer  für  die  übrigen  Deutschen  und
namentlich  protestantischen  Fürsten  seinen  Mann  zu  stehen.
Auch  die  Minister  waren  entschlossen,  die  Staatshoheit  Rom
gegenüber  zu  wahren.  Indes  versagten  unter  den  vereinigten