Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

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Aumisster  63

Carmen  Syloa?

Bukarest,  2.  März.  Die  Königinwitwe  ist
heute  vormittag  gestorben.

Diese  Nachricht  traf  am  Donnerstagabend
ganz  überraschend  ein.  Man  wufskte  bis  gestern
nur,  daß  die  Königin  leicht  erkrankt  war.  Bald
trat  aber  eine  Wendung  zum  Schlimmen  ein.
Der  Krankheitsbericht  vom  1.  März  lautete:
Die  Atmung  begann  seit  Dienstagabend  immer
schwieriger  zu  werden.  Nachts  setzte  der  Puls
zeitweise  aus,  der  Auswurf  unterblieb.  Heute
früh  verschlimmerte  sich  der  allgemeine  Zustand,
so  daß  die  Lage  sehr  bedenklich  wurde.  Seit
nachmittags  5  Uhr  war  der  Zustand  hoffmungslos.


Königin-Witwe  Elisabeth  war  am  29.  Dezember
  in  ihr  73.  Lebensjahr  getreten.  Ihre
Wiege  stand  am  Ufer  des  Rheins,  zu  Wied,
wo  der  junge  Hohenzollernprinz  Karl  (aus  der
nicht  regierenden  Linie),  der  damals  in  der
preußischen  Armec  diente,  sie  kennen  lernte.
Sie  selbst  hat  die  echt  romantische  Entstehung
ihrer  Bekanntschaft  mit  dem  stattlichen  Prinzen
in  ihrer  gemütvollen  Weise  erzählt.  Es  wurde
ein  Herzensbund,  der  die  beiden  bald  vereinigte,
  und  in  größter  Harmonie  verlief  ihre
Ehe,  die  im  Oktober  1914  durch  den  Tod  des
Königs  getrennt  wurde.

Königin  Elisabeth  von  Rumänien  war  am
29.  Dezember  1843  zu  Neuwied  als  die  Tochter
  des  Fürsten  Hermann  zu  Wied  und  der
Fürstin  Maria,  Prinzessin  von  Nassau,  geboren.
Am  15.  November  1869  vermählte  sie  sich  mit
dem  damaligen  Fürsten,  späteren  Honia  von
Rumänien,  Karl  wurde  dem  hohen
Paare  eine  Tochter  geboren,  die  jedoch  schon
vier  Jahre  später  starb.  Die  Ehe  blieb  seitdem
linderlos.

Ein  reiches  und  gesegnetes  Leben  neigte  sich
jetzt  seinem  Ende  zu,  denn  die  Königin  hat
den  gröhten  Anteil  an  der  Entwicklung  Ruens,

  in  wirtschaftlicher  und  sozialer  Be-Eihuen

  nicht  meniger  als  in  geistiger  gehabt.
Der  Namen  Carmen  Syloa  steht  au#  einer
stattlichen  Reihe  von  Werken.  Dichten,  HGrel.
ben  war  ihr  zu  einem  geistigen  Bedürfnis
worden.  Viel  aus  ihrem  Leben  ist  niedergelstt.
in  dem  von  LCebenserfahrung  und  Lebeneklugheit
  erfüllten  Buche  „Mein  Penatenwinkel“,
einem  ihrer  letzten  Werke.

Besscebene  Nachuchten

Stuttgart,  2.  März.  Laut  einer  Perfügung
  des  Ministeriums  des  Innern  werden
Tom  9.  März  ab  zur  Regelung  des  Butterverbrauchs
  Buttermarken  eingeführt,  durch
welche  Personen  mit  Mehl-=  und  Brotkartenberechtigung
  Anspruch  auf  monatlich  pvier  Butlermarken
  für  je  120  Gramm  Butter  erhalten.
Die  Teuerungsunruhen  in  Spanien.

Bern,  2.  März.  Ueber  die  Wirtschaftskrise
in  Spanien  meldet  ein  Sondertelegramm  des
„Temps“:  Die  Lage  in  Valencia  ist  eruft;
der  Bürgermeister  hat  sein  Amt  niedergelegt.
In  den  Zusammenstößen  zwischen  der  Polizei
und  den  Streikenden  gab  es  Tote  und  mehrere
Verletzte.  Die  Handelshäuser  und  Fabriken  find
geschlossen.  Die  Stadt  liegt  infolge  Strommangels
  im  Dunkeln;  die  Zeitungen  erscheinen
nicht.  In  Coruna,  Soria,  Barcelona,  Sevilla,
Cadiz  und  anderen  Städten  sanden  Kundgebunngen
  gegen  die  Teuerung  statt.

Siegesziel.

H##userzählung  on  28.  H.  Geindors.

 

Unmöglich!  Sie  konnte  das  eine  so  wenig
über  sich  gewinnen  wie  das  andere.  Und  so
blieb  Bernhard  Sewalds  Vrief  aus  dem  Kriegslazartn
  verlausig  ohne  Amtwor  t.

An  diesem  nämlichen  Tage  trat  ihr  Vater
in  bünde-  freudiger  Erregung  Zu  ühr  ins
Jimmer.  Er  hatte  ein  Zeitungohlatt  in  der
Hand  und  reichte  es  ihr.  indem  er  auf  cine

4  Stolle  hine
bestimn  e  *—  N#t  V—  Von  aledem  hat

der  Hunichees  bis  jent  mit  keinem  Wort  gelrechen,
  sondern  hat  immer  so  #tar,  als  ob
hm  sein  Eisernes  Kreuz  erster  Klasse  rein  zue
fällig  an  die  Brult  gist  logen  sei  —  nur,  well
man  gerade  für  das  betreffende  Eremter
kelne  bessere  Verwendung  hatte.  —  Wieviel
Aushebens  würde  wohl  jeder  andere  an  seiner
Stelle  mit  gutem  Recht  davon  gemacht  haben!“
Int'pesstert  und  doch  mit  einem  Gefühl
elsen  Mißbebagens  nahm  Margarete  die
Zeltung  entgegen.  Da  stand  unter  der  Ueberfaift:
  „Holdenmut  elnes  deutschen  Milttärarztes“
  ein  ziemlich  langer  Berlcht,  der  ki
einzig  mit  dem  Verhalten  lhres  Veluers
Heinz  Vollrath  befaßte,  ein  Bericht,  der
der  ersten  bie  zur  letzten  Jeile  nichts  Sd
war  als  ein  Ruhmesgesang  auf  die  beroische
Opserwilligkeit  eines  Mannes,  der  sein  Leben
nicht  elnmal,  sendern  zwanzigmal  unerschrocken
aufs  Splel  gesetzt  heuee.  um  weit  über  die
Erenzen  seiner  Pflicht  binaus  verwundeten

in
Kriegern  noch  mitten  im  Kugelretzen  Hilse  zu
brinãun.

samstag,  4.  Al###s  191

 

 

Zeichnet  die  Kriegsanleihbe!

 

Fünfprozentige  Veutsche  Reichsanleitze

YViereinhalbprozentige  anslosbare
Deutsche  Reichsschatanweisungen
das  ertpapier  des  Deutschen  bolkes

die  Waffe  der  Daheimgebliebenen

bei  der  Reichsbank,  den  Banken  und  Bankiers,  den  Sparhassen,  den  Lebensversicherungsgesellschaften,
  den  Kreditgenossenschaften

letztter  Zeichnungstag  int  der  22.  märz.

Man  schiebe  aber  die  Seichnung  nicht  bis  zum  letzten  Tage  auf!

Alles  Uähere  ergeben  die  öffentlich  bekanntgemachten  und  auf  jedem  Seichnungsschein

zu  98.50

oder

zu  95.

Die  Kriegsanleihe  ist

die  beste  Anlage  für  jeden  Sparer
sie  ist  zugleich

gegen  alle  unfre  Seinde

die  jeder  zu  Hause  führen  kann  und  muß

ob  Mann,  ob  Srau,  ob  Kind.

Der  Mindestbetrag  von  Hundert  Mlark

bis  zum  20.  Juli  1910  zahlbar
ermöglicht  Zedem  die  Beteiligung.

Man  zeichnet

oder
bei  der  Post  in  Stadt  und  Cand.

abgedruckten  Bedingungen.

 

 

 

e  einem  mult  selndlichen  Granaken  über-Hiutteten
  Dorse,  das  nur  noch  ein  ermsieiger
ümmerhaufen  gewesen  war,  hatte  er  unermüdlich
  Schwerperwundete  verbunden,  nachdem
  milt  seiner  Hilse  in  notdürftigste
ebracht  worden  waren.  Er  hatte  nich
in  diels.  Ganigen  durch  einige  leichtere  Ver-Leungen
  nicht  einen  Augenblick  beirren  lassen.
Und  als  ihm  dann  durch  das  stürzende  Mauerwerk
  einer  unter  einem  Granatentreffer  zusammenbrechenden
  Glebelwand  das  Bein  ziemlich
erdeblich  gequetscht  worden  war,  so  daß  er  nicht
länger  sich  aufrecht  zu  halten  vermochte,  war
"2  von  einem  Verwundeten  zum  andern  gerochen,
  um  weiter  Beistand  zu  leisten.  Zwei
Koch-  später  schon  war  er  dann  wieder  im
Feldlazorett  töfig  gewesen,  obwohl  er  sich
mur  mühsam  mit  Hilfe  einer  Krücke  hatte  bewegen
  können.  Und  der  Kommandierende
General,  der  ihm  das  Eiserne  Kreuz  perlönlch
  on  die  Prust  geheftet,  hatte  bei  seiner
Ansprache  gesagt,  rmW  bohe  Auszeichnung
t.  voch  keinem  Würdigeren  zutell  geworist

  sehr  schön,  Lern  11  erklärte  Nargarese,
  achdeen  sie  zu  Ende  gelesen.  „Ich  höt
mimmermehr  gegloubt,  da  2  stille  be  rde-Heinz
  solcher  Veschen.  roHßtaten  föhig  sei.“
eil  ihr  1  augen  Mädel  eben  überhaupt
uscht“  7—t  eld,  alnen  Mann  richti
zu  r———  Euer-  lnei  wird  immer  unn  die
brsteu  techen  den  Berlich-O45
  zis  Amn“  nd  die  Venen  gelten
8  nichis,  wenn  nichi  zugel  das  Talent
96%  ch  in  Gzen  setz  in  Dameneld
  Heinz  *  lt-  Lebtage  nicht  gewesen
  und  wir  auch  schwerlich  jemals

werden.  Unter  vormnünstigen  Männern  aber,

 

 

zumal  unter  seinen  Bekuisgencssen,  hat  er
immer  für  einen  gegoiten,  ver  dem  man  den
Hut  ziehen  darf.“

„Nun  ja.  Aber  woher  lülte  ich  das  missen
sollen?  Ich  tonnte  mir  doch  keine  Mein  ung
über  eine  ärztliche  Tüchtigleit  bilden

Der  Sanitaisrat  war  ein  wenig  überrascht
von  dem  sonderbar  trotzigen  Klang  ihrer  Einrede.
  Und  mit  einem  kleinen  Siirnrunzeln  sagte
  er:

„Das  lonntest  du  allerdings  kaum.  Etwas
anderes  aber  hatlest  du  mohl  bemerken  können:
leine  unbe  sicchluze  Wantheiotet  und  Autichtigkeit
  namlich.  Joh  bin  in  meinem  Leben
keinem  Menschen  begeguct,  der  ihn  darin  übertroffen
  hätte.  Ich  glaube,  es  würe  ihm  cinfach
unmöglich.  ein  unwahrhaftiges  oder  unehrliches
  Wort  über  die  Lippen  Zu  bringen.  Ader
es  mog  wobhl  sein,  daß  diese  Tugend  bei  den
Damen  in  geringerem  Ansehen  sieht  als  jede
andere.  Denn  den  geraden  und  auirichtigen
Leuten  fließen  die  Komplimente  nicht  so  leicht
von  den  Lippen  wie  den  geichmeidigen  Windeuteln.



Die  ungewohnte  Schürfe  in  ihres  Vaters
Worten  und  die  große  Lobhaftigleit,  mit  der
er  gerade  ihr  gegenuber  die  Vorzüge  des
Mefsen  hervorhob,  machten  Margatele-  nachlich.



Sollte  sich  dahinter  möglicherweise  ein
ganz  bestimmer  Wunsch,  irgendeine  besondere
bsicht  verbergen?  Sollte  Sottor  Willim  etwa
bemerkt  haben,  was  ihr  seiber  bis  zu  jener  verrätcrischen
  Szene  im  Munkzimmer  vollständig
verborgen  geblieben  war?  Oder  sollte  Heinz
plelleicht  sagor  dem  Oheim  darüber  eine  Andeutung
  gemacht  haben,  daß  er  sie  liebte  7
SIwar  wles  sie  namentlich  diesen  letzten  Ge- 



danken  sogleich  wieder  als  gar  zu  unwahrscheinlich
  zurun.  Aber  cin  gewisies  Mißtrauen
blirb  doch  im  orer  Seele  zurück.  Und  sie  ver
mied  es  nach  dieser  Siunde  geflissentlich  in  der
Unterhaltung  mit  dem  Bater  das  Gespräch  auf
den  Verer  zu  bringen

Uebrigens  brachten  ihr  diese  Tage  dle  endliche
  Erfullung  eines  längst  gebegten  und  mit
ciserner  Energie  versolgten  Wunsche#.  Der
Samtatsrat  raumte  ihr  einen  Platz  als  Pflegerin
  in  dem  Reserve-Lazarett  ein,  darin  er
selber  als  arnscher  Leiter  tatig  war.  S
hatte  schon  fruher  eine  vollständige  Ausbildung
als  Samariterin  erfahren,  und  nur  Um  ·
siand,  daß  ihre  Gesundheit  in  den  letzten  Monaten
  elwas  schwankend  gewesen  war,  hane
Dottor  Willim  bisher  abgehalten,  ihrem  immer
wiederholten  Verlongen  seine  vaterliche  Zustimmung
  zu  geben.  Seit  dem  Tage  aber,  wo
ne  Vernhard  Sewalds  Bues  erhalten,  war
Margarete  nicht  mude  geworden,  ihn  mit  Bitten
zu  bestürmen.  Die  Untangkeit  —  und  die  Erullung
  vibrt  kleinen.  beulichen  „chten
iten  nichts  m—  —-ich

  k  umfingle  Druck  Eie  suchte  Beläueuas
  lür  den  nagenden  Kummer  und  dsne
quälende  Angst,  die  sie  zu  keiner  Stunde  d
Tages  verließen.  Und  da  es  ihr  hech  d
Grausamkeit  des  Schickfals  versagt  war,
ihre  izblichen  Krätte  demjenigen  zu  Et
für  den  sie  so  gerne  auch  das  iie  und
Schwerfte  auf  usch  genommen  hätite,  beltna  —
einen  schwachen  Troft  in  der  restlosen  Hluga
an  ein  oepservo  der  Barmherzigkel#t
çgegen  andere  zu  282  die  leidben  muhten

wie  er
von  der  ersten  Stunde  an
den  otst“  dab  es  iht  beiliaster